Die Republikaner wollten mit der Machtübernahme 2017 das Unternehmensteuerrecht nicht weniger als revolutionieren. Die geplante Grenzausgleichsteuer hätte eine einseitige Abkehr der USA von internationalen Steuerregeln bedeutet. Statt nach dem Ursprungslandprinzip wäre die Besteuerung dabei nach dem Bestimmungslandprinzip erfolgt, also dort, wo die Güter verkauft werden. Was theoretisch überzeugen kann, wäre in der Praxis einem Affront gegenüber dem Rest der Welt gleichgekommen. Das Vorhaben wurde fallengelassen, stattdessen kam es im Jahr 2018 zu einer eher klassischen, gleichwohl umfassenden Steuerreform, indem Steuersätze deutlich gesenkt und im Gegenzug die Bemessungsgrundlagen verbreitert wurden. Der nationale Körperschaftsteuersatz fiel zum 1. Januar 2018 von 35 auf 21 Prozent. Allerdings kommen je nach Bundesstaat noch lokale Aufschläge hinzu, so dass Werte von bis zu 28 Prozent erreicht werden; zuvor waren es zum Beispiel in Kalifornien bis zu 41 Prozent (FTB, 2020). Damit liegt die Steuerbelastung von Unternehmensgewinnen in den US-Bundesstaaten unter der durchschnittlichen Steuerbelastung in Deutschland von rund 30 Prozent – diese variiert je nach Unternehmenssitz mit dem jeweiligen Gewerbesteuerhebesatz (Grafik). Die USA haben mit der Steuersatzsenkung die internationale Spitzenposition bei den Steuersätzen abgegeben und rangieren nun im Mittelfeld.

Auch die Einkommensteuerbelastung wurde im Jahr 2018 gesenkt. Die Freibeträge wurden nahezu verdoppelt, für einen Single sind heute – vergleichbar mit deutschem Recht – 12.400 US-Dollar steuerfrei. Gleichzeitig verläuft der stufenartige Einkommensteuertarif der USA jetzt flacher als zu Beginn der Amtszeit von Donald Trump und ebenfalls flacher als in Deutschland. Auf die ersten 10.000 US-Dollar pro Jahr beträgt die Einkommensteuer 10 Prozent, darüber beläuft sie sich bis zu einem Einkommen von rund 40.000 US-Dollar auf 12 Prozent – statt 15 Prozent wie vor der Reform. Bis zu einem Jahreseinkommen von 163.000 US-Dollar steigt der Steuersatz auf 24 Prozent. Das Maximum von 37 Prozent wird erst bei einem Einkommen von rund 520.000 US-Dollar erreicht. Damit ist der Spitzensteuersatz nicht nur geringer, sondern er setzt auch noch später ein als unter Trumps Vorgänger Barack Obama (El-Sibaie, 2019). Im Gegenzug wurde die Absetzbarkeit verschiedener Aufwendungen eingeschränkt.

Die US-Regierung hat im Unternehmensteuerrecht zudem systematische Veränderungen vorgenommen: Einerseits sollten dadurch Anreize für Unternehmen geschaffen werden, mehr zu investieren und Kapital in die USA zu transferieren, andererseits sollten Kapitalabfluss und Gewinnverlagerung aus den USA heraus erschwert werden. So können Unternehmen viele Wirtschaftsgüter sofort vollständig abschreiben, was die Bemessungsgrundlage unmittelbar reduziert und einen Liquiditätsvorteil schafft. Gleichzeitig hat der Staat die steuerliche Abzugsfähigkeit von Fremdkapitalzinsen eingeschränkt, wodurch tendenziell eine Finanzierung von Investitionen aus Eigenmitteln gefördert wird. Zudem hat die US-Regierung eine Patentbox eingeführt, wie sie zum Beispiel auch in den Niederlanden oder in Luxemburg besteht. Dabei wird auf erzielte Gewinne aus Lizenzen ein ermäßigter Steuersatz von 13 Prozent erhoben. So sollen Konzerne ihre Markenrechte in den USA registrieren, damit die Gewinne im Land anfallen. Um Kapitalabflüsse zu begrenzen, haben die USA eine Mindeststeuer und eine Lizenzschranke eingeführt. Bei letzterer fällt eine Art Strafsteuer auf im Ausland bereits versteuerte Lizenzgewinne an.