1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Direktinvestitionen in China: „Steigende Abhängigkeit macht Sorgen“
Zeige Bild in Lightbox
Nach den Corona-Jahren wirbt China wieder gezielt um westliche Unternehmen. (© Getty Images)
Jürgen Matthes IW-Nachricht 29. März 2023

Direktinvestitionen in China: „Steigende Abhängigkeit macht Sorgen“

2022 investierten deutsche Firmen 11,5 Milliarden in China und damit mehr als je zuvor, zeigen neue Zahlen der Deutschen Bundesbank. Der Trend ist gefährlich und verstärkt die deutsche Abhängigkeit. Unternehmen dürfen sich nicht von blumigen Versprechen täuschen lassen – China ist kein verlässlicher Partner.

Deutsche Unternehmen investieren so viel in China wie nie zuvor. 11,5 Milliarden Euro flossen 2022 ins Reich der Mitte – so hoch war die Zahl nicht einmal in den größten Boom-Jahren. Auch im Jahr davor waren die Direktinvestitionen viel höher als bislang bekannt: 2021 gingen rund zehn Milliarden nach China, 2020 waren es gerade einmal 2,1 Milliarden Euro. 

Roter Teppich für deutsche Unternehmen

China rollt deutschen Unternehmern nach dem starken Corona-Einbruch also den roten Teppich aus – und die Werbung funktioniert. Die chinesische Regierung versucht so, die wirtschaftlichen Schäden ihrer Zero-Covid-Strategie und der brutalen Lockdowns zu beheben. Veranstaltungen wie das China Development Forum locken deutsche Top-Manager, die bereitwillig folgen und ganze Produktionen nach China verlegen. Zu attraktiv sind die Wachstumsaussichten auf dem chinesischen Absatzmarkt.

Der Trend ist alarmierend: Die deutsche Abhängigkeit von China wuchs zuletzt stark, auch beim Handel. So stieg das Handelsbilanzdefizit im Jahr 2022 gegenüber 2019 auf rund das Sechsfache. Um 84 Milliarden überstieg die Summe der stark wachsenden Importe aus China die unserer kaum mehr zunehmenden Ausfuhren. Die Wirtschaftsbeziehungen drohen immer einseitiger zu werden.

„Nicht von blumigen Versprechen täuschen lassen“

„Diese Entwicklung macht Sorgen“, sagt IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes. „Die Unternehmen sollten sich vom roten Teppich und von blumigen Versprechen nicht täuschen lassen.“ China drohe auf mittlere Sicht offen mit einer militärischen Annexion Taiwans. „Sollte es zeitnah zu einem Krieg kommen, steht die deutsche Wirtschaft vor einer Krise enormen Ausmaßes.“ Es sei daher höchste Zeit, kritische Abhängigkeiten zu reduzieren, wie es viele Firmen auch schon angekündigt hätten. „Wenn sich dies aber nicht bald in der Statistik zeigt, muss die Politik handeln.“ 

Inhaltselement mit der ID 11945
PDF herunterladen
Rekordinvestitionen in 2021 und 2022
Jürgen Matthes IW-Kurzbericht Nr. 24 29. März 2023

China-Abhängigkeit deutscher Firmen steigt: Rekordinvestitionen in 2021 und 2022

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Beginnt das De-Risking?
Jürgen Matthes / Thomas Puls IW-Report Nr. 43 15. September 2023

Beginnt das De-Risking?

Eine Analyse des Außenhandels mit China und der Einfuhrabhängigkeiten von China im ersten Halbjahr 2023 zeigt: Gegenüber dem ersten Halbjahr 2022 sank die deutschen Ausfuhren nach China um über 8 Prozent und die deutschen Einfuhren aus China um knapp 17 ...

IW

Artikel lesen
Jürgen Matthes IW-Report Nr. 39 15. August 2023

Entwicklung des Konkurrenzdrucks durch China auf dem EU-Markt

In diesem Report wird untersucht, ob China mit seinen Exporten immer mehr in diejenigen Branchen vordringt, in denen die deutsche Wirtschaft ihre Stärken hat. Um dieser Frage nachzugehen, werden die Veränderungen der Anteile Chinas und Deutschlands an den ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880