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(© Foto: iStock)
IW-Nachricht 23. Januar 2018 Dr. Judith Niehues / Dr. Maximilian Stockhausen

Vermögensungleichheit: Einseitige Betrachtung

Gestern Oxfam, heute das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin – Studien übertreffen sich in alarmierenden Botschaften zur ungleichen Vermögensverteilung. Dabei befindet sich Deutschland mit seiner hohen Vermögensungleichheit in der guten Gesellschaft der skandinavischen Länder.

Pünktlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos verwies zunächst die Hilfsorganisation Oxfam auf die ungleiche Vermögensverteilung Deutschlands, heute legt das DIW nach: Wenn man die Vermögen der Superreichen – die in der Regel nicht Teil der offiziellen Daten sind – mittels Reichenlisten schätzt und hinzurechnet steigt die Vermögensungleichheit. Anstatt 31,5 Prozent verfügen die reichsten fünf Prozent demnach über 51,5 Prozent des gesamten Vermögens. Dieser Befund ist keineswegs neu. Die Daten der Credit Suisse, die der Oxfam-Studie zugrunde liegen, schätzen ebenfalls Vermögen der Reichen hinzu – der Anteil der vermögensreichsten 5 Prozent liegt demnach im Jahr 2017 bei 53,6 Prozent.

Es ist unbestritten, dass die Reichen in Befragungsdaten nur unzureichend erfasst werden, da sie nur selten Teil der Stichproben sind. Allerdings wird dabei häufig übersehen, dass auch die Vermögen im übrigen Teil der Bevölkerung nicht immer korrekt erfasst werden: In den Vermögensbefragungen gibt beispielsweise weniger als die Hälfte der deutschen Haushalte an, Versicherungen zu besitzen. Rechnet man die Angaben zusammen, kommt man jedoch gerade einmal auf rund 40 Prozent der Versicherungssumme, die bei der Deutschen Bundesbank erfasst ist.  Es wäre überraschend, wenn sich das restliche Vermögen ausschließlich im Besitz der oberen zehn Prozent befände, denn private Renten- und Lebensversicherungen sind über die gesamte Bevölkerung breit verteilt.

Zudem werden die gesetzlichen Rentenansprüche der Arbeitnehmer in den Vermögensbefragungen nicht erfasst. Laut Berechnungen der DIW-Forscher würde sich bei Berücksichtigung der Rentenansprüche die Vermögensungleichheit – gemessen am Gini-Koeffizient – um fast 25 Prozent reduzieren. Der Vermögensanteil der ärmeren Hälfte der Bevölkerung würde sich nach Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels von 0,2 Prozent auf 16,6 Prozent erhöhen.

Darüber hinaus zeigt sich im europäischen Vergleich, dass Vermögen tendenziell in jenen Ländern ungleicher verteilt sind, in denen es großen Wohlstand und eine starke staatliche Absicherung gibt. Dadurch sind die Anreize im unteren Einkommensbereich geringer, privates Vermögen aufzubauen – entsprechend niedrig ist dort der Vermögensanteil. Gleichzeitig fallen zur Finanzierung hohe Steuern und Abgaben an, das erschwert den Vermögensaufbau in der Mittelschicht. Dazu passt, dass nach den Vermögensdaten der Credit Suisse die Vermögensungleichheit in Norwegen, Schweden und Dänemark noch höher ausfällt als in Deutschland – obwohl diese Länder gerade in sozialer Hinsicht häufig als Vorbild gelten.

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