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IW-Trends Nr. 1 1. März 2017 Christoph Schröder Armut in Europa: Eine multidimensionale Betrachtung

Laut Definition der EU gilt als arm, wer aufgrund von Ressourcenmangel Entbehrungen im Lebensstandard hinnehmen muss. Alternativ dazu lässt sich Armut auch über einen Mangel an Verwirklichungschancen messen. Für den multidimensionalen Armutsindex werden weitere Dimensionen betrachtet. Insofern können Einschränkungen in Lebensverhältnissen besser dargestellt werden.

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Eine multidimensionale Betrachtung
IW-Trends Nr. 1 1. März 2017 Christoph Schröder

Armut in Europa: Eine multidimensionale Betrachtung

Christoph Schröder Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Laut Definition der EU gilt als arm, wer aufgrund von Ressourcenmangel Entbehrungen im Lebensstandard hinnehmen muss. Alternativ dazu lässt sich Armut auch über einen Mangel an Verwirklichungschancen messen. Für den multidimensionalen Armutsindex werden weitere Dimensionen betrachtet. Insofern können Einschränkungen in Lebensverhältnissen besser dargestellt werden.

Armut wird in der öffentlichen Diskussion oftmals mit relativer Einkommensarmut gleichgesetzt. Armut ausschließlich über ein relativ geringes Einkommen zu definieren, greift aber zu kurz. Die Armutsgefährdungsquote oder der Anteil der Personen, die weniger als 60 Prozent des haushaltsbezogenen Medianeinkommens verdienen, ist vielmehr ein spezielles Maß für Einkommensungleichheit. Die Tschechische Republik schneidet bei diesem Indikator am besten ab, die baltischen Länder, Griechenland, Spanien, Rumänien und Bulgarien mit Quoten zwischen 21 und 25 Prozent am schlechtesten. Deutschland liegt mit einer leicht unterdurchschnittlichen Armutsgefährdungsquote im Mittelfeld. Laut Definition der EU gilt als arm, wer aufgrund von Ressourcenmangel Entbehrungen im Lebensstandard hinnehmen muss. Die sogenannte konsistente Armut ergibt sich als Schnittmenge von relativer Einkommensarmut und materieller Entbehrung und erfüllt somit die EU-Definition. Alternativ lässt sich Armut auch über einen Mangel an Verwirklichungschancen messen. Betrachtet werden hier beispielhaft die Dimensionen Einkommen, materielle Deprivation, Bildung, Erwerbstätigkeit, Wohnumfeld und Unterkunft sowie Gesundheit. Die Indikatoren dieser Dimensionen werden zu einem multidimensionalen Armutsindex zusammengefasst. Dabei schneiden Norwegen, Schweden und die Schweiz am besten, Bulgarien, Rumänien und Griechenland am schlechtesten ab. Es zeigt sich eine sehr ähnliche Reihenfolge wie bei der konsistenten Armut. In Deutschland ist die Armutsquote auf Basis beider Maße deutlich kleiner als im EU-Durchschnitt. Auch die subjektiv empfundene Einkommensarmut ist eng mit den beiden multidimensionalen Armutsmaßen korreliert. Diese Ansätze sind daher besser geeignet, Einschränkungen in den Lebensverhältnissen darzustellen, und sie eignen sich auch besser als Zielgröße für eine Politik gegen Armut.

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Armut in Europa

Der multidimensionale Armutsindex betrachtet die Dimensionen Einkommen, materielle Deprivation, Bildung, Erwerbstätigkeit, Wohnumfeld und Unterkunft sowie Gesundheit. Der Index errechnet sich als gewichtetes Mittel der Einzelwerte (der Median über alle Einzelwerte der jeweiligen Dimension im Zeitraum 2008 bis 2015 entspricht 100).

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