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Weihnachtsgeschenke Wirtschaft und Ethik 10. Dezember 2015 Aus Freude am Erleben

Um den Mitmenschen Freude zu bereiten, gibt es erfolgversprechendere Wege als Dinge zu schenken. Die Glücksforschung zeigt: Der Konsum von Erlebnissen macht glücklicher als der von Produkten.

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Um den Mitmenschen Freude zu bereiten, gibt es erfolgversprechendere Wege als Dinge zu schenken. Die Glücksforschung zeigt: Der Konsum von Erlebnissen macht glücklicher als der von Produkten.

Viele Menschen tragen im Dezember prall gefüllte Einkaufstaschen durch überlaufene Fußgängerzonen. Andere füllen virtuelle Warenkörbe im Internet mit Produkten, die sie verschenken wollen. Rund 85 Milliarden Euro setzte der Einzelhandel in Deutschland im Jahr 2014 im Weihnachtsgeschäft um. Einige Branchen haben in der Vorweihnachtszeit Hochkonjunktur. Die Spielwarenindustrie machte laut Handelsverband Deutschland rund ein Drittel ihres Jahresumsatzes in den Monaten November und Dezember. Buchläden erwirtschaften rund ein Viertel ihrer jährlichen Einnahmen in den beiden Monaten. Am liebsten verschenken die Deutschen Gutscheine, gefolgt von Büchern, Kosmetik und Schmuck. Erst auf Platz fünf folgen Erlebnisse wie Konzert- und Theaterbesuche und auf Platz 10 – noch hinter Bargeld – Wellness. Erlebnisgeschenke sind im weihnachtlichen Geschenkezirkus somit noch die Ausnahme.

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Dabei wird Weihnachten mit Erlebnisgeschenken eher zu einem glücklichen Fest, zumindest ab einem gewissen materiellen Versorgungsgrad. Denn Erlebnisse steigern die Zufriedenheit nachhaltiger als weiterer Besitz. Dieser Befund wurde in zahlreichen Studien bestätigt. Am intensivsten untersuchten dieses Phänomen die amerikanischen Glücksforscher Leaf van Boven und Thomas Gilovich. Sie zeigten das erste Mal systematisch anhand von Experimenten, dass Erlebnisse wie Essen gehen, Konzertbesuche und Reisen die Probanden glücklicher machten als der Kauf von materiellen Produkten von vergleichbarem Wert. Im Durchschnitt gaben 57 Prozent der Probanden an, dass der Kauf eines Erlebnisses sie glücklicher gemacht hat als der Kauf eines Gutes. Das Gegenteil gaben nur 34 Prozent an: Sie wurden durch den Gebrauch eines Produktes glücklicher als durch ein Erlebnis. Besonders glücklich machten Erlebnisse, wenn die Befragten ein höheres Einkommen hatten (siehe Abbildung). Thomas Gilovich konnte zusammen mit seinem Doktoranden Travis Carter in jüngeren Studien diesen Befund bestätigen und darüber hinaus nachweisen, dass die Zufriedenheit mit materiellen Käufen nach einer gewissen Zeit sinkt, während das Glücksempfinden durch die Erinnerung an Erlebnisse sogar noch weiter steigt. Für diese Beobachtung gibt es verschiedene Erklärungen. Zum einen gewöhnen wir uns schnell an neuen Besitz, sodass er nach einer Weile selbstverständlich wird. Bei Erlebnissen hingegen ist der Spielraum für positive Interpretationen in der Erinnerung größer. Die Erinnerung wird im Laufe der Zeit besser, weil negative Aspekte nach und nach verdrängt werden. Darüber hinaus sind Erlebnisse identitätsstiftend und verbessern das Selbstbild. Wer sich ein Bild einer Person machen möchte, greift dazu eher auf Informationen über dessen Erlebnisse und Handlungen zurück als über die Besitztümer. Auch als Selbstinformation dienen Erlebnisse eher. Sie werden stärker mit der eigenen Persönlichkeit verknüpft als materielle Dinge.

Es lohnt sich also, Erlebnisse zu schenken: Anstelle einer DVD könnte ein gemeinsamer Kinoabend Freude bereiten. Verschenkte Küchenutensilien könnten beim gemeinsamen Kochen zum Einsatz kommen. Und wer trotzdem gerne Produkte verschenken möchte, verbindet sein Präsent vielleicht mit einer gemeinsamen Einkaufstour. Das Erlebnis steigert dann nicht nur die Freude des Beschenkten, sondern auch die des Schenkenden. Denn es gilt auch: Gute soziale Kontakte sind nachweislich der größte Glücksfaktor.

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