Die US-Kongresswahlen am 3. November sind ein Stimmungstest für US-Präsident Donald Trump. Seine zentralen wirtschaftspolitischen Versprechen bleiben unerfüllt, zeigt eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Am Zollkurs dürfte sich durch die Midterms jedoch wenig ändern.
US-Midterms: Trumps Wirtschaftspolitik geht bisher nicht auf
Trumps wirtschaftspolitische Bilanz nach fast zwei Jahren im Amt fällt ernüchternd aus. Mit seiner Zollpolitik ist es ihm nicht gelungen, das US-Warenhandelsdefizit dauerhaft zu verkleinern. Auch ausländische Unternehmen investierten 2025 weniger Geld in den USA als im Jahr zuvor. Zwar wächst die US-Wirtschaft weiter robust. Doch es entstehen weniger neue Arbeitsplätze als unter der Vorgängerregierung und die Investitionstätigkeit konzentriert sich stark im Bereich KI. Hinzu kommen die durch den Iran-Krieg gestiegenen Lebenshaltungskosten. Das zeigt eine IW-Analyse zu Trumps wirtschaftspolitischen Versprechen.
Die Kernergebnisse im Überblick
- Zölle verfehlen ihr Ziel: Im August 2026 lag das US-Warenhandelsdefizit bei 130 Milliarden US-Dollar – etwa 35 Milliarden mehr als im August 2024. Der EU-Anteil sank zwar von 20 auf sieben Prozent. Das liegt aber vor allem daran, dass die USA mehr Waren, insbesondere Energie, in die EU exportierten. Chinas Anteil fiel von 29 auf 14 Prozent. Das Defizit gegenüber Deutschland blieb weitgehend stabil: Im August 2026 lag es bei 5,8 Milliarden US-Dollar (August 2024: 6,6 Milliarden US-Dollar).
- Ausländische Investitionen bleiben schwach: Weltweite Direktinvestitionen in die USA beliefen sich 2025 auf 248 Milliarden US-Dollar. Das waren 8,2 Prozent weniger als im Vorjahr und 18 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2024. In die US-Industrie floss zwar mehr Geld als 2024, aber rund ein Fünftel weniger als im Zehnjahresschnitt.
- Schulden steigen: Die US-Staatsschulden überschritten erstmals 40 Billionen US-Dollar; Anfang 2026 entsprachen sie 123 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die jährlichen Zinskosten liegen bei mehr als einer Billion US-Dollar. Kostentreiber sind vor allem der Iran-Krieg und die Steuersenkungen. Steigende Zinsen verteuern die Schulden künftig zusätzlich.
- Bilanz durchwachsen: Die US-Wirtschaft wuchs 2025 noch um 2,3 Prozent, nach drei Prozent im Vorjahr. Am Arbeitsmarkt kommt davon wenig an: Im Schnitt entstanden nur rund 10.000 neue Stellen pro Monat – 2023 waren es noch rund 200.000 im Monat.
Midterms dürften den Kurs kaum ändern
Auch wenn Trumps Kalkül bislang nicht aufgegangen ist, dürften die Midterms den Zollkurs kaum verändern. Eine oppositionelle Mehrheit im Kongress wäre voraussichtlich zu knapp, um ein Veto des Präsidenten zu überstimmen. „Die USA bleiben für Deutschland und die EU ein wichtiger Handelspartner. Die Unsicherheit wird jedoch auch nach den Zwischenwahlen anhalten“, sagt IW-Außenhandelsexpertin Samina Sultan. Deutsche Unternehmen sollten damit rechnen, dass die Richtung der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis Januar 2029 bestehen bleibt.
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