Laut Medienberichten diskutiert die Alterssicherungskommission, die Regelaltersgrenze weiter anzuheben. Langfristig hätte das eine entlastende Wirkung. Doch der demografische Druck erfordert schon jetzt weitere Maßnahmen.
Rente mit 70: Langfristig gut, kurzfristig zu wenig
Bereits ein Zwischenschritt auf 68 Jahre bis 2038 hätte laut IW-Bevölkerungsprognose eine spürbare Wirkung: Der Altenquotient stiege dann nicht auf über 40, sondern nur auf knapp 38 – statt 41 kämen also nur 38 Rentner auf 100 Erwerbstätige. Was in Fachkreisen seit langem angemahnt wird, treibt offenkundig auch die Experten der Kommission um: Der Altenquotient steigt dauerhaft. Er setzt die Anzahl der Menschen ab 67 Jahren ins Verhältnis zum Erwerbspersonenpotenzial – also den 15- bis 66-Jährigen. Aktuell kommen auf 100 Erwerbsfähige knapp 31 Ältere. Allein bis 2029 steigt der Wert auf 34, weil die geburtenstarken Jahrgänge die Regelaltersgrenze erreichen. Ende der 2030er Jahre liegt er über 40 – und verharrt dauerhaft auf diesem Niveau.
Schon kurzfristig müssen weniger Beitragszahler mehr Renten finanzieren
Überträgt man diese Entwicklung auf das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern, wird deutlich: Schon kurzfristig müssen die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei unveränderter Erwerbsbeteiligung mindestens zehn Prozent mehr gesetzliche Renten finanzieren. Bis Ende der 2030er Jahre sind es sogar ein Viertel mehr. Soll dann noch das Sicherungsniveau stabil gehalten werden, drohen Beitragssätze und Steuerzuschüsse durch die Decke zu gehen. Arbeiten die Beitragszahler ein Jahr länger, ließe sich der Anstieg dämpfen – die Finanzierungserfordernisse steigen aber im Vergleich zu heute immer noch deutlich.
Frühverrentung stoppen – nicht erst in den 2060ern handeln
Denn der demografische Wandel wirkt sich nicht erst in ferner Zukunft auf die umlagefinanzierten Sicherungssysteme aus. Handlungsbedarf besteht schon jetzt. Damit sich das Beitragszahler-Rentner-Verhältnis zeitnah stabilisiert, bleibt zu hoffen, dass sich die Diskussion nicht auf die heute diskutierte Forderung beschränkt. Wichtige Punkte wären:
- das Privileg eines abschlagfreien vorzeitigen Rentenbezugs nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen,
- höhere Abschläge für alle Altersrentner in Erwägung zu ziehen, die vor der Regelaltersgrenze versorgt werden wollen,
- die Hinzuverdienstgrenze bei vorzeitigem Rentenbezug wiedereinzuführen. Denn die Rente soll das beitragspflichtige Arbeitseinkommen ersetzen – nicht ergänzen.
Welches Paket die Alterssicherungskommission auch schnürt: Eine wirksame Entlastung kann nur gelingen, wenn sich die Bundesregierung dem Votum der von ihr berufenen Experten anschließt.
Reformen: Abschlagsfreie Rente beizubehalten ist nicht zielführend
Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren soll abgeschafft werden, so sieht es zumindest das Reformprogramm der Bundesregierung vor. Doch die SPD protestiert. IW-Direktor Michael Hüther ist von der Position der SPD überrascht und übt scharfe Kritik.
IW
Reformdebatte: Warum die Rente mit 63 abgeschafft werden muss
Zerbröselt der Rentenkompromiss, wenn die Bundesregierung doch an der vorzeitigen Rente für besonders langjährig Versicherte festhält? IW-Ökonomin Ruth Maria Schüler erklärt im Interview, warum es wichtig ist, alle Punkte des Pakets umzusetzen.
IW