Einer dieser Standards ist eCl@ss. Als ISO/IEC-normenkonformer Industriestandard wird eCl@ss von rund 3.500 Unternehmen weltweit verwendet. In einer von IW Consult im Zeitraum von August bis Oktober 2018 durchgeführten Online-Befragung konnten nun erstmalig Daten von rund 140 Unternehmen zu Verwendung, Erwartungen und Zielen im Umgang mit eCl@ss erfasst werden. Auf Basis dieser Befragung können am Fallbeispiel eCl@ss Trends in der Nutzung sowie die Potenziale von Standards aufgezeigt werden.

Standards als Vernetzungs-Tool

Pauline Anna Pohl

Pauline Anna Pohl

Referentin in der IW Consult

Das zentrale Motiv für die Einführung von eCl@ss ist die externe Vernetzung: Rund vier von fünf befragtenen Cl@ss-Nutzern verwenden den Standard aufgrund von Kunden- oder Lieferantenanforderungen. Dabei kommen die Impulse deutlich häufiger von Kunden als von Lieferanten: Rund 73 Prozent der Unternehmen nennen Kundenimpulse als ein wichtiges Motiv für die Einführung von eCl@ss, Anforderungen von Lieferanten werden von rund 28 Prozent der Unternehmen genannt. An zweiter Stelle stehen interne Prozessoptimierungen, die für knapp zwei von fünf Unternehmen (38 Prozent) ein wichtiges Motiv für die Einführung von eCl@ss waren.

Da Kunden- und Lieferantenanforderungen den Haupttreiber für die Einführung von eCl@ss darstellen, ist es schlüssig, dass eCl@ss entlang der Supply Chain vor allem in den Bereichen Vertrieb und Einkauf genutzt wird: Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen nutzen eCl@ss im Vertrieb, im Einkauf sind es rund 44 Prozent der Unternehmen. Dabei setzen Industrie und (Groß-)Handel eCl@ss insbesondere im Vertrieb ein, während bei unternehmensnahen Dienstleistungen sowie in Erziehung und Verwaltung der Schwerpunkt der Nutzung im Einkauf liegt.

Wegbereiter für Industrie 4.0

Eine gemeinsame Sprache für den digitalen Datenaustausch ist besonders für die intelligente Vernetzung von Maschinen, Produkten und Prozessen im Rahmen von Industrie 4.0 von zentraler Bedeutung. Ohne den flächendeckenden Einsatz von Standards sind hochqualitative Produktdaten für den inner- und überbetrieblichen Austausch mit enormen Aufwänden verbunden. Dazu zählen zeit- und kostenintensive Anpassungen an Schnittstellen, die eine reibungslose Kommunikation zwischen allen Teilen eines Netzwerks erschweren und zum Teil unmöglich machen. Dabei ist eine qualitativ hochwertige Datenbasis essenziell für den maschinenbasierten Datenaustausch im industriellen „Internet der Dinge“ (eng. Internet of Things (IoT)) (Engels, 2017).

Das Potenzial von eCl@ss als gemeinsame Sprache im „Internet der Dinge“ wird von den befragten Nutzern jedoch nur zum Teil wahrgenommen und in weiterer Folge nicht vollständig ausgeschöpft. Das zeigt sich auch an den Erwartungen an die Einführung von eCl@ss: Besonders häufig erhoffen sich Unternehmen durch die Einführung von eCl@ss eine Erweiterung der Absatzmöglichkeiten (50 Prozent der Unternehmen). An zweiter Stelle steht die optimierte Nutzung des ERP-Systems (41 Prozent), gefolgt von vereinfachtem Lieferantenmanagement (37 Prozent). Eine Semantik für das (industrielle) Internet der Dinge erwarten nur rund 16 Prozent der Unternehmen.

Jene Unternehmen, die eCl@ss als Semantik für IoT-Anwendungen einführen, erreichen jedoch am häufigsten ihre damit angestrebten Ziele: Knapp 70 Prozent dieser Unternehmen konnten durch die Nutzung von eCl@ss als Semantik für IoT ihre Ziele in mittlerem bis hohem Maße erreichen (Abbildung). Zum Vergleich: Die angestrebten Ziele bei der Erweiterung der Absatzmöglichkeiten wurden nur von rund 48 Prozent der Unternehmen erreicht.