Die Bertelsmann-Stiftung stützt sich in ihrer Untersuchung auf eine telefonische Befragung von über 1.000 Muslimen, die nicht erst kürzlich zugewandert sind. Den Befunden zufolge sind 81 Prozent der Personen von 16 bis 65 Jahren erwerbstätig, wobei Schüler, Studenten und Auszubildende nicht berücksichtigt wurden. Gegenüber einer Stichprobe von Nicht-Muslimen zeigen sich demnach keine nennenswerten Unterschiede. Die Integration ist erfolgreich, folgert die Stiftung.

Der Befund lässt aufhorchen – unter anderem deshalb, weil die Arbeitslosigkeit von Ausländern traditionell weit höher ist als die von Deutschen. Religionszugehörigkeit wird indes in der Arbeitslosenstatistik nicht erfasst. Auch in der Arbeitsmarktforschung ist die Religionszugehörigkeit in der Regel kein interessierendes Merkmal. Wichtiger sind Faktoren wie Sprachkenntnisse oder Qualifikation.

Eine Möglichkeit, die Befunde zu überprüfen, besteht in der Auswertung des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP), einer regelmäßig durchgeführten Befragung von rund 30.000 Personen. Darunter sind auch 1.400 Muslime im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren, deren Erwerbsstatus ausgewertet werden kann. Die Befunde zeigen ein diametral anderes Bild als die Ergebnisse der Bertelsmann-Stiftung. Muslime sind deutlich seltener erwerbstätig und arbeiten auch seltener in Vollzeit als Christen oder Konfessionslose. Der Befund ist kaum überraschend, da viele Muslime einen Migrationshintergrund haben, der sich bei der Arbeitsmarktintegration häufig als Hindernis erweist.

Daher gilt: Trotz vieler Erfolge bei der Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt gibt es keinen Grund, in den Bemühungen nachzulassen. Gerade in Hinblick auf die gestiegene Zuwanderung der vergangenen Jahre ist es wichtig, dass Politik und Wirtschaft weiterhin eng zusammenarbeiten und so gleiche Chancen für alle schaffen.