Der am Montag beginnende Digital-Gipfel der Bundesregierung hat das Ziel, Deutschland für das KI-Zeitalter zu rüsten. Dabei muss es vor allem darum gehen, dass Unternehmen und Verwaltung ihre KI-Anbieter wechseln können.
Zwei Drittel der Unternehmen achten bei KI-Nutzung auf Souveränität
Digitale Souveränität hat für die deutsche Wirtschaft hohe Bedeutung. Zwei Drittel der Unternehmen, die KI nutzen, nennen digitale Souveränität als Kriterium bei der Auswahl ihrer KI-Lösungen. Das zeigt das IW-Zukunftspanel des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Gemeint ist mit dem Begriff unter anderem, dass die Daten in Europa gehalten werden und dass Nutzer unabhängig von einzelnen Anbietern sind.
Wie dringend Unternehmen auf sichere Lösungen angewiesen sind, zeigt eine IW-Beschäftigtenbefragung: 29 Prozent der Beschäftigten, die KI nutzen, setzen Anwendungen ein, die ihr Arbeitgeber nicht freigegeben hat. So können Firmendaten bei Anbietern landen, die das Unternehmen weder ausgewählt noch kontrolliert hat.
Souverän ist, wer wechseln kann
Bislang dominieren US-amerikanische Anbieter von Hard- und Software den Markt. Das macht Wirtschaft und Staat abhängig. Die Bundesregierung sollte deshalb konkurrenzfähige KI-Lösungen fördern, die drei Bedingungen erfüllen: Sie erlauben einen Anbieterwechsel, gewährleisten Datenschutz und bleiben auch in Krisen kontrollierbar.
Im Oktober 2026 hatte die Bundesregierung eine Kooperation mit dem US-Chiphersteller Nvidia angekündigt. Gemeinsam wollen sie KI-Modelle für die Industrie entwickeln. Die Kooperation ist sinnvoll, denn bei leistungsstarken KI-Chips gibt es keine gleichwertige europäische Alternative. Es kommt aber auf die Ausgestaltung an: Die angekündigten Modelle müssen tatsächlich offen sein. Unternehmen müssen die Hoheit über ihre Daten behalten und die Modelle notfalls auf anderer Hardware oder bei anderen Anbietern betreiben können.
KI als Wachstumsmotor
Das Potenzial für den Einsatz von KI in der Wirtschaft ist groß. Bis zum Ende des Jahrzehnts rechnet das IW mit Produktivitätswachstum in Deutschland von fast einem Prozent. In den 2030er-Jahren sind es 1,2 Prozent. In den bisherigen 2020er-Jahren lag das Wachstum der Produktivität lediglich bei 0,4 Prozent.
Zur Methodik: Im Rahmen des IW-Zukunftspanels wurden im Sommer 2026 1.141 Unternehmen befragt, 783 davon nutzen KI. Die Aussage im Fragebogen lautete: „Digitale Souveränität (z. B. Datenhaltung in Europa, Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern) ist ein Kriterium bei der Auswahl unserer KI-Lösungen.“ Der Anteil von 65 Prozent umfasst die Antworten „trifft eher zu“ und „trifft voll und ganz zu“. Die Angaben zur Schatten-KI stammen aus der IW-Beschäftigtenbefragung vom Frühjahr 2026.
KI-Nähe des Berufs bisher kein Nachteil auf dem Arbeitsmarkt
Die KI-nahe Beschäftigung gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Dies liegt auch daran, dass der Beschäftigungsanteil von Fachkräften sinkt und jener von Experten und Spezialisten zunimmt.
IW
AI and soft skills: Evidence from EU job postings
The influence of AI on the EU labour market has risen substantially in recent years. In 2025, 1.7% of job postings in the EU required in-depth AI knowledge – starting from 0.7% in 2022.
IW