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IW-Kurzbericht Nr. 88 27. Oktober 2025 Gero Kunath ​Chinas Arbeitsmarkt: Zwischen demografischem Wandel​ und Jugendarbeitslosigkeit

Der demografische Wandel schreitet in China voran und die Bevölkerung schrumpft. Schätzungen zufolge könnte sie bis Ende des Jahrhunderts weniger als halb so groß wie derzeit sein. Das trifft auch den Arbeitsmarkt. Droht ein Fachkräftemangel in China? Der Arbeitsmarkt steht vor großen Herausforderungen, hat aber kurzfristig noch gewisse Potenziale.

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IW-Kurzbericht 88/2025
IW-Kurzbericht Nr. 88 27. Oktober 2025 Gero Kunath

​Chinas Arbeitsmarkt: Zwischen demografischem Wandel​ und Jugendarbeitslosigkeit

Gero Kunath Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Der demografische Wandel schreitet in China voran und die Bevölkerung schrumpft. Schätzungen zufolge könnte sie bis Ende des Jahrhunderts weniger als halb so groß wie derzeit sein. Das trifft auch den Arbeitsmarkt. Droht ein Fachkräftemangel in China? Der Arbeitsmarkt steht vor großen Herausforderungen, hat aber kurzfristig noch gewisse Potenziale.

Chinas Bevölkerung schrumpft und altert 

Nach einem jahrzehntelangen Wachstum erreichte die chinesische Bevölkerung im Jahr 2021 ihren Höchststand mit mehr als 1,4 Milliarden Einwohnern. Seitdem zeigen sich die Spätfolgen der Ein-Kind-Politik und die Bevölkerung altert und schrumpft. Anzeichen für eine Trendwende gibt es nicht, denn die Geburtenrate liegt auf einem historischen Tiefststand – trotz Aufhebung der Ein-Kind-Politik und Einführung der Drei-Kind-Politik. Schätzungen der Vereinten Nationen legen nahe, dass die chinesische Bevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts im günstigsten Szenario auf rund 950 Millionen Einwohner schrumpfen könnte und im pessimistischsten Szenario auf nur 400 Millionen fallen könnte (siehe Abbildung). China steht daher vor großen demografischen Herausforderungen – auch auf dem Arbeitsmarkt. 

Belastungen für den Arbeitsmarkt 

Bereits seit 2014 sinkt die Zahl der Erwerbsfähigen in China. Die geburtenstarken Jahrgänge vor Einführung der Ein-Kind-Politik haben den Arbeitsmarkt bereits altersbedingt verlassen oder werden es in den kommenden Jahren tun. Die trüben demografischen Aussichten werden diese Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten verschärfen. Droht womöglich ein Fachkräftemangel in der Volksrepublik? Derzeit sind mehr als 124 Millionen chinesische Männer zwischen 50 und 59 Jahre alt. Der erwerbstätige Teil dieser Altersgruppe tritt somit über die nächsten zehn Jahre in den Ruhestand ein. Dazu kommen mehr als 112 Millionen chinesische Frauen zwischen 45 und 55 Jahren, von denen die Erwerbstätigen, je nach Tätigkeit, ebenfalls in den kommenden zehn Jahren aus dem Altersmarkt ausscheiden. Diesen rund 237 Millionen Chinesen stehen nur rund 185 Millionen im Alter zwischen fünf und 14 Jahren gegenüber, die in den kommenden zehn Jahren in den Arbeitsmarkt eintreten können. Perspektivisch kommt es somit zu einer rechnerischen Verknappung von Arbeitskräften. Hinzu kommt ein wachsender Mismatch zwischen den von Unternehmen gesuchten Qualifikationen und denen der Arbeitssuchenden. Schätzungen zufolge könnte sich so ein jährlicher Ersatzbedarf von knapp 12 Millionen Arbeitskräften ergeben (Ke/Li, 2021). Das sind rund 1,6 Prozent aller Erwerbstätigen in China.

 

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Hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen 

Entgegen der perspektivisch drohenden Arbeitskräfteknappheit ist der Arbeitsmarkt derzeit noch durch eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und schlechte Startbedingungen für Hochschulabsolventen geprägt. Im August 2025 lag die Jugendarbeitslosenquote bei 18,9 Prozent (Nationales Statistikbüro, 2025). Das entspricht grob geschätzt rund 6 Millionen Personen. Die offizielle Quote unterschätzt aber das tatsächliche Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit. Nach einer methodischen Umstellung im Jahr 2023 sind Studenten, welche zuletzt besonders große Schwierigkeiten hatten eine Anstellung zu finden, aus der Betrachtung ausgenommen. Außerdem berücksichtigt die Jugendarbeitslosenquote keine Personen, die weder in Beschäftigung noch in Bildung eingebunden sind. Schätzungen zufolge gibt es von ihnen rund 22 Millionen (Kalwasinski, 2023). Damit ergibt sich eine Gruppe von knapp 30 Millionen junger Chinesen, die durch eine bessere Einbindung in den Arbeitsmarkt die demografischen Probleme zumindest kurzfristig abschwächen könnten. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit resultiert auch aus einem derzeit noch bestehenden Überangebot an Arbeitskräften, das den Einstieg in den Arbeitsmarkt für junge Chinesen erschwert. Durch den harten Konkurrenzdruck beugen sie sich daher in einigen Branchen wie dem IT-Sektor der „9-9-6“ Arbeitskultur, die Arbeitszeiten von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends an sechs Wochentagen vorsieht. Andere wählen die freiwillige Arbeitslosigkeit – auch „Flachliegen“ genannt (Cheng, 2024). Die schwache Konjunktur in Folge der Corona-Pandemie und der Immobilienkrise schlägt ebenfalls auf den Arbeitsmarkt durch und lässt viele junge Chinesen angesichts fehlender lukrativer Karriereperspektiven resignieren. Zudem zeigt sich ein Mentalitätswandel bei jüngeren Generationen. Sie wenden sich von den arbeitszentrierten Lebensmodellen älterer Generationen ab und legen einen größeren Fokus auf Freizeit und Selbstverwirklichung (Shan/Chua, 2025).  Besonders Hochschulabsolventen haben es schwer, denn der chinesische Arbeitsmarkt leidet an einer Überakademisierung. Seit den frühen 2000er Jahren hat die chinesische Führung diese forciert, um den Schritt von einer arbeitsintensiven Industrienation zu einer technologiegetriebenen und innovativen Volkswirtschaft zu gestalten. In den letzten Jahren drängten so immer mehr Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt. Doch vormals boomende und beschäftigungsstarke Branchen, die auch viele Hochqualifizierte brauchten, leiden unter den Spätfolgen der Pandemie oder unter steigenden regulatorischen Hürden und können nicht allen eine Beschäftigung bieten. Dazu zählen der Immobilien-,Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit. Nach einer methodischen Umstellung im Jahr 2023 sind Studenten, welche zuletzt besonders große Schwierigkeiten hatten eine Anstellung zu finden, aus der Betrachtung ausgenommen. Außerdem berücksichtigt die Jugendarbeitslosenquote keine Personen, die weder in Beschäftigung noch in Bildung eingebunden sind. Schätzungen zufolge gibt es von ihnen rund 22 Millionen (Kalwasinski, 2023). Damit ergibt sich eine Gruppe von knapp 30 Millionen junger Chinesen, die durch eine bessere Einbindung in den Arbeitsmarkt die demografischen Probleme zumindest kurzfristig abschwächen könnten. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit resultiert auch aus einem derzeit noch bestehenden Überangebot an Arbeitskräften, das den Einstieg in den Arbeitsmarkt für junge Chinesen erschwert. Durch den harten Konkurrenzdruck beugen sie sich daher in einigen Branchen wie dem IT-Sektor der „9-9-6“ Arbeitskultur, die Arbeitszeiten von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends an sechs Wochentagen vorsieht. Andere wählen die freiwillige Arbeitslosigkeit – auch „Flachliegen“ genannt (Cheng, 2024). Die schwache Konjunktur in Folge der Corona-Pandemie und der Immobilienkrise schlägt ebenfalls auf den Arbeitsmarkt durch und lässt viele junge Chinesen angesichts fehlender lukrativer Karriereperspektiven resignieren. Zudem zeigt sich ein Mentalitätswandel bei jüngeren Generationen. Sie wenden sich von den arbeitszentrierten Lebensmodellen älterer Generationen ab und legen einen größeren Fokus auf Freizeit und Selbstverwirklichung (Shan/Chua, 2025).  Besonders Hochschulabsolventen haben es schwer, denn der chinesische Arbeitsmarkt leidet an einer Überakademisierung. Seit den frühen 2000er Jahren hat die chinesische Führung diese forciert, um den Schritt von einer arbeitsintensiven Industrienation zu einer technologiegetriebenen und innovativen Volkswirtschaft zu gestalten. In den letzten Jahren drängten so immer mehr Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt. Doch vormals boomende und beschäftigungsstarke Branchen, die auch viele Hochqualifizierte brauchten, leiden unter den Spätfolgen der Pandemie oder unter steigenden regulatorischen Hürden und können nicht allen eine Beschäftigung bieten. Dazu zählen der Immobilien-, der Finanz- und der Bildungssektor, aber auch die Tech-Branche. Gerade Hochqualifizierte arbeiten so oft unter ihren formalen Qualifikationen. Schätzungen zufolge betrifft das rund jeden vierten Hochschulabsolventen zwischen 23 und 35 Jahren (Chen, 2024). 

Fachkräftesicherung in der Volksrepublik 

Der langfristig drohende Arbeitskräftemangel und die derzeit hohe Jugendarbeitslosigkeit machen die Notwendigkeit proaktiver Fachkräftesicherung deutlich. Einige Schritte hat die chinesische Regierung bereits unternommen.  Im Jahr 2024 erhöhte sie das Renteneintrittsalter von derzeit 60 auf 63 Jahre für Männer und von 50 auf 55 Jahre für Frauen in körperlich anstrengenden Berufen bzw. von 55 auf 58 Jahre für Frauen in weniger körperlich anstrengenden Berufen wie etwa in Bürotätigkeiten. Um junge Chinesen besser in den Arbeitsmarkt einzubinden, weitete die chinesische Führung unter anderem Rekrutierungsmessen und Praktika aus (Nair, 2024). Um das Potenzial junger Chinesen besser zu nutzen, braucht es aber mehr. Es braucht passende Stellen für die vielen Hochschulabsolventen, die unter ihrem Qualifikationsniveau arbeiten, um diese in produktivere Beschäftigung zu bringen. Zudem müssen Qualifizierungsmaßnahmen besser auf die von Unternehmen nachgefragten Fähigkeiten abgestimmt werden, sowohl in der beruflichen Bildung als auch in der Hochschulbildung. Der anhaltende Akademisierungstrend bedarf ebenfalls einer Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung an die Anforderungen des Arbeitsmarkts. Auch ein Kulturwandel im chinesischen Arbeitsmarkt, der stärker die Bedürfnisse junger Menschen in den Blick nimmt, ist nötig. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann nicht nur junge Chinesen in Beschäftigung bringen, sondern auch die demografischen Perspektiven Chinas verbessern. Dies ist insbesondere dringlich, da Zuwanderung von Arbeitskräften in China bisher kaum eine Rolle spielt. 

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