Wenn es um die subjektive Einordnung in die Gesellschaft geht, sortieren sich die meisten Bürger in die Mittelschicht oder auch obere Mittelschicht ein. Nur wenige zählen sich selbst zur sozialen Oberschicht. Ähnlich sieht es bei einer Einsortierung in Einkommenszehntel aus. Praktisch niemand fühlt sich dem neunten oder zehnten Dezil – also den einkommensreichsten 20 Prozent der Gesellschaft – zugehörig (Engelhardt/Wagener, 2018). Von denjenigen, die tatsächlich einkommensmäßig in die oberen Bereiche gehörten, unterschätzten gemäß der Online-Befragung von Engelhardt und Wagener alle ihre Einkommensposition. Aber ab welchem Einkommen gehört man zu den reichsten 10 Prozent Deutschlands?

Dies lässt sich anhand der repräsentativen Haushaltsbefragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ermitteln, die aktuell bis zum Jahr 2017 vorliegen. Die verfügbaren Einkommensdaten beziehen sich dabei auf das Jahr 2016, da jährliche Einkommen retro­spektiv, das heißt für das jeweilige Vorjahr der Befragung, erhoben werden. Nur so ist eine detaillierte Erfassung auch unregelmäßiger Einkommenskomponenten möglich.

Im Jahr 2016 gehörte ein Alleinlebender mit einem monatlichen Nettoeinkommen von knapp 3.440 Euro zu den einkommensreichsten 10 Prozent. Ein Abgleich mit amtlichen Steuerdaten zeigt, dass die Haushaltsbefragungsdaten die Grenze zu den oberen 10 Prozent gut abbilden können. Die Grenze zum obersten Prozent wird jedoch tendenziell unterschätzt, da sehr hohe Einkommen untererfasst werden.

Um die Wohlstandsposition eines Bürgers in der Verteilung zu bestimmen, wird in aller Regel auf Einkommen nach Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen und inklusive Renten und sozialer Transfers wie beispielsweise dem Kindergeld zurückgegriffen. Bei selbstnutzenden Eigentümern wird zusätzlich der monatliche Nettomietvorteil als Einkommensbestandteil berücksichtigt. Um den Bedarfen unterschiedlicher Haushaltstypen Rechnung zu tragen, werden die Einkommen gemäß der modifizierten OECD-Äquivalenzskala bedarfsgewichtet. Demnach muss ein Paar ohne Kinder zum Beispiel nur das 1,5-Fache des Einkommens eines Singlehaushalts zur Verfügung haben, um einen vergleichbaren Lebensstandard zu erreichen. Bei einer Familie mit einem Kind unter 14 Jahre liegt der Grenzwert um das 1,8-Fache höher, bei zwei Kindern unter 14 Jahren um das 2,1-Fache usw.

Ein Paar ohne Kinder – hierzu gehören auch Paarhaushalte, aus denen die Kinder bereits ausgezogen sind – zählte somit im Jahr 2016 bereits mit einem gemeinsamen Haushaltsnettoeinkommen von knapp 5.160 Euro zu den reichsten 10 Prozent Deutschlands. Umgerechnet auf den Bedarf eines Alleinlebenden teilte ein monatliches Nettoeinkommen in Höhe von 1.869 Euro die Bevölkerung genau in zwei Hälften – 50 Prozent der Bundesbürger hatten ein höheres Einkommen, 50 Prozent ein niedrigeres Einkommen (sogenanntes Medianeinkommen). Werden einzelne sozioökonomische Teilgruppen der Gesellschaft betrachtet, können die teilgruppenspezifischen Medianeinkommen deutlich anders aussehen. Möchten sich beispielsweise Akademiker mit der Einkommenssituation anderer Akademiker vergleichen, müssen sie als Alleinlebende bereits ein Einkommen von 2.541 Euro zur Verfügung haben, damit sie genau in der Mitte der Gruppe der Hochschulabsolventen landen (Grafik). Mit Blick auf die Gesamtbevölkerung lagen im Jahr 2016 mit diesem Einkommen beinahe drei Viertel (74 Prozent) der Bundesbürger unterhalb dieses Einkommens.