Die Frage, wie Gesellschaften gelingen können, hat die Wissenschaft und die politische Praxis gleichermaßen über Jahrhunderte hinweg beschäftigt.
Wie Gesellschaften gelingen: Warum wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Zusammenhalt Gerechtigkeit befördern
Roman Herzog Institut e. V. (Hrsg.)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die Frage, wie Gesellschaften gelingen können, hat die Wissenschaft und die politische Praxis gleichermaßen über Jahrhunderte hinweg beschäftigt.
In einer zunehmend globalisierten und komplexen Welt stehen moderne Gesellschaften vor zahlreichen Herausforderungen, die tiefgreifende Auswirkungen auf ihre Stabilität und ihre Wohlfahrt haben. Geopolitische Herausforderungen, einschneidende Transformationsprozesse, wirtschaftliche Krisen, kulturelle Fragmentierung und gesellschaftliche Polarisierung stellen nur einige der zentralen Problembereiche dar. In diesem Spannungsfeld gewinnen die Ziele gesellschaftlicher Zusammenhalt, wirtschaftlicher Erfolg und Gerechtigkeit eine besondere Bedeutung. Sie sind nicht nur eng miteinander verflochten, sondern auch entscheidend für die langfristige Entwicklung einer Gesellschaft.
Das Roman Herzog Institut (RHI) hat bereits in mehreren Studien deutlich gemacht, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt ein zentraler Indikator für die Zukunftsfähigkeit moderner Gesellschaften ist (z. B. RHI, 2017). Gleichzeitig hat es wiederholt auf die Gefahren und Folgen sozialer Spaltung hingewiesen (Hradil et al., 2022). Wirtschaftliche Ungleichheit, schwache Institutionen und fehlendes Ver trauen können Gesellschaften destabilisieren und den ökonomischen Fortschritt gefährden.
Die Hauptthese der vorliegenden Studie ist: Es besteht eine hohe positive Korrelation von gesellschaftlichem Zusammenhalt und wirtschaftlicher Entwicklung. Auf Basis unserer empirischen Analyse von 171 Ländern argumentieren wir, dass eine hohe Wirtschaftsleistung nur dann erreicht werden kann, wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt ein bestimmtes Niveau erreicht hat. Die hier vorgelegte empirische Analyse liefert erste Evidenzen und Argumente für diese These. In der Öffentlichkeit, der Politik und der Wissenschaft brauchen wir eine Diskussion über dieses Zusammenspiel und über die Einsicht, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt eine wesentliche, bislang zu wenig beachtete Ressource für eine positive wirtschaftliche Entwicklung sein kann. Diese Diskussion zu befördern, ist das Ziel der vorliegenden Studie.
Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist dabei ein mehrdimensionales Phänomen, das sich auf die Distinktion, also die Abgrenzung von anderen sozialen Gruppen, die Gruppenzugehörigkeiten, das Vertrauen und die Konfliktlösung in einer Gesellschaft bezieht. Die Grundbedingung unseres Verständnisses von gesellschaftlichem Zusammenhalt ist der zur freien Entscheidung befähigte Mensch. Anders als kollektivistische Konzeptionen von Gemeinwohl gehen wir in unserer Vorstellung von gesellschaftlichem Zusammenhalt vom Anspruch liberaler Demokratien aus, die sich durch ein befriedetes Miteinander freier Menschen und unterschiedlicher Lebenswege auszeichnen.
Wie Gesellschaften gelingen: Warum wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Zusammenhalt Gerechtigkeit befördern
Roman Herzog Institut e. V. (Hrsg.)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
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