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(© Foto: Gettyimages)
IW-Nachricht 14. November 2018 Axel Plünnecke

Bildungschancen: Es fehlen zwölf Milliarden Euro

Das Statistische Bundesamt hat einen neuen Datenreport vorgelegt. Demnach beeinflusst vor allem die soziale Herkunft die Lebenssituation von Kindern. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren viel verbessert – trotzdem muss der Staat dringend mehr für Bildung ausgeben. Eine wirksame Bildungsoffensive würde rund zwölf Milliarden Euro jährlich kosten.

Wenn Eltern Abitur oder Hochschulabschluss haben, gehen ihre Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein Gymnasium. Kinder, deren Eltern einen Hauptschul- oder allgemeinbildenden Abschluss haben, besuchen dagegen überwiegend die Hauptschule. Das ist das Kernergebnis des neuen Datenreports vom Statistischen Bundesamt. 

Die gute Nachricht: Die Bildungspolitik hat in den vergangenen Jahren schon viel getan, um die Situation zu verbessern. Sie hat Ganztagsschulen ausgebaut, Bildungsstandards eingeführt und die frühkindliche Förderung gestärkt. Die Bemühungen zeigen erste Erfolge: In den PISA-Studien ist der Einfluss der sozialen Herkunft heute geringer als im Jahr 2000, aber immer noch zu hoch. 

IW-Berechnungen zeigen zudem, dass immer mehr Menschen studieren: So haben im Jahr 2000 nur rund 19 Prozent aller 25- bis 35-Jährigen aus Nichtakademikerhaushalten studiert oder hatten ihren Hochschulabschluss bereits in der Tasche. Im Jahr 2016 waren es bereits 28 Prozent. Allerdings ist der Abstand zu Akademikerhaushalten nach wie hoch: Bei ihnen haben 2016 rund 64 Prozent 25- bis 35-Jährigen studiert oder waren bereits fertig.

Bund und Länder müssen also die Bildungsmobilität erhöhen. Es gibt viele Baustellen: So müssen sich geflüchtete Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen besser qualifizieren, um gute Chancen auf eine Ausbildung oder ein Studium zu haben. Der Nutzen solcher Anstrengungen dürfte mittelfristig die Kosten überkompensieren. Vor allem in Kitas müssen die Länder für bessere Betreuung sorgen und zusätzliche Plätze schaffen: Es fehlen rund 273.000 Plätze für Unter-Dreijährige. 

Auch bei Ganztagsschulen ist noch einiges zu tun. Die Schulen bieten grundsätzlich die Möglichkeit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Alleinerziehende zu erleichtern und Kinder aus bildungsfernen Haushalten gezielter zu unterstützen. Allerdings fehlen gute Rahmenbedingungen für die Schulen: Um die Qualität des Bildungssystems zu erhöhen, brauchen die Länder Bildungsstandards und Vergleichsarbeiten, aber auch mehr Autonomie für Schulen, um einen Qualitätswettbewerb zu ermöglichen. Hamburg hat hier schon Erfahrungen gesammelt, die zeigen, dass so die Bildungsarmut unter Schülern verringert werden kann.

Letztendlich muss der Staat die Grundbildung fördern. Lesen und Schreiben ist Vorrausetzung für eine gesellschaftliche Teilhabe. Immerhin haben Bund und Ländern bereits die Dekade der Alphabetisierung ausgerufen, um so Lese- und Schreibfähigkeiten von Erwachsenen zu verbessern. Dringend benötigt werden auch Angebote der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung, denn die Digitalisierung der Wirtschaft erhöht die Anforderungen an die Mitarbeiter. 
 
Es geht bei der Bildungsoffensive also nicht darum, pauschal mehr für Bildung auszugeben: Mehr Geld führt nicht automatisch zu höherer Bildungsqualität. Stattdessen braucht es eine Mischung aus Anreizen und zielgenauen Investitionen. Das würde rund zwölf Milliarden Euro jährlich kosten – Geld, das dem Staat durch die Bildungsoffensive über höhere Steuereinnahmen und sinkende Sozialausgaben wieder zurückfließen wird. 
 

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