Innerhalb von wenigen Monaten ist die globale Wirtschaft in eine Krise geraten, die in vielerlei Hinsicht einmalig ist (Bardt et al., 2020; IMF, 2020). Der gesundheitliche Notstand und die Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung trafen die Weltwirtschaft schlagartig von der Angebots- und der Nachfrageseite her und stellten den durch die Finanzkrise 2009 ausgelösten Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung in den Schatten. Die Auswirkungen sind sowohl in geografischer Hinsicht als auch im Branchenvergleich flächendeckend. Die wirtschaftspolitische Antwort kam zwar in vielen entwickelten Ländern innerhalb kürzester Zeit und in großem Umfang. Doch die Maßnahmen haben weniger einen stimulierenden als vielmehr einen rettenden Charakter, denn nachfrageseitige Impulse sind gegeben des aktuellen Lockdowns aktuell wenig zielführend. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern ist die Lage noch dramatischer, zumal dort der finanzielle Spielraum des Staates oft eingeschränkt ist. Kapitalflucht von historischem Ausmaß und gesundheitlicher Notstand zeichnen hier das gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Gesamtbild.

Diese Lage hat den Internationalen Währungsfonds (IMF) dazu veranlasst, eine Revision von historischer Reichweite vorzunehmen. Der für 2020 prognostizierte Rückgang der weltwirtschaftlichen Leistung als Folge des Lockdowns soll der größte seit der Großen Depression sein (IMF, 2020). Der IMF teilt die wirtschaftspolitischen Antworten in zwei Phasen ein: Eindämmung und Stabilisierung, gefolgt von der Erholungsphase. Quarantänen, Sperren und soziale Distanzierung bleiben für die Verlangsamung der Übertragung in der ersten Phase entscheidend, sodass das Gesundheitssystem die steigende Nachfrage nach seinen Leistungen bewältigen kann. Diese Maßnahmen geben aber auch den Forschern Zeit, um Therapie- und Impfstoffe zu entwickeln. Während Teile der Wirtschaft geschlossen sind, müssen die politischen Entscheidungsträger sicherstellen, dass die Menschen in der Lage sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, und die Unternehmen die akute Phase und die damit verbundenen Liquiditätsengpässe in den Griff bekommen. Gezielte fiskalische, finanzielle und geldpolitische Maßnahmen sind notwendig, um die wirtschaftlichen Beziehungen sowie die wirtschaftlichen und finanziellen Strukturen zu sichern. Fortgeschrittene Volkswirtschaften mit starker Governance, gut ausgestatteten Gesundheitssystemen und dem Privileg, Reservewährungen auszugeben, sind hierbei besser in der Lage, diese Krise zu überstehen. Mehrere Schwellen- und Entwicklungsländer erleben hingegen momentan Gesundheits-, Wirtschafts- und Finanzkrisen zugleich und werden dringend Hilfe von fortgeschrittenen Volkswirtschaften und internationalen Institutionen benötigen. Die multilaterale Zusammenarbeit ist bei diesem globalen Problem von zentraler Bedeutung und kann neben dem Austausch von Ausrüstung und Fachwissen zur Stärkung der Gesundheitssysteme auch die finanzielle Unterstützung für viele Schwellen- und Entwicklungsländer einschließlich Schuldenmoratorien und Umstrukturierungen umfassen.

Die weltwirtschaftliche Entwicklung, der Nachfrageschock und die Beeinträchtigung von internationalen Lieferketten prägen aktuell auch die Entwicklung der deutschen Wirtschaft, zumal mehr als die Hälfte der deutschen Warenimporte auf Vorprodukte für die inländische Produktion entfällt (Kolev/Obst, 2020).