1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Tag der Arbeit: Nur gut jeder zehnte junge Beschäftigte ist Gewerkschaftsmitglied
Zeige Bild in Lightbox Streiks am Tag der Arbeit
Gewerkschaften müssen um mehr Mitglieder kämpfen. (© Gettyimages)
IW-Nachricht 29. April 2026 Lennart Eckle

Tag der Arbeit: Nur gut jeder zehnte junge Beschäftigte ist Gewerkschaftsmitglied

Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite" gehen die Gewerkschaften am 1. Mai auf die Straße. Als Arbeitnehmervertretung kommt ihnen gerade in Krisenzeiten eine wichtige Rolle zu – doch ihre Basis schrumpft, zeigen Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Weniger als elf Prozent der Beschäftigten zwischen 16 und 30 Jahren waren 2023 Mitglied einer Gewerkschaft. Bei den über 50-Jährigen lag der Anteil mit gut 18 Prozent deutlich höher. Das zeigen IW-Auswertungen auf Basis des European Social Survey (ESS). Insgesamt war nur noch knapp jeder sechste Beschäftigte in Deutschland gewerkschaftlich organisiert. Im europäischen Vergleich rangiert Deutschland damit im Mittelfeld. In den skandinavischen Ländern sind deutlich mehr Beschäftigte organisiert, in Frankreich, Polen und Ungarn dagegen weniger als zehn Prozent.

Der Blick auf die Mitgliederstruktur offenbart weitere Defizite:   

  • Frauen sind mit 14,7 Prozent seltener organisiert als Männer mit 18,3 Prozent.
  • Beschäftigte mit Migrationshintergrund kommen auf 12,7 Prozent – ohne Migrationshintergrund sind es 18,1 Prozent.  
  • Auch zwischen den Sektoren klafft eine Lücke: Im produzierenden Gewerbe gehört gut jeder fünfte Beschäftigte einer Gewerkschaft an, im Dienstleistungssektor nur jeder siebte.

Versuche um Mitgliedergewinnung verpuffen

Die Gewerkschaften steuern gegen die schwindende Verankerung in der Belegschaft – mit Organizing-Kampagnen, gezielten Streiks zur Mitgliedergewinnung und besserer steuerlicher Absetzbarkeit der Beiträge. Doch bislang gibt es keine Trendwende: Ver.di meldete 2023 kurzzeitig steigende Zahlen, verlor aber schon im Folgejahr wieder Mitglieder und zählt mittlerweile noch 1,83 Millionen. Auch die IG Metall musste Rückgänge hinnehmen – sie bekommt die schlechte Konjunktur in der Industrie besonders zu spüren. 2025 hatte sie nur noch knapp 2,02 Millionen Mitglieder.

Dabei könnten starke Gewerkschaften in der aktuellen Krise viel bewegen – solange sie konstruktiv mitarbeiten. Beim Aushandeln tragfähiger Kompromisse hat sich die deutsche Sozialpartnerschaft bewährt. Wenn gewerkschaftliche Positionen an den Interessen der Beschäftigten vorbeigehen und der Nachwuchs ausbleibt, wird sich der Abwärtstrend aber verschärfen. Angesichts des demografischen Wandels wird die Lage dringlicher: Wer am 1. Mai Schutzmacht der Beschäftigten sein will, muss sie erst einmal erreichen – vor allem die jüngeren.  

Inhaltselement mit der ID 15401

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Dr. Hagen Lesch, Leiter des Clusters Arbeitswelt und Tarifpolitik, ernst
Interview 20. April 2026 Hagen Lesch im Merkur

Tarifpolitik: „Die Streik-Taktik hat sich geändert"

Trotz weniger Ausfalltage als früher fühlt sich die Streikbelastung höher an. IW-Experte Hagen Lesch erklärt in einem Interview im Merkur, warum gesetzliche Leitplanken nötig wären.

Hagen Lesch im Merkur IW

Artikel lesen
IW-Kurzbericht Nr. 14 24. Februar 2026 Lennart Eckle

Regionale Verankerung der Gewerkschaften in Deutschland

Die Verankerung der Gewerkschaften unter den Beschäftigten ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gesunken. Im Jahr 2023 war weniger als jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland Mitglied einer Gewerkschaft.

Lennart Eckle IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880