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(© Foto: iStock)
IW-Nachricht 9. Juni 2020 Christoph Schröder

Mindestlohn: Stärkere Erhöhung ist unsinnig

Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen zu den Mindestlöhnen in der EU veröffentlicht. Demnach rangiert Deutschland an fünfter Stelle. Berücksichtigt man die unterschiedlichen Preisniveaus, belegt Deutschland hinter Luxemburg sogar die zweite Position. Eine Erhöhung, die über die Tariflohnentwicklung hinausgeht, ist deshalb nicht sinnvoll.

Wer in Vollzeit den Mindestlohn bezieht, erhält 47 Prozent des Medianlohns aller Vollzeitbeschäftigten,das ist der Lohn, der von der einen Hälfte der Arbeitnehmer unterboten und von der anderen Hälfte überboten wird. Das ist im EU-Vergleich niedrig – nur in Spanien, Tschechien und Estland ist der Wert noch geringer. Zum Vergleich: In Frankreich beträgt der Mindestlohn in Relation zum Medianlohn aller Vollzeitarbeitnehmer etwa 60 Prozent. 

Viele Gutverdiener in der Industrie

Zu berücksichtigen sind aber zwei Besonderheiten in der deutschen Wirtschaftsstruktur: Die Bundesrepublik hat zum einen eine hohe Teilzeitquote. Zum anderen sind die Verdienste im Industriesektor deutlich höher als in anderen Wirtschaftsbereichen, gleichzeitig ist die Branche hierzulande besonders wichtig. Da in der Industrie aber wenige Beschäftigte in Teilzeit arbeiten, ist der relative Unterschied zwischen dem Median-Stundenlohn der Vollzeitbeschäftigten und dem aller Beschäftigten hierzulande deutlich größer als in den meisten anderen EU-Ländern. Nimmt man als Maßstab den Medianstundenlohn aller Beschäftigten, liegt der deutsche Mindestlohn international im Mittelfeld. In Frankreich ist der Mindestlohn zudem nur deshalb bezahlbar, weil der Staat die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber kräftig subventioniert.

Stärkerer Mindestlohnanstieg nicht sinnvoll

Im Jahr 2021 werden die Mindestlöhne selbst bei einer regelbasierten Anpassung um gut fünf Prozent ansteigen. Davon profitieren vor allem kleinere Dienstleistungsbetriebe beispielsweise in der Gastronomie, in der die Betriebe aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin vielfach um ihre Existenz kämpfen müssen. Eine noch stärkere Anpassung wäre deshalb nicht sinnvoll. Stattdessen sollten Qualifikationen in den Vordergrund rücken – damit der Mindestlohn nicht zu einer zu hohen Eintrittshürde in den Arbeitsmarkt wird, sondern vielmehr Aufstiegschancen erhält. 
 

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