Seit vielen Jahren versucht die Politik den Arbeitsplatz Privathaushalt attraktiver zu machen und zugleich die weitverbreitete Schwarzarbeit bei der Hilfe im Haushalt zu bekämpfen. Gerade angesichts des stetigen Anstiegs der Erwerbstätigenquoten seit dem Jahr 2000 von 64,4 Prozent auf über 75,2 Prozent im Jahr 2017, könnten mehr Reinigungskräfte auch im Privathaushalt Zeitstress vermindern helfen (Enste/Lübke/Orth, 2018). Vor allem Frauen kämpfen an beiden Fronten: Denn auf der einen Seite hat die berufliche Erwerbstätigkeit um fast ein Viertel von 57 Prozent (2000) auf 71,5 Prozent (2017) zugenommen (Destatis, 2019). Auf der anderen Seite haben sich die Geschlechterrollen nur in der Theorie modernisiert; in der Praxis putzen in 8 von 10 Fällen die Frauen auch heute noch allein die Wohnung (Eyerund/Orth, 2019). Insbesondere Frauen empfinden die Aufgaben im Haushalt als den größten Stressfaktor im Alltag​ (53 Prozent) – erst danach folgt der Job (44 Prozent). Erwerbstätige beklagen generell doppelt so häufig die Belastung durch die Haushaltsarbeiten (Forsa, 2018).

Die Auswertung offizieller Statistiken und repräsentativer Umfragen (u.a. dem SOEP) zeigen entgegen des steigenden Bedarfs eine Stagnation bei der Zahl der Haushalte, die eine Hilfe beschäftigen.

Stagnation beim Anteil der Haushalte mit Haushaltshilfe

Im Jahr 2000 putzte in 5,6 Prozent der Haushalte jemand anderes regelmäßig die Wohnung. In weiteren 2,9 Prozent der Haushalte zumindest gelegentlich (Abbildung). Über die letzten Jahre hat sich der Anteil nur wenig verändert. Im Jahr 2017 waren es insgesamt 8,1 Prozent der Haushalte, die angeben eine Hilfe zu beschäftigen (6 Prozent regelmäßig, 2,1 Prozent gelegentlich) (SOEP, 2019, v34). Trotz mehr Problemen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Haushalt beschäftigen vor allem nicht Erwerbstätige (52,6 Prozent) und über 60-jährige (45,2 Prozent) eine Haushaltshilfe. Der Umfang ist dabei allerdings gering: im Durchschnitt wenden die Haushalte 137 Euro pro Monat auf (bei einer Standardabweichung von 129 Euro). Dabei gilt auch hier: Putzen ist auch bei der professionellen Unterstützung Frauensache – 90 Prozent der angemeldeten Minijobber im Privathaushalt sind weiblich.

Legale Beschäftigungsmöglichkeiten

Die Zahl der legal beschäftigten Haushaltshilfen hat im Laufe der letzten Jahre zugenommen. Insbesondere ist – u.a. aufgrund der steuerlichen Absetzbarkeit sowie der vereinfachten Anmeldung über die Minijobzentrale – die Zahl der Minijobber in Privathaushalten angestiegen. Seit 2005 hat sich die Zahl von rund 108.000 auf mehr als 300.000 Minijobber bis März 2019 fast verdreifacht. Allerdings stagniert auch die Zahl der Minijobber im Privathaushalt seit 2016 bei rund 300.000. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg seit 2017 von 47.845 auf 49.125 (2018). Hinzu kommt eine geschätzte Anzahl von rund 20.000 Selbständigen, die den Privathaushalten auf Rechnung zur Hand gehen. Laut Angaben der Minijobzentrale (2019) sind fast alle angemeldeten Hilfen Frauen (90 Prozent); 23 Prozent sind Ausländer. Mehr als 60 Prozent der Hilfen sind dabei über 50 Jahre alt. Nur 3 Prozent sind unter 25 Jahre. Die Mehrzahl der Minijobber (55 Prozent) sind dabei nur zwischen wenigen Monaten und unter 2 Jahren im Privathaushalt tätig. Dies zeigt, dass der Arbeitsplatz Privathaushalt noch weit davon entfernt ist, ein „normaler“ Arbeitsplatz zu werden. Dies gilt auch mit Blick auf die Verbreitung von Schwarzarbeit.

Rund 9 von 10 Haushalten lassen schwarz putzen

88,5 Prozent der Haushalte melden ihre Reinigungskraft nicht an. Diese Zahl ist seit 2005 von rund 93 Prozent aufgrund der Schaffung von legalen Alternativen zurückgegangen. Geht man von rund 41 Millionen Haushalten insgesamt aus, beschäftigen somit im Jahr 2017 über 3,3 Millionen Haushalte gelegentlich oder regelmäßig eine Hilfe – und knapp 2,9 Millionen Haushalte lassen schwarz reinigen und einkaufen.

Steuerliche Subventionen und Vergünstigungen aber auch Gutscheine zulasten des Steuerzahlers sind dabei kein nachhaltiger Weg, für mehr legale Beschäftigungsverhältnisse zu sorgen. Die Rahmenbedingungen was Anmeldung, Bürokratie und steuerliche Anreize betrifft sind bereits hinreichend verbessert worden. Haushalte, die aufgrund von Erwerbstätigkeit und gutem Einkommen sich die Unterstützung leisten können, sollten dies legal einfach mal ausprobieren – und sich dabei um gute Arbeitsbedingungen bemühen, so dass die Hilfe nicht nach kurzer Zeit wieder weg ist. Denn offensichtlich ist auch der Markt für Haushaltshilfen derzeit von Engpässen auf der Anbieterseite geprägt. Saugroboter und Co. werden die klassische Haushaltshilfe nicht vollkommen ersetzen können, sondern eher ergänzend Routinetätigkeiten übernehmen.