Für die vielen neuen Stellen sorgen vor allem Unternehmen, die dem Fachkräftemangel begegnen wollen. In Berufen mit starken Engpässen – in denen es also mehr freie Stellen als passend qualifizierte Arbeitslose gibt – haben sie die Zahl der Ausbildungsstellen seit 2011 um rund 13 Prozent erhöht. In Nicht-Engpassberufen gab es dagegen einen Rückgang von 9 Prozent.

Weil aber die Zahl der Bewerber im vergangenen Ausbildungsjahr leicht auf 535.600 zurückgegangen ist, gab es unter dem Strich mehr neue Ausbildungsstellen als Bewerber. Das ist gut für die Jugendlichen, denn rein rechnerisch waren ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz damit so gut wie seit 1994 nicht mehr: Auf 100 Stellen kamen 98 Bewerber.

Doch noch immer gehen viele Bewerber – und Unternehmen – leer aus. Neben regionalen und berufsfachlichen Gründen spielt vor allem die Entwicklung der Schulabgängerzahlen eine Rolle. Nicht nur dass die Zahl der Schulabgänger zwischen 2000 und 2017 um 13 Prozent zurückgegangen ist, auch die Zusammensetzung hat sich stark verändert: So ist die Zahl der Abgänger mit (Fach-)Hochschulreife um 20 Prozent gestiegen, die der Realschulabsolventen aber um sechs Prozent gesunken. Und bei den Hauptschulabsolventen – traditionell eine Hauptzielgruppe für die duale Ausbildung – beträgt das Minus seit 2000 sogar 44 Prozent.

Die Berufsorientierung muss deshalb einen zentralen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten. Ihr Ziel muss es sein, Jugendliche über die duale Ausbildung, die Bandbreite der Ausbildungsberufe sowie die Perspektiven zu informieren – denn selten waren die Chancen auf einen Ausbildungsplatz und eine spätere Übernahme größer. 80 Prozent aller Ausbildungsabsolventen gelingt nach ihrem Abschluss ein nahtloser Übergang in den Arbeitsmarkt. Insbesondere die wachsende Zahl an Abiturienten muss daher stärker in den Blick genommen werden. Laut einer IW-Studie fühlen sich 58 Prozent der Abiturienten gut über ein Studium informiert – über die Ausbildung sagen das nur 39 Prozent.