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Wido Geis-Thöne IW-Kurzbericht Nr. 36 11. Juni 2019 Karriere-Booster Sport

Männer, die im Alter von 25 bis 34 Jahren mindestens einmal wöchentlich Sport getrieben haben, können ihre Bruttostundenlöhnen in den folgenden neun Jahren um 6,39 Euro mehr steigern als sportlich Inaktive. Auch wenn die Wirkungszusammenhänge noch unklar sind, sollte darauf hingearbeitet werden, dass möglichst alle jungen Menschen sportlich aktiv werden.

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Männer, die im Alter von 25 bis 34 Jahren mindestens einmal wöchentlich Sport getrieben haben, können ihre Bruttostundenlöhnen in den folgenden neun Jahren um 6,39 Euro mehr steigern als sportlich Inaktive. Auch wenn die Wirkungszusammenhänge noch unklar sind, sollte darauf hingearbeitet werden, dass möglichst alle jungen Menschen sportlich aktiv werden.

Dass sportliche Aktivitäten einen positiven Einfluss auf die Einkommensentwicklung haben, ist in der einschlägigen Forschungsliteratur bereits vielfach belegt worden (siehe Cabane / Lechner, 2015 für eine Übersicht). Wie bedeutend dieser Effekt in Deutschland heute ist, macht eine eigene Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels deutlich. Mittels multivariater Analysen wurde der Zusammenhang zwischen den sportlichen Aktivitäten von Männern der Geburtsjahrgänge 1974 bis 1983 im Jahr 2008, also zu einem Zeitpunkt, als sie 25 bis 34 Jahre alt waren, und der Entwicklung ihrer Bruttostundenlöhne in den Jahren zwischen 2008 und 2017 ermittelt. Dabei wurden nur Männer, die im Jahr 2008 in Vollzeit oder Teilzeit tätig und nicht in Ausbildung oder geringfügig beschäftigt waren, in den Blick genommen. Zudem wurde der Bildungsstand und der Gesundheitszustand der Männer im Jahr 2008 in den multivariaten Analysen mitbetrachtet, da sich diese beiden Faktoren sowohl auf die sportliche Aktivität als auch auf die Lohnentwicklung auswirken und die gemessenen Effekte ansonsten verzerren können. Die Analysen wurden nur für Männer durchgeführt, da bei Frauen vor dem Hintergrund der familienbedingten Auszeiten und Arbeitszeitreduktionen eine Differenzierung nach Familienbiografien notwendig wäre, die mit den vorliegenden Fallzahlen nicht möglich ist.

Betrachtet man zunächst den Lohnanstieg in Euro, ergibt sich ein Plus von 6,39 Euro für Männer, die im Jahr 2008 mindestens einmal wöchentlich sportlich aktiv waren gegenüber Männern, die gar keinen sportlichen Aktivitäten nachgegangen sind, wobei der Schätzwert statistisch hochsignifikant ist. Männer die seltener als einmal wöchentlich Sport trieben, konnten eine noch um 1,23 Euro höhere Lohnsteigerung erzielen, wobei in diesem Fall keine statistische Signifikanz vorliegt. Betrachtet man die prozentualen Lohnanstiege, so lagen diese bei den Männern, die 2008 mindestens einmal wöchentlich Sport getrieben haben, um 24,8 Prozentpunkte und bei den seltener aktiven um 8,6 Prozentpunkte höher, als bei den inaktiven Männern.

Für die Männer der Geburtsjahrgänge 1964 bis 1973, die 2008 bereits 35 bis 44 Jahre alt waren, sind die gemessenen Effekte, mit einem Plus von 2,38 Euro für die mindestens einmal wöchentlich und 1,84 Euro für die seltener sportlichen Aktiven deutlich geringer. Dies ist auch naheliegend, da die meisten Beschäftigten in diesem Alter einen großen Teil der einkommensrelevanten Karriereschritte bereits hinter sich haben. Für die noch jüngeren Männer unter 25 Jahren sind Analysen zur Lohnentwicklung nicht möglich, da sie vielfach noch nicht am Arbeitsmarkt aktiv sind. Allerdings zeigen die Ergebnisse von Geis (2017), dass den sportlich Aktiven unter ihnen der Einstieg in den Arbeitsmarkt deutlich besser gelingt.

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Auf welche Weise die sportliche Aktivität die Karriere- und Einkommensentwicklung konkret beeinflusst, ist noch nicht erforscht. Ein Faktor kann sein, dass Sport die physische und psychische Leistungsfähigkeit steigern kann. Auch wenn die Bedeutung der gesundheitlichen Lage für die Produktivität der Erwerbstätigen in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung seit langen bekannt ist (Mushkin, 1962), wurde zu diesem Thema in den letzten Jahrzehnten sehr wenig geforscht. Dabei ist auch ungünstig, dass Gesundheit im öffentlichen Diskurs zumeist nur mit dem Nichtvorliegen akuter oder chronischer Erkrankungen und nicht mit der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit gleichgesetzt wird, sodass auch der Wissens- und Datenstand zu letzterer begrenzt ist. Zudem kann Sport das Auftreten und die Fremdwahrnehmung verbessern, wobei hierfür neben der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit auch weitere Faktoren, wie spezifischen Verhaltensmustern, eine Rolle spielen können (Geis, 2017). Auch kann Sport unter Umständen die Karriereziele der jungen Menschen beeinflussen.

Neben diesen Wirkungskanälen im engeren Sinn können auch in den multivariaten Analysen unbeobachtete Faktoren, die sowohl die sportliche Aktivität als auch die Lohnentwicklung beeinflussen, eine Rolle spielen. Naheliegend wären hier etwa Persönlichkeitseigenschaften, wie Willensstärke und Durchhaltevermögen. Allerdings hat die psychologische Forschung inzwischen nachgewiesen, dass auch diese durch physische Aktivitäten beeinflusst werden können (Stephan et al., 2018). Vor diesem Hintergrund erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass der Sport nicht zumindest zu bedeutenden Teilen tatsächlich ursächlich für die unterschiedliche Lohnentwicklung ist.

Da die einzelnen Sportarten die verschiedenen Aspekte der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit unterschiedlich stark trainieren, wären auch im Hinblick auf ihre Wirkung auf die Karriereentwicklung unterschiedliche Effektstärken naheliegend. Diese konnte von Lechner / Downward (2017) auf Basis englischer Daten auch nachgewiesen werden. Dabei wirken sich ihren Ergebnissen zufolge Aktivitäten aus den Bereichen Fitness und Outdoor auf die Einkommensentwicklung besonders günstig aus. Neben dem Sport können auch weitere Aspekte einer gesundheitsbewussten Lebensweise, wie die Ernährung, die physische und psychische Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen und damit gegebenenfalls die Karriereperspektiven von Erwerbstätigen verbessern. Allerdings ist ein entsprechender Effekt bisher nur für den Sport empirisch belegt und es lässt sich nicht ausschließen, dass er hier gegenüber den anderen Aspekten einer gesundheitsbewussten Lebensführung tatsächlich eine Sonderstellung einnimmt, da die konkreten Wirkungszusammenhänge noch im Dunkeln liegen.

Betrachtet man die sportliche Aktivität der 25- bis 34-jährigen Männer im Jahr 2017, zeigt sich eine leichte Verbesserung gegenüber dem Jahr 2008 (Abbildung). Allerdings sind Männer ohne berufsqualifizierenden und mit beruflichem Abschluss deutlich häufiger sportlich inaktiv als Akademiker. Dies ist auch mit Blick auf ihre langfristige Gesundheit sehr ungünstig, da selbst die bei ihnen verbreiteteren körperlich anstrengenden Tätigkeiten im Beruf, die sportlichen (Freizeit-) Aktivitäten, vor dem Hintergrund zumeist relativ einseitiger Belastungen, in der Regel nicht ersetzen können, sondern vielmehr spezifische Ausgleichsübungen notwendig machen.

Dass Personen nicht oder nur selten sportlichen Aktivitäten nachgehen, kann auf das Fehlen geeigneter Zeitfenster im Alltag zurückgehen, wozu es insbesondere dann kommen kann, wenn sie neben dem Beruf noch in größerem Maße familiäre Aufgaben wahrnehmen müssen. In diesem Fall können vor allem Angebote des betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) Abhilfe schaffen, da sie den Zeitaufwand für die sportlichen Aktivitäten für die Beschäftigten deutlich reduzieren können, etwa indem Fahrzeiten bei arbeitsplatznahen Angeboten entfallen.

Allerdings können auch fehlende Motivation und Scham aufgrund des geringen sportlichen Leistungsniveaus die ausschlaggebenden Punkte sein. Dann sind die Potenziale des BGM sehr beschränkt, da sich die betroffenen Personen in der Regel keinesfalls vor den Kollegen bloßstellen wollen. Hilfreich sind in diesem Fall neben gezielten Sensibilisierungsmaßnahme niedrigschwellige Angebote, die sportferne Personen langsam an sportliche Aktivitäten heranführen. Zudem sollte darauf hingewirkt werden, dass der Schulsportunterricht möglichst alle jungen Menschen für eine sportliche aktive Lebensweise gewinnt und ihnen die hierfür notwendigen Grundlagen vermittelt. Während in der Schule ohne weiteres alle jungen Menschen erreicht werden können, ist dies später nurmehr mit großem Aufwand möglich.

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