Der Staat muss technisches Personal rekrutieren. Die Analyse aktueller Stellenausschreibungen für Bauberufe zeigt, dass gerade die Kommunen auf der Suche nach Bauingenieuren und Bautechnikern sind. Hierbei handelt es sich aber um absolute Mangelberufe.
Kommune sucht Bauingenieur
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Der Staat muss technisches Personal rekrutieren. Die Analyse aktueller Stellenausschreibungen für Bauberufe zeigt, dass gerade die Kommunen auf der Suche nach Bauingenieuren und Bautechnikern sind. Hierbei handelt es sich aber um absolute Mangelberufe.
Der Öffentliche Dienst in Deutschland durchläuft eine umfassende Pensionierungswelle. Es wird erwartet, dass im Laufe dieses Jahrzehnts mehr als ein Drittel aller Beschäftigten in den Ruhestand gehen werden, was zu wachsenden Personallücken in den Verwaltungen führt (Deutscher Städtetag, 2021). Als besonders problematisch sind hierbei die technischen Berufe anzusehen (Botta/Grüttner/Rottmann, 2026). Hierunter fallen sehr verschiedene Qualifikationen vom Informatiker bis zum Bauzeichner. In Anbetracht dessen, dass der Öffentliche Dienst nicht nur sämtliche Bauprojekte in Deutschland genehmigen muss, sondern auch noch für die Verwaltung von Infrastruktur und öffentlichen Gebäuden zuständig ist, sollte es nicht überraschen, dass bautechnische Berufe hierbei eine Schlüsselstellung einnehmen. Die vorliegende Arbeit zielt daher darauf ab, das Rekrutierungsverhalten von Bund Ländern und Kommunen für bautechnische Berufe näher zu betrachten.
Datenbasis und Vorgehen
Die Analyse basiert auf Online-Stellenanzeigen aus der Datenbank des Unternehmens Textkernel, das Stellenanzeigen von über 50.000 Quellen auswertet, darunter die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sowie Stellenportale wie bund.de. Für die vorliegende Analyse wurde die Datenbasis nach Stellenanzeigen gefiltert, die von Bund, Ländern oder Kommunen im Jahr 2025 geschaltet wurden und explizit nach Qualifikationen verlangten, welche nach der der Klassifikation der Berufe in den Oberkategorien 31 (Bauplanung, Architektur, Vermessungswesen) und 32 (Hoch- und Tiefbauberufe) anzusiedeln sind (BA, 2026).
Gemäß der Klassifikation der Berufe wurden die erfassten Ausschreibungen in vier verschiedene Qualifikationsniveaus geclustert – Experte, Spezialist, Fachkraft, Helfer. Als Experte werden Personen mit einem mindestens vierjährigen Hochschulstudium oder vergleichbarer Qualifikation bezeichnet. Spezialisten üben komplexe berufliche Tätigkeiten aus und verfügen typischerweise über einen Meisterbrief oder eine Technikerausbildung. Als Fachkräfte werden üblicherweise Personen mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung bezeichnet. Personen, die angelernten Tätigkeiten nachgehen, gelten als Helfer.
Kommunale Ausschreibungen dominieren
Für das Jahr 2025 wurden in diesen beiden Obergruppen knapp 12.400 Stellenausschreibungen von Gebietskörperschaften identifiziert (Abbildung). Davon entfielen gut 9.000 auf kommunale Arbeitgeber. Die Länder schalteten gut 2.350 Anzeigen und der Bund suchte 970 Personen mit einer bautechnischen Qualifikation. Damit kamen 73 Prozent der erfassten Stellenausschreibungen von kommunalen Arbeitgebern.
Ingenieure und Techniker werden gesucht
Im bundesweiten Durchschnitt des Jahres 2025 machten Experten und Spezialisten jeweils gut 15 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus. Die größte Gruppe war die Fachkräfte mit fast 53 Prozent, während die Gruppe der Helfer knapp 17 Prozent ausmachte. Im Vergleich dazu waren die Stellenausschreibungen aller Gebietskörperschaften in bautechnischen Berufen sehr deutlich auf die höchsten Qualifikationsniveaus fokussiert (Abbildung).
Über alle Gebietskörperschaften waren 55 Prozent der ausgewerteten Stellenanzeigen auf Experten ausgerichtet. Bei den Ländern betrug der Anteil der Experten 51 Prozent, beim Bund sogar 70 Prozent. Die hohe Abweichung beim Bund dürfte daran liegen, dass dieser vergleichsweise wenige Gebäude betreibt und seinen absoluten Schwerpunkt bei Planung und Genehmigung von Verkehrswegen hat. Unabhängig von der Gebietskörperschaft wurden also vor allem Bauingenieure mit unterschiedlichen Spezialisierungen gesucht. Die größte Untergruppe machten Ingenieure für Straßen- und Asphaltbau aus. Beim Bund zielten gut 40 Prozent der Ausschreibungen auf diese Qualifikation ab. Bei den Kommunen stellten hingegen Führungskräfte für Bauplanung und -überwachung die am stärksten nachgefragte Qualifikation. In diese Gruppe sind auch die 124 Bauamtsleitungen gefallen, welche im Jahr 2025 ausgeschrieben wurden (Puls/Engler, 2026).
Spezialisten wurden in 33 Prozent der erfassten Stellenausschreibungen gesucht. Besonders gefragt waren sie bei den Ländern, bei denen 43 Prozent der Ausschreibungen auf dieses Qualifikationsniveau abzielte. In absoluten Zahlen suchten die Kommunen die meisten bautechnischen Spezialisten. Auch hier betrug der kommunale Anteil an den Ausschreibungen 71 Prozent. Die über alle Ebenen am meisten gesuchte Qualifikation waren Aufsichtskräfte für den Tiefbau, gefolgt von Vermessungstechnikern.
In den Ausschreibungen deutlich unterrepräsentiert waren hingegen Fachkräfte und Helfer. Sie machten nur acht beziehungsweise vier Prozent der gesuchten Qualifikationen aus. Bei den Fachkräften lag die meistgesuchte Spezialisierung im Straßen- und Asphaltbau gefolgt vom Kanal- und Tunnelbau. Auffällig ist dabei, dass Helfertätigkeiten eigentlich nur von den Kommunen ausgeschrieben wurden. Hier lag der kommunale Anteil bei gut 90 Prozent. Gesucht wurden zumeist nicht näher bestimmte Helfertätigkeiten im Hochbau.
Fazit
Bezogen auf bautechnische Berufe sucht der Öffentliche Dienst primär nach Ingenieuren und Technikern, aber nur selten nach Fachkräften für die eigentliche Umsetzung von Bauvorhaben. Die Auswertung der Stellenausschreibungen des Jahres 2025 zeigt deutlich, dass der Schwerpunkt aller Gebietskörperschaften auf Planung- und Genehmigungsverfahren liegt, bei denen fast ausschließlich die höheren Qualifikationsniveaus zum Einsatz kommen. Die eigentliche Umsetzung wird an private Bauunternehmen vergeben. In einem normalen Jahr vergibt die öffentliche Hand fast 100.000 Bauvorhaben mit einem Finanzvolumen in der Größenordnung von etwa 45 Milliarden Euro (Statistisches Bundesamt, 2026). Bedingt durch die Auflage des Sondervermögens werden diese Werte in den nächsten Jahren wohl spürbar steigen. Das wird aber nur dann möglich sein, wenn die Gebietskörperschaften in der Lage sind, die dafür nötigen Planungs-, Genehmigungs- und Vergabeverfahren abzuwickeln, wofür sie wiederum mehr Kapazitäten in den höher qualifizierten bautechnischen Berufen brauchen werden. Das wird ein massives Problem darstellen, denn bei den gesuchten Kräften handelt es sich fast ausschließlich um Mangelberufe, bei denen die Zahl der offenen Stellen die Zahl der Arbeitsuchenden teilweise massiv überschreitet. Die Stellenüberhänge genauer zu quantifizieren wird Inhalt einer späteren Analyse werden, aber auf Basis der Datenbank des Kompetenzzentrums Fachkräftemangel (KOFA.de) kann davon ausgegangen werden, dass bei den vom Öffentlichen Dienst meistgesuchten Experten und Spezialisten bis zu zehn offenen Stellen auf einen Arbeitsuchenden kommen. Das unterstreicht, das ein Personalaufbau zur Bewältigung der anrollenden Vergabewelle über den Arbeitsmarkt kaum möglich sein wird. Es wird eher bereits eine Herausforderung sein, die Abgänge in die Rente auszugleichen. Das gilt insbesondere, wenn man in Betracht zieht, dass man sich in Konkurrenz zur teilweisen deutlich besser bezahlenden Bauwirtschaft befindet (Puls/Engler, 2026).
Aus diesen Umständen kann eigentlich nur der Schluss gezogen werden, dass die Bauverwaltungen ohne eine deutliche Vereinfachung der Vorschriften und Prozesse kaum in der Lage sein werden, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Die Planungsbeschleunigungsgesetze des Bundes müssen konsequent vorangetrieben werden. Aber auch auf unterer Ebene lassen sich Verfahren vereinfachen. Als Positivbeispiel sei hier Nordrhein-Westfalen genannt, wo ein deutlich vereinfachtes Regelwerk zur Planung und Genehmigung von Stahlbau von gut 1.300 auf 159 Seiten reduziert wurde. Zudem muss die interkommunale Zusammenarbeit deutlich gestärkt werden, denn dadurch eröffnen sich Möglichkeiten zur Bündelung von Verfahren bei spezialisierten Einheiten, was eine Beschleunigung auslösen würde.
DOI: 10.67087/19.21302
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