1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Minijob-Abschaffung: „Damit wäre niemandem geholfen“
Zeige Bild in Lightbox Germany Relaxes Lockdown Measures As Infection Rates Fall
Sechs bis acht Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in Minijobs (© Getty Images)
Holger Schäfer IW-Nachricht 12. November 2025

Minijob-Abschaffung: „Damit wäre niemandem geholfen“

Wenn die Politik die Minijob-Regeln abschafft, müssen auch geringfügig Beschäftigte Sozialbeiträge zahlen. Das hilft weder den Beschäftigten noch den Sozialversicherungen, sagt IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer.

Aus der CDU kommen derzeit Forderungen, die Minijob-Regelungen abzuschaffen. Für die Beschäftigten hieße das: weniger Geld auf dem Konto. Die Sozialversicherungen würden kaum profitieren, denn die zusätzlichen Beiträge würden minimal ausfallen. Gleichzeitig würde der bürokratische Aufwand steigen.

Etwa jeder siebte Beschäftigte arbeitet nur wenige Stunden pro Woche. Viele können oder wollen nicht mehr arbeiten – daran kann die Politik wenig ändern. Die Abschaffung der Minijobs würde diese Menschen lediglich dazu verpflichten, Beiträge zur Renten- oder Arbeitslosenversicherung zu zahlen. Das würde ihre Löhne deutlich senken und die Jobs deutlich unattraktiver machen. Zudem erwerben sie bei geringen Arbeitszeiten kaum Ansprüche, die im Alter oder bei Arbeitslosigkeit wirklich helfen. 

Ein Ziel bei der Einführung des Minijobs war es, unnötigen Verwaltungsaufwand für die Sozialversicherungen zu verhindern. Daran hat sich nichts geändert. Denn die Berechnung, Erhebung und Auszahlung von Beiträgen und Leistungen zieht einen bürokratischen Aufwand nach sich. Angesichts des vernachlässigbaren sozialpolitischen Effekts der in einem Minijob erworbenen Ansprüche erscheint es angemessen, diesen Aufwand zu beschränken.

In der Summe sprechen wir also von einem Vorschlag, mit dem niemand geholfen wäre: Minijobber hätten weniger Geld in der Tasche, ohne von den erworbenen Ansprüchen wirklich profitieren zu können. Die Kassen würden mit zusätzlicher Bürokratie belastet. Die Arbeitgeber dürften zudem Schwierigkeiten bekommen, die fortan schlechter bezahlten Jobs zu besetzen.
 

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Ein Tag pro Woche für Bürokratie
Andrea Hammermann / Klaus-Heiner Röhl IW-Kurzbericht Nr. 94 18. November 2025

Ein Tag pro Woche für Bürokratie

Unternehmen in Deutschland klagen über einen „Bürokratie-Burnout“ durch die steigende Anzahl staatlicher Vorgaben in Gesetzen und Verordnungen. Die IW-Beschäftigtenbefragung bestätigt eine Zunahme des organisatorischen Aufwands in den Unternehmen, sodass die ...

Andrea Hammermann / Klaus-Heiner Röhl IW

Artikel lesen
Oliver Stettes IW-Report Nr. 54 7. November 2025

Stellungnahme: Bürokratiearme Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie

Deutschland muss bis zum 7. Juni 2026 die 2023 verabschiedete EU-Entgelttransparenzrichtlinie in deutsches Recht umsetzen.

Oliver Stettes IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880