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(© Foto: Maja Hitij / Getty Images)
Wido Geis-Thöne / Holger Schäfer IW-Nachricht 23. August 2023

Kinderarmut: Nur ein zielgenaues Konzept hilft langfristig

Was hilft gegen Kinderarmut? Die Bundesregierung will Leistungen bündeln und betroffenen Eltern mit der Kindergrundsicherung künftig mehr zahlen. Tatsächlich braucht es aber ein zielgenaues Konzept: Nur so haben alle Kinder künftig auch die gleichen Chancen.

Kinderarmut ist in Deutschland ein Problem, dazu gibt es weitestgehend Einigkeit. Sie kann viele Ausprägungen haben: Eurostat misst anhand einer Liste mit 17 Punkten, ob Kindern wichtige Dinge für ein gutes Leben und Aufwachsen fehlen. Gibt es täglich frisches Obst und Gemüse, Spiele für draußen und drinnen oder Internet im Haushalt? Wenn drei der insgesamt 17 Punkte nicht erfüllt sind, spricht man von materieller Deprivation. Das traf bundesweit im Jahr 2021 auf sechs Prozent aller Kinder unter 16 Jahren zu. EU-weit waren es 13 Prozent. Wird in Deutschland von Armut gesprochen, ist meist die Armutsgefährdungsquote gemeint: Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. 

Geht es um die Frage, was dagegen am besten hilft, gehen die Meinungen auseinander. Die Bundesregierung plant zum 1. Januar 2025 die Einführung der Kindergrundsicherung. Sie soll nicht nur Kindergeld, Kinderzuschlag und andere Leistungen zusammenfassen, sondern auch ihren Gesamtumfang deutlich ausweiten. Kritik dazu kam nun von Finanzminister Christian Lindner, er hatte angemerkt, dass gezielte Förderung den Kindern besser helfen würde – und zwar in den Bereichen, in denen es Eltern nicht leisten können. 

Viele zielgenaue Unterstützungsangebote 

Tatsächlich gibt es schon eine Reihe von Unterstützungsangeboten für ärmere Familien, die auch gezielt den Kindern zugutekommen – dazu gehören beispielsweise vergünstigte Tickets für Schwimmbäder oder den ÖPNV, Zuschüsse für Mittagessen in der Schule oder geringere Kitabeiträge. „Wir müssen die Armut bei Kindern ganzheitlich bekämpfen“, sagt IW-Ökonom Wido Geis-Thöne. „Meist geht es nicht um Einkommens-, sondern vor allem um Chancenarmut.“ So schneiden Kinder aus ärmeren Haushalten bei Tests in der Schule meist schlechter ab. Umso wichtiger sind gezielte Hilfen wie bessere Betreuung in den Kitas oder Sprachförderung.  

Arbeit ist die beste Armutsvorsorge 

Die beste Vorbeugung bietet allerdings eine Erwerbstätigkeit der Eltern. Armut ist in Deutschland fest mit Arbeitslosigkeit verknüpft, mehr als 60 Prozent der Arbeitslosen sind armutsgefährdet. Bei denjenigen, die einen Job haben, sind es weniger als zehn Prozent. Umso wichtiger ist es, dass Eltern immer einen Anreiz haben, zu arbeiten – und sich das durch höhere Sozialleistungen nicht ändert.  

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