Diese Studie gibt einen Ausblick in die Zukunft des Arbeitsmarktes im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg. Sie zeigt auf, in welchen Bereichen die Beschäftigung wachsen oder schrumpfen dürfte, und mit welchen Arbeitskräftelücken zu rechnen ist, wenn sich die bisherigen Trends weiter fortsetzen.
IHKLW-Fachkräfteausblick 2030
Gutachten im Auftrag der IHK Lüneburg Wolfsburg
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Diese Studie gibt einen Ausblick in die Zukunft des Arbeitsmarktes im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg. Sie zeigt auf, in welchen Bereichen die Beschäftigung wachsen oder schrumpfen dürfte, und mit welchen Arbeitskräftelücken zu rechnen ist, wenn sich die bisherigen Trends weiter fortsetzen.
Die Ergebnisse werden differenziert für Branchen, Berufe und drei Teilregionen. Basierend auf der IW-Arbeitsmarktfortschreibung werden insbesondere der bisherige Strukturwandel und der demografische Wandel berücksichtigt, und wie sich diese auf die berufliche Zusammensetzung von Arbeitsangebot und -nachfrage auswirken. Die Ergebnisse sollen Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Politik als Grundlage für strategische Entscheidungen zur Fachkräftesicherung dienen und werden von einem interaktiven Online-Dashboard begleitet, das öffentlich zugänglich.
Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich um eine Fortschreibung der Trends handelt, die sich in den Daten der Jahre 2018 bis 2024 (in Teilen 2025) zeigen. Trendänderungen können damit nicht vorhergesehen werden. Die Ergebnisse sind somit keine Prognose, für die man viele Annahmen über die Zukunft treffen müsste, die dann die Ergebnisse bestimmen. Die Fortschreibung zeigt eher, auf welchem Kurs der Arbeitsmarkt ist, wenn kein Kurswechsel herbeigeführt wird. Insofern sich Trendänderungen abzeichnen – beispielsweise in der Automobilindustrie – werden die Ergebnisse entsprechend textlich eingeordnet.
Entwicklung von Beschäftigung und Fachkräftemangel
Auf Basis der bisherigen Trends ist im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg kaum noch mit Beschäftigungswachstum zu rechnen. Im Basisszenario ist das jährliche Wachstum zunächst niedrig und kippt dann ins Negative, so dass es im Jahr 2030 nur 0,3 Prozent mehr Beschäftigte geben würde als 2024. Dies ist vor allem demografisch bedingt, weil die Babyboomer jetzt in Rente gehen. Die zentralen Stellschrauben, die dem entgegenwirken, sind einerseits der Trend zum späteren Renteneintritt, und andererseits die Zuwanderung in Verbindung mit der Arbeitsmarktintegration von Ausländern, die in den letzten Jahren auch für Geflüchtete große Fortschritte gemacht hat. Insbesondere die Partizipation ausländischer Frauen könnte noch deutlich gesteigert werden. Da die Zuwanderungszahlen aktuell deutlich zurückgehen, dürfte die Fortschreibung zu optimistisch sein. Ohne Zuwanderung ginge die Beschäftigung um 4,4 Prozent zurück. Damit das nicht eintrifft, sollten gezielt Fachkräfte mit den benötigten Qualifikationen in EU-Drittstaaten angeworben werden. Wenn auch die Partizipationsquoten aller Bevölkerungsgruppen stagnieren würden, betrüge der Rückgang sogar 13,5 Prozent. Alle nachfolgenden Ergebnisse beziehen sich auf das Basisszenario mit historisch hoher Zuwanderung und stagnierender Beschäftigung.
