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EZB-Präsidentin Christine Lagarde (© Foto: GettyImages)
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Michael Hüther / Thomas Obst IW-Nachricht 22. Juli 2022

Zinswende: Gute Aussichten für Sparer, schlechte für Häuslebauer

Die Europäische Zentralbank hat nach der jahrelangen Nullzinspolitik die Zinswende eingeleitet, der Leitzins steigt von null auf 0,5 Prozent an. Das hat spürbare Auswirkungen für Wirtschaft und Verbraucher. Ein Überblick.

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Nie musste die EZB seit ihrer Gründung 1998 anhaltend gegen Inflation kämpfen: Seit der Euro-Staatsschuldenkrise sah sie sich eher den Windmühlen der Deflation ausgesetzt. Der Leitzins lag lange Zeit an der Nullzinsuntergrenze. Nun hat sich die Situation geändert, seit Jahresbeginn meldet das Statistische Bundesamt Inflationsraten, wie es sie seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Mit dem höheren Leitzins will die EZB der Inflation nun den Kampf ansagen. Das Problem dabei: Die Gründe der Inflation liegen nicht hierzulande, sondern sind importiert. Die Pandemie und der russische Angriffskrieg stören Lieferketten und verteuern Energie und Rohstoffe, Unternehmen geben die Preissteigerungen weiter. Auch die drohende Lohn-Preis-Spirale könnte das Problem weiter verschärfen. Deshalb wird die Inflation kurz- und mittelfristig ein Thema bleiben, trotz EZB-Eingriff. Zinspolitik wirkt mit mehreren Quartalen Verzögerung.

Traum vom eigenen Haus droht zu platzen

Für Sparer ist die Leitzinserhöhung eine gute Nachricht: Zum einen dürften die Strafzinsen damit wieder der Vergangenheit angehören. Zum anderen gibt es bald wieder Zinsen auf Erspartes, auf Tagesgeld- und Festgeldkonten gab es bereits Anpassungen. Auch die Renditen der Staatsanleihen steigen. Im Aktienmarkt wurde ein Zinsanstieg bis zu 1,5 Prozent zum kommenden Sommer bereits eingepreist. Wer dagegen einen Kredit braucht, beispielsweise weil er eine Immobilie kaufen möchte oder eine alte Immobilienfinanzierung ausläuft, hat dagegen schlechte Karten: Geld leihen wird deutlich teurer. Gerade für junge Familien dürften die hohen Zinsen den Traum vom Eigenheim häufig platzen lassen. Das wiederum hat Auswirkungen auf den Mietmarkt: Weil die einen nicht ausziehen, wird für andere kein zusätzlicher Wohnraum verfügbar – die Mietpreise dürften daher weiter steigen. Auch für Unternehmen, die auf Kredite angewiesen sind, ist die Lage herausfordernd: Start-ups beispielsweise könnten deutlich mehr Schwierigkeiten haben, sich frisches Geld zu leihen – im besten Fall verschlechtern sich dadurch Wachstumsaussichten, im schlechtesten Fall kann es das vorzeitige Ende für einige Geschäftsmodelle bedeuten.

Arbeitslosigkeit durch Gasembargo

Insgesamt steuert die Wirtschaft weiter in eine schwierige Lage. Während einige Faktoren händelbar sind, beispielsweise die Lockdown-Politik in China mit ihren Folgen, gibt es andere, die für die deutsche Wirtschaft eine enorme Bedrohung darstellen. „Sollte es im Winter zu einem Gasembargo kommen, drohen Dominoeffekte in Lieferketten und Arbeitslosigkeit“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. „Dann würden wir auch keine kleineren Korrekturen oder Schrumpfungen erwarten, sondern gravierende wirtschaftliche Einbußen.“
 

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