Die globale Wirtschaftskrise im Zuge der Corona-Pandemie hat tiefe Spuren im Exportgeschäft deutscher Unternehmen hinterlassen. Ein erster Hoffnungsschimmer ist nun in Fernost zu sehen: Für das zweite Quartal 2020 vermeldet China ein Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent. Auch weitere Indikatoren deuten bereits auf eine Erholung in China hin: Die Auto-Neuzulassungen lagen im Juni bereits über dem Vorjahreswert, die Kauflaune steigt wieder.

Unterschiedliche Krisenverläufe

Während es in China bergauf geht, kämpfen die USA noch immer gegen die Pandemie: Hier liegt die Zahl der Neuinfektionen seit Anfang Juli im mittleren fünfstelligen Bereich. Das wird sich auch an den deutschen Exporten bemerkbar machen: Da die Krise bei den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands unterschiedlich verlaufen, wird sich ihre Bedeutung für die deutsche Wirtschaft im Verlauf des Jahres 2020 verändern, wie eine aktuelle IW-Studie zeigt. „Es ist bereits abzusehen, dass China durch seinen Aufstieg Exportzielland Nummer eins wird“, sagt Studienautorin Galina Kolev.

Im vergangenen Jahr war China der drittgrößte Abnehmer deutscher Exporte nach den USA und Frankreich. Daran hat sich zwar auch in den ersten fünf Monaten des Jahres nichts geändert. Allerdings ist der Abstand zu Frankreich in diesem Zeitraum auf nur noch 0,6 Milliarden Euro geschrumpft. Ebenso steigt Chinas Bedeutung im Verhältnis zu den USA. Selbst wenn die deutschen Exporte nach China im Juni bis Dezember dieses Jahres nicht mehr steigen und die Exporte in die USA einen Rückgang wie in der Finanzkrise 2009 verzeichnen, dürfte China Ende des Jahres Deutschlands wichtigster Käufer sein. „Die aktuelle Krise hat einen Prozess beschleunigt, der bereits seit mehreren Jahrzehnten in Gang ist“, sagt Kolev.

Auch Polen steigt auf

Zudem exportiert Deutschland anteilig immer mehr nach Polen. Bereits in den Monaten Januar bis Mai hat Polen Italien und Österreich überholt und rangierte auf Platz sechs. Die Chancen stehen gut, dass das osteuropäische Land es im weiteren Verlauf des Jahres in die Top 5 schafft: Um nur 1,3 Milliarden Euro lagen die Exporte nach Polen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2020 hinter dem Wert für das Vereinigte Königreich. Die Briten leiden aktuell nicht nur unter der COVID-19-Krise, sondern kämpfen auch mit der hohen Unsicherheit um die künftigen Handelsbeziehungen zur EU.