Die Sorge vor der Altersarmut treibt viele Menschen um. Die aktuelle Simulationsstudie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung rechnet bis zum Jahr 2050 mit zunehmenden Armutsrisiken im Alter. Mit ihrer Analyse der Effekte unterschiedlicher Rentenreformen bestätigen die Autoren auch jüngste IW-Ergebnisse:

Demnach steigt der simulierte Anteil der Rentner, die Grundsicherung erhalten, von aktuell neun Prozent bis Mitte der 2030er Jahre auf bis zu 12,3 Prozent. Tatsächlich haben 2017 nur 3,1 Prozent aller Rentner Grundsicherung im Alter bezogen, von denen, die eine gesetzliche Rente erhalten, waren es sogar nur rund 2,7 Prozent. Ein möglicher Grund dafür: Viele Rentner scheuen den Gang zum Amt, weil ihr Vermögen bei der fälligen Bedürftigkeitsprüfung angerechnet würde. Die Autoren der Bertelsmann-Studie verweisen zwar darauf, dass sie auch Vermögen berücksichtigen – allerdings erläutern sie kaum, wie genau das geschieht. 

85 Prozent nicht hilfsbedürftig

In ihrer Analyse möglicher Rentenreformen kommen die Autoren zu noch drastischeren Einschätzungen als die IW-Studie. Eine Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung würde demnach in 85 Prozent aller Fälle Personen begünstigen, die im Sinne der Grundsicherung nicht hilfebedürftig sind. Kombiniert mit einer Freibetragsregelung würde die Grundsicherungsquote sogar wieder leicht ansteigen. 

Tatsächlich reduziert ein Freibetrag in der Bedürftigkeitsprüfung die relative Armutsgefährdungsquote, laut Bertelsmann-Studie um bis zu drei Prozentpunkte. Das liegt daran, dass bedürftige Rentner einen Teil ihrer Alterseinkommen behalten dürfen und deshalb näher an das mittlere Einkommen der Gesamtbevölkerung heranrücken. Das kostet aber: Laut Bertelsmann-Studie rund sieben Milliarden Euro, die künftig vor allem die jüngeren Kohorten schultern müssen. Schließlich würde die Grundsicherung nun auch von Personen in Anspruch genommen, die ohne Freibetrag nicht bedürftig wären.

Die beste Lösung: Länger arbeiten 

Dabei verspricht die Gesetzliche Rentenversicherung gar nicht, mit der Rente mindestens 60 Prozent des mittleren Einkommens in der Bevölkerung zu erreichen. Die Rente hängt nämlich von der Erwerbsbiografie ab. Die Argumentation über Armutsgefährdungsquoten führt also in der Reformdiskussion in die Irre.

Am Ende gilt eine Binsenweisheit: Eine armutspräventive Alterssicherung gelingt am besten, indem die Menschen länger arbeiten. Darauf sollten sich Lösungsstrategien konzentrieren.