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Sonja Beer IW-Kurzbericht Nr. 8 8. Februar 2022 Ukraine-Krise: Belastete Handelsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Russlands. Obwohl die Handelsbeziehungen schon seit der Krim-Annexion und der gegenseitigen Sanktionen im Jahr 2014 beeinträchtigt sind, entfielen immer noch rund 7,4 Prozent des gesamten Außenhandels Russlands im Jahr 2020 auf den Warenhandel mit Deutschland.

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Belastete Handelsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland
Sonja Beer IW-Kurzbericht Nr. 8 8. Februar 2022

Ukraine-Krise: Belastete Handelsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland

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Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Russlands. Obwohl die Handelsbeziehungen schon seit der Krim-Annexion und der gegenseitigen Sanktionen im Jahr 2014 beeinträchtigt sind, entfielen immer noch rund 7,4 Prozent des gesamten Außenhandels Russlands im Jahr 2020 auf den Warenhandel mit Deutschland.

Nur mit China handelt Russland mehr. Aktuelle Spannungen und eine Verschärfung der gegenseitigen Sanktionen bergen das Risiko, die gegenseitigen Handelsbeziehungen noch mehr zu beinträchtigen. Das würde die russische Wirtschaft treffen, aber auch Deutschland ist aufgrund der Abhängigkeit von russischem Gas verwundbar.

Konfliktzuspitzung bedroht Handel

Seit der Krim-Annexion und dem Konflikt in der Ost-Ukraine im Jahr 2014 ist die Beziehung zwischen Russland und der Europäischen Union (EU) beeinträchtigt. Die Einführung der gegenseitigen Sanktionen belastet die Handelsbeziehungen. Die aktuell angespannte Lage an der russisch-ukrainischen Grenze könnte die wirtschaftliche Beziehung auf eine noch härtere Probe stellen. Die Befürchtung des Westens ist groß, dass es zu einer Invasion Russlands gegenüber der Ukraine kommen könnte, obwohl Russland solche Pläne dementiert. Im Fall eines Angriffs droht der Westen mit massiven Handelssanktionen gegen Russland. Dieses Szenario würde weitere negative Folgen für die ohnehin bereits gebeutelte Handelsbeziehung haben.

Sanktionen und Corona-Krise

Nach der Einführung der gegenseitigen Sanktionen im Jahr 2014 kam es zu einem Handelseinbruch im Warenhandel zwischen Russland und Deutschland. Das Handelsvolumen des russischen Warenhandels (Ausfuhr und Einfuhr) mit Deutschland reduzierte sich von rund 75 Milliarden US-Dollar im Jahr 2013 auf rund 42 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020. Der Warenhandel Russlands mit Deutschland machte 7,4 Prozent des gesamten Warenhandels Russlands aus. Der russische Handel mit der EU zeigt einen ähnlichen Trend. Im Jahr 2013 betrug das gesamte Warenhandelsvolumen zwischen der EU und Russland rund 393 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2020 waren es nur noch 192,3 Milliarden US-Dollar. Jedoch bleibt die EU mit einem Anteil am gesamten Handelsvolumen Russlands von rund 34 Prozent mit Abstand der größte Handelspartner Russlands.

Neben den Sanktionen trugen die sinkenden Ölpreise auch zu den fallenden Exportwerten Russlands in den letzten Jahren bei. Auch die Corona-Krise beeinträchtigte die russischen Exporte nach Deutschland und in die EU im Jahr 2020. Diese fielen um 9,2 (61,6) Milliarden US-Dollar geringer aus als im Jahr 2019. Die Anteile Deutschlands und der EU am gesamten Warenhandel Russlands lagen im Vor-Corona-Jahr 2019 etwas höher bei 7,9 und 39,2 Prozent, was aber trotzdem einer deutlichen Reduzierung im Vergleich zum Jahr 2013 entspricht. Die Erholung der russischen Wirtschaft nach dem Corona-Einbruch und die stark angestiegenen Energiepreise in den letzten zwölf Monaten werden dazu beitragen, dass die russischen Exportwerte wieder etwas höher ausfallen.

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Inhaltselement mit der ID 10487

Wichtigste Handelspartner Russlands

Wenn man die Export- und Importanteile der wichtigsten Handelspartner Russlands getrennt betrachtet, zeigt sich ein leicht unterschiedliches Bild (Abbildung). Von den gesamten Warenexporten Russlands entfielen 33,7 Prozent im Jahr 2020 auf die EU. Nach China exportierte Russland dagegen nur 14,7 Prozent. Neben China zählen die folgenden drei Länder zu den wichtigsten Exportpartnern Russlands: die Niederlande (mit einem Anteil von 7,