Im Januar 2026 tritt Bulgarien als 21. EU-Mitgliedstaat dem Euroraum bei und führt somit den Euro als offizielle Währung ein. Davon wird der Außenhandel profitieren: Es wird noch einfacher, Preise zu vergleichen und Geschäfte mit Unternehmen aus dem Euroraum abzuwickeln.
Mit dem Euro nach Bulgarien
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Im Januar 2026 tritt Bulgarien als 21. EU-Mitgliedstaat dem Euroraum bei und führt somit den Euro als offizielle Währung ein. Davon wird der Außenhandel profitieren: Es wird noch einfacher, Preise zu vergleichen und Geschäfte mit Unternehmen aus dem Euroraum abzuwickeln.
Ähnlich wie in Deutschland entfielen bereits 2024 mehr als 40 Prozent des bulgarischen Außenhandels auf die Euroraum-Länder. Und auch die Urlauber aus den anderen Euroländern können demnächst mit der eigenen Währung in Bulgarien bezahlen. Zudem bekommt Bulgarien Mitspracherecht bei der Europäische Zentralbank (EZB) und wird bei Zinsentscheidungen berücksichtigt. Herausfordernd bleiben die Inflationsentwicklung sowie die institutionellen Rahmenbedingungen und die politische Instabilität.
Den Euro einzuführen hatte sich Bulgarien schon vor langer Zeit vorgenommen. Bereits mit dem EU-Beitritt 2007 verpflichtete sich das Balkanland, auch Mitglied des Euroraums zu werden, sobald die Bedingungen dafür erfüllt sind. Zwar hört sich die Einführung einer neuen Währung nach einer großen Umstellung an. Doch der Wechselkurs des bulgarischen Lews ist bereits seit fast 30 Jahren fest und seit der Euroeinführung 1999 an den Euro gebunden. Im Jahr 1997 wurde ein sogenanntes Currency Board als Hilfsmaßnahme zur Bekämpfung einer schwerwiegenden Wirtschaftskrise mit zeitweise vierstelliger Hyperinflation eingeführt. Es verpflichtet die Bulgarische Nationalbank (BNB) zur Wahrung der Wechselkursstabilität. Somit betreibt die BNB bereits seit Ende der 1990er Jahre keine eigenständige Geldpolitik, die sich primär an der Inflationsentwicklung orientiert, sondern nutzt die Geldpolitik vor allem um sicherzustellen, dass der Preis des Euros bei 1,95583 Lewa stabil bleibt. Da die EZB die Preisniveaustabilität im Euroraum als vorrangiges Ziel hat, spielte dieses Ziel implizit auch eine Rolle für die Geldpolitik in Bulgarien.
Mit dem Eurobeitritt wird der geldpolitische Spielraum des Landes sogar etwas zunehmen, denn dadurch wird Bulgarien zum ersten Mal mit Einfluss auf die Entscheidungen der EZB nehmen können. Dazu gehören Entscheidungen bezüglich des Hauptrefinanzierungszinssatzes, zu dem das Eurosystem den Geschäftsbanken Zentralbankgeld leiht, der Höhe der Mindestreserve, die Geschäftsbanken beim Eurosystem halten müssen etc. Dabei richtet die EZB ihre Beschlüsse an ihrem Hauptziel aus – der Preisniveaustabilität, definiert als eine mittelfristige Inflationsrate des Euroraums von 2 Prozent, gemessen an der jährlichen Veränderungsrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI).
Die Entscheidungen trifft der EZB-Rat, bestehend aus sechs Mitgliedern des Direktoriums und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken. Ab Januar 2026 gehört auch der BNB-Präsident dazu. Und auch die Preisentwicklung in Bulgarien wird bei der für den geldpolitischen Kurs ausschlaggebenden Überprüfung der Erreichung des Inflationsziels durch die EZB berücksichtigt werden, wenngleich das Gewicht Bulgariens bei der Berechnung des HVPI für den Euroraum für das Jahr 2026 bei weniger als 1 Prozent liegen dürfte, gemessen am Anteil Bulgariens an den privaten Konsumausgaben im Euroraum im Jahr 2024. Zum Vergleich: Die Entwicklung der Preise in Deutschland trägt auf dieser Basis mit mehr als einem Viertel zur Berechnung der Preisentwicklung im Euroraum bei. Somit dürfte die Euroeinführung in Bulgarien nur einen geringen Einfluss auf die Ausrichtung der Geldpolitik im Euroraum haben. Zwar lag die Inflation im Balkanland im November 2025 nach Eurostat-Angaben mit 3,7 Prozent deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt von 2,1 Prozent, jeweils gemessen an der Entwicklung des europäischen HVPI. Gemessen am nationalen Verbraucherpreisindex betrug die Preissteigerung sogar 5,2 Prozent. Dennoch wird dieser hohe Wert die durchschnittliche Inflationsrate für den Euroraum insgesamt aufgrund der geringen Gewichtung Bulgariens nur minimal ändern und somit keinen nennenswerten Einfluss auf die künftigen Zinsentscheidungen der EZB haben.
Deutlich wichtiger dürfte die allgemeine politische Stabilität des Landes und insbesondere der Staatsfinanzen und des Bankensektors sein – wie das Beispiel Griechenlands in den frühen 2010er Jahren zeigte. Der Finanzsektor Bulgariens wird von der Europäischen Kommission als weniger entwickelt als der im Euroraum eingestuft (Europäische Kommission, 2025). Allerdings ist der Bankensektor aufgrund des dominierenden Auslandsbesitzes stark in den Finanzsektor des Euroraums integriert. In Sachen Staatsfinanzen ist die Lage in Bulgarien stabil. Trotz negativer Salden des Staatsbudgets von durchschnittlich –2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) über die letzten fünf Jahre, lag die Schuldenstandsquote 2024 gemäß Angaben des Internationalen Währungsfonds (IMF, 2025) bei lediglich 24 Prozent gemessen am BIP (Tabelle). Zum Vergleich: In Deutschland belief sich die Staatsverschuldungsquote 2024 auf 63 Prozent, im Euroraum insgesamt auf 87 Prozent des jeweiligen BIP. Das deutlich schnellere Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent in den letzten fünf Jahren (verglichen mit 1,1 Prozent im Euroraum insgesamt) sowie eine höhere Steigerung der Preise von im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen halfen dem Balkanland, die Schuldenstandsquote über die letzten Jahre relativ stabil zu halten.
Mit dem deutlich schnelleren Wirtschaftswachstum im Land hängt auch die höhere Preissteigerung als in Deutschland oder im Durchschnitt der Euroraum-Länder zusammen. Auch für die nächsten Jahre prognostiziert der IMF eine Wachstumsrate für die bulgarische Wirtschaft nahe 3 Prozent. Im Zuge des Aufholprozesses steigen dabei die Preise, insbesondere von Dienstleistungen, und nähern sich dem Niveau im Euroraum an. Aktuell machen Dienstleistungen nach Angaben von Eurostat lediglich 31 Prozent der Konsumausgaben privater Haushalte in Bulgarien aus – in Deutschland sind es 46 Prozent. Dieser Anteil dürfte im Laufe des Konvergenzprozesses steigen, wenn die Dienstleistungspreise zunehmen und sich die bulgarische Bevölkerung mit höheren Einkommen mehr Dienstleistungen leisten kann.
Dennoch befürchten viele Bulgaren, dass der Euro eine höhere Preissteigerung im Zuge der Umrechnung der Preise in die neue Währung mit sich bringen würde. Ähnliche Sorgen hatten auch andere europäische Länder bei der Euroeinführung. Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt allerdings, dass es, wenn überhaupt, eher zu einem minimalen Inflationsanstieg im Zuge der Einführung der Gemeinschaftswährung kam. In Deutschland war die jährliche Inflationsrate im Durchschnitt der drei Jahre nach der Euroeinführung beispielsweise um weniger als einen halben Prozentpunkt höher als in den drei Jahren davor.
Doch es ist nicht nur die Inflation, die für Pessimismus unter der bulgarischen Bevölkerung aktuell sorgt. Auch die politischen Strukturen und die Korruption im Land werden von vielen Bürgerinnen und Bürgern als problematisch empfunden, wie die jüngsten Proteste zeigten. Als Ergebnis kam es erneut zu einem Rücktritt der amtierenden Regierung – zum sechsten Mal in den letzten fünf Jahren. Dass durch die bevorstehenden Neuwahlen das Korruptionsproblem im Land bekämpft wird, bleibt wenig wahrscheinlich. Im Jahr 2024 belegte Bulgarien nach Angaben von Transparency International Rang 76 weltweit in Sachen Korruption, zusammen mit China und Moldau. Somit war das Balkanland nahezu das Schlusslicht unter den EU-Mitgliedstaaten – nur in Ungarn ist die Korruptionswahrnehmung noch weiter verbreitet. Daran dürfte auch die Euroeinführung wenig ändern.
Anders verhält es sich mit dem internationalen Handel. Von der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung dürfte die Integration Bulgariens in die Handelsbeziehungen der Euroraum-Länder profitieren, denn es wird noch einfacher, Preise zu vergleichen und Geschäfte abzuwickeln. Bereits im Jahr 2024 entfielen 43,3 Prozent des bulgarischen Außenhandels auf die Euroraum-Länder (Berechnungen mit Eurostat-Daten) und somit sogar etwas mehr als im Fall Deutschlands (41,3 Prozent). Waren im Wert von 21,1 Milliarden Euro wurden aus Bulgarien Richtung Euroraum exportiert, und für 20,1 Milliarden Euro wurde aus dem Euroraum importiert. Fast die Hälfte der aus Bulgarien in andere Euroraum-Länder exportierten Waren sind Vorprodukte, die in die Produktionsprozesse der Zielländer hineinfließen. Dabei entfielen 15,2 Prozent der gesamten bulgarischen Exporte und 10,3 Prozent der Importe auf Deutschland. Somit war Deutschland das wichtigste Zielland für die bulgarische Exportwirtschaft und der zweitwichtigste Lieferant von Importgütern nach China. Die wichtigsten Exportgüter Bulgariens sind Nichteisenmetalle, Nahrungsmittel, chemische Erzeugnisse.
Auch in Sachen Dienstleistungshandel dürfte das Balkanland von der Einführung des Euro profitieren – insbesondere was Tourismusdienstleistungen angeht. Nach der Euroeinführung wird es für Touristen aus dem Euroraum noch unkomplizierter sein, nach Bulgarien zu reisen, was dem Standort zugutekommen dürfte. Dabei bietet das Land mit einer Fläche von fast 111.000 qkm (fast ein Drittel der Fläche Deutschlands) zahlreiche Möglichkeiten – vom Sommerurlaub am Schwarzen Meer, über historische Touren zur Erkundung der langen Geschichte Bulgariens (gegründet im Jahr 681) bis hin zum Wintertourismus auf den höchsten Gipfeln der Balkanhalbinsel, die bis zu einer Höhe von fast 3000 m emporragen.
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