Die deutsche Wirtschaft schwächelt. Das Verarbeitende Gewerbe befindet sich sogar in einer Rezession. Nach einer Schrumpfung der realen industriellen Bruttowertschöpfung um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr im ersten Quartal 2019, war im zweiten Quartal sogar ein Rückgang um –4,9 Prozent zu verzeichnen. Auch wenn das abgelaufene Quartal dieses Jahr einen Arbeitstag weniger hatte als im Jahr 2018, scheint sich die Abwärtsbewegung in der Industrie eher noch beschleunigt zu haben. Vor diesem Hintergrund stellt sich angesichts der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft die Frage: Wie sehr ist die aktuell abnehmende Wirtschaftsdynamik in Deutschland auf die unruhige Wetterlage in der Weltwirtschaft zurückzuführen, die zuletzt eher noch stürmischer geworden ist, wenn man auf die Lage in Italien, den drohenden No-Deal-Brexit und die weitere Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China schaut?

Tatsächlich hat der preisbereinigte Außenbeitrag, der sich aus der Differenz der realen Entwicklung von Exporten und Importen ergibt, gemäß den jüngst veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes entscheidend dazu beigetragen, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2019 um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft ist (kalender- und saisonbereinigt). Ohne den negativen Wachstumsbeitrag des Außenbeitrags von –0,5 Prozentpunkten wäre die deutsche Wirtschaft um fast einen halben Prozentpunkt im Vergleich zum Vorquartal gewachsen. Der negative Außenbeitrag geht vor allem auf eine schwache Exportentwicklung zurück, wobei sich auch die Importdynamik abgeschwächt hat, allerdings weniger stark. Die preisbereinigten Exporte von Waren und Dienstleistungen sanken im zweiten Quartal 2019 um –1,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal, die realen Importe nahmen „nur“ um –0,3 Prozent ab.

Die Exportwirtschaft kämpft mit starkem Gegenwind. Angesichts von Handelskrieg, Italienmisere und No-Deal-Brexit befindet sich die globale wirtschaftspolitische Unsicherheit nahe ihrem Höchststand vom Mai 2019. Weltwirtschaft und Welthandel schwächeln. Das ifo-Weltwirtschaftsklima ist so niedrig wie in der akuten Phase der Euro-Schuldenkrise und auch die Exporterwartungen der deutschen Unternehmen sind schlecht.

Doch wie giftig war dieser Risikococktail wirklich für die deutsche Exportwirtschaft im Jahr 2019? Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der nominalen deutschen Warenexporte in diesem Jahr. War im ersten Halbjahr 2018 noch ein Zuwachs gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum von 3,9 Prozent zu verzeichnen, so nahmen die Ausfuhren in den ersten beiden Quartalen 2019 nur noch marginal um 0,5 Prozent zu.

Blickt man auf die zehn wichtigsten Exportpartnerländer Deutschlands, fallen die üblichen Verdächtigen direkt ins Auge (Abbildung):