Die Arbeitskräftelücke könnte bis 2030 auf 17.303 steigen (+71,1 Prozent). Für so viele offene Stellen gäbe es dann im ganzen IHK-Bezirk keine passend qualifizierten Arbeitslosen. Ohne diese Arbeitskräftelücke könnte die Wertschöpfung im Jahr 2030 um 3,8 Prozent höher sein (1,9 Milliarden Euro in Preisen von 2024). Die Ergebnisse legen nahe, dass sich der Strukturwandel in der Region derzeit schneller vollzieht, als die Qualifikationen der Arbeitskräfte angepasst oder passende Fachkräfte aus dem Ausland gewonnen werden können. Durch die aktuellen Renteneintritte gehen dem Arbeitsmarkt insbesondere Fachkräfte mit Ausbildung verloren, deren Beschäftigung von 2024 bis 2030 um 4,5 Prozent zurückgehen könnte. Die nachrückenden Generationen haben häufiger einen Hochschulabschluss als die Babyboomer, weshalb der Arbeitskräftemangel bei den Fachkräften mit Ausbildung tendenziell zunehmen dürfte. Bei den Experten mit Hochschulabschluss hingegen dürfte der Fachkräftemangel künftig weniger intensiv sein als bisher. Wichtiger als das Qualifikationsniveau ist jedoch der konkrete Beruf. Geringqualifizierte gibt es grundsätzlich genug, hier stellen sich eher Fragen der Aktivierung.
Ausgewählte Branchen und Berufe
Nach Branchen differenziert betrachtet dürfte vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen3 der Bedarf noch weiter steigen (+5.190 Beschäftigte bis 2030, +7,1 Prozent), da die alternde Bevölkerung mehr Gesundheits- und Pflegedienstleistungen nachfragen wird und mehr Kinder und Jugendliche Unterstützung brauchen. Der Fachkräftemangel bremst allerdings den gewünschten Beschäftigungsaufbau in der Branche. Die relevanten Berufe mit den größten Arbeitskräftelücken werden voraussichtlich Sozialpädagogen (491), Krankenpfleger (464) und Physiotherapeuten (365) sein.
Eine andere Branche mit guten Wachstumsaussichten ist der Bau. Hier dürfte insbesondere der Tiefbau vom Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität profitieren. Schon auf Basis der bisherigen Trends dürfte der Tiefbau bis 2030 um 614 Beschäftigte (+12,9 Prozent) wachsen, aber auch eine Arbeitskräftelücke von 316 aufweisen. Aufgrund des Sondervermögens dürfte die Nachfrage jedoch deutlich höher ausfallen, während die Zuwanderung in die relevanten Berufe aus der EU deutlich zurückgehen dürfte. Somit könnte das Beschäftigungswachstum kleiner und der Mangel noch deutlich größer ausfallen.
Im Gastgewerbe hat die Corona-Pandemie vieles verändert und der weitere Verlauf ist noch unsicher und regional sehr unterschiedlich. Es gibt jedoch den klaren Trend, weniger Fachkräfte mit Ausbildung und mehr geringqualifizierte Helfer einzusetzen, passend zu einem deutlichen Rückgang der Ausbildungsverhältnisse.
In einigen der Berufe, die in der Vergangenheit stark gewachsen sind, ist die Zukunft aktuell sehr unsicher. Ob das starke Beschäftigungswachstum bei Erziehern, Sozialpädagogen und ähnlichen Berufen trotz Geburtenrückgang weitergeht, ist in erster Linie eine politische Entscheidung. Investitionen in frühkindliche Bildung oder eine höhere Ausbildungsreife sind langfristig sehr positiv für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung, mehr als die meisten anderen Staatsausgaben.
Der starke Anstieg in IT-Berufen könnte zum Erliegen kommen. Der Fachkräftemangel hier hat sich zuletzt schlagartig aufgelöst. Das könnte daran liegen, dass Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend deren Aufgaben übernehmen kann, es könnte aber auch genauso an der schwachen Konjunktur und eingestellten Investitionsprojekten liegen. Auch ist es möglich, dass es einen Produktivitätszuwachs gibt, der am Ende zu einer höheren Nachfrage führen wird. Hier sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden.
Die Fortschreibung sieht noch Wachstumspotenzial in Maschinenbau- und Fahrzeugtechnik-Berufen. Hier hängt die Zukunft vor allem davon ab, worauf sich die Automobilindustrie konzentrieren wird und wie stark die Region von den gestiegenen Verteidigungsausgaben profitieren wird.
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