Vor diesem Hintergrund wurde mittels multivariater Analysen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) untersucht, wie sich das tägliche Vorlesen mit sechs Jahren und Lesen in der Freizeit mit zehn Jahren auf die Schulnoten vier Jahre später und den Übergang auf die weiterführenden Schulen auswirken. Um den tatsächlichen Wirkungszusammenhang zu ermitteln, wurde dabei der familiäre Hintergrund der Kinder kontrolliert, da dieser sowohl das Leseverhalten als auch den Schulerfolg beeinflussen kann. Im Ergebnis zeigt sich, dass Kinder, die mit zehn Jahren täglich in ihrer Freizeit gelesen haben, mit vierzehn Jahren mit einer um 10 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit ein Gymnasium besuchen. Auch für das tägliche Vorlesen mit sechs Jahren findet sich ein positiver Effekt in der Größenordnung von 3 Prozentpunkten, wobei die Messungenauigkeit hier allerdings so groß ist, dass nicht komplett ausgeschlossen werden kann, dass an sich gar kein Zusammenhang besteht. Anders stellt sich die Lage bei der Deutschnote im Alter mit zehn Jahren dar, die bei den Kindern, die im Alter von sechs Jahren regelmäßig vorgelesen bekommen haben, unter sonst gleichen Bedingungen um 0,18 besser ausfällt. Lesen die Kinder im Alter von zehn Jahren täglich in ihrer Freizeit, ist die Deutschnote im Alter von vierzehn Jahren mit 0,21 um fast eine Viertelnote besser und bei der Note in der ersten Fremdsprache ist der Effekt mit 0,25 sogar noch etwas größer. Auch die Mathematiknoten sind bei den Kindern, die täglich vorgelesen bekommen und gelesen haben, tendenziell etwas besser.

Damit möglichst alle Kinder von den positiven Effekten des Vorlesens und des Selbstlesens profitieren können, sollte die Leseförderung in den Kindergärten und Grundschulen deutlich ausgebaut werden. Ehrenamtliche Lesepaten leisten hier bereits heute einen großen Beitrag und ihr Engagement sollte weiter gefördert werden. Insbesondere in den Kindergärten und Schulen, die in größerem Maße von Kindern aus Elternhäusern, in denen kaum vorgelesen und gelesen wird, besucht werden, sollte allerdings auch das reguläre Personal im Bereich der Leseförderung noch stärker tätig und entsprechend aufgestockt werden. Gelingt es so, die Kinder im Grundschulalter zum regelmäßigen Lesen zu motivieren, werden sie dies mit größerer Wahrscheinlichkeit auch noch in ihrer Jugend tun. Multivariaten Analysen auf Basis des SOEP zufolge weist die Lesebiografie nämlich ein hohes Maß an Kontinuität auf, sobald die Kinder selbst lesen können, wohingegen der Einfluss des familiären Hintergrunds mit zunehmendem Alter zurückgeht.