Die vorliegende Studie analysiert, welchen Beitrag in Deutschland lebende Erfindende mit ausländischen Wurzeln zu den hierzulande entwickelten Patentanmeldungen leisten. Die Auswertung erfolgt mittels des eigens für die IW-Patentdatenbank entwickelten Vornamenmoduls, welches die rund 38.000 verschiedenen Vornamen aller in Deutschland wohnhaften Erfindenden beinhaltet, die seit dem Jahr 1994 an einer Patentanmeldung mit angestrebter Schutzwirkung für Deutschland beteiligt waren. In der Folge wurden diese Vornamen einem oder mehreren von insgesamt 24 Sprachräumen zugeordnet, um jene Region der Welt zu bestimmen, in der mit hoher Wahrscheinlichkeit die Wurzeln der betreffenden Personen liegen. Rund 92 Prozent dieser Vornamen sind spezifisch für einen bestimmten Sprachraum - Uğur und Özlem z. B. für den türkischen, Karl-Heinz und Hildegard z. B. für den deutschen. Für eine detaillierte Erläuterung des Vornamenmoduls siehe Koppel et al. (2018).

Grundlage der Analyse ist die Gesamtheit aller Patente, die im Zeitraum von 1994 bis 2018 hierzulande Schutzwirkung angestrebt haben (z. B. über eine Anmeldung beim Deutschen Patent- und Markenamt, beim Europäischen Patentamt oder der Weltorganisation für geistiges Eigentum) und an denen zumindest anteilig Erfindende mit Wohnsitz in Deutschland beteiligt waren. Zur Vermeidung von Doppelzählungen (z. B. bei internationalen Folgeanmeldungen) wurde eine Bereinigung auf Ebene von Patentfamilien vorgenommen. Da Patentanmeldungen einer 18-monatigen Offenlegungsfrist unterliegen, bildet 2018 das zum Auswertungszeitpunkt aktuelle Jahr.

Im Rahmen der Analyse erhalten Erfindende und damit deren Vornamen eine volle Patentanmeldung zugerechnet, wenn sie allein für die Erfindung verantwortlich zeichnen, jedoch z. B. nur ein Drittel, wenn die Anmeldung mit zwei weiteren Erfindenden geteilt wird. Es wird folglich nicht nur für alle Erfindenden deren zugehöriges Gewicht der Sprachräume ausgewertet, sondern dieser Wert wird zusätzlich durch die Anzahl der Erfindenden innerhalb einer Patentanmeldung geteilt. Natürlich leisten auch im Ausland wohnhafte Erfindende einen Beitrag zum Innovationsgeschehen in Deutschland. Da in dieser Studie jedoch der explizite Beitrag von Migration nach Deutschland gemessen wird, entfallen Anteile von Erfindenden mit Wohnsitz im Ausland, so dass das Ergebnis der fraktionalen Zählweise den vollpatentäquivalenten Anmeldungen mit erfinderischem Ursprung in Deutschland entspricht.

Einen Sonderfall der Analyse bilden internationale Vornamen wie Thomas, Christian oder Michael, die innerhalb der Population der in Deutschland wohnhaften Erfindenden mehrheitlich von Deutschen ohne Migrationsbezug, jedoch auch von Erfindenden mit Wurzeln im Ausland getragen werden. Diese Vornamen werden pauschal zu 5 Prozent der Sonderkategorie „Überlappend ausländisch-deutscher Sprachraum“ zugerechnet. Dies entspricht der aus Stichproben unter den Erfindenden folgenden Tatsache, dass rund fünf Prozent aller in Deutschland wohnhaften Erfindenden mit einem derartigen Vornamen englische, französische oder sonstige ausländische Wurzeln aufweisen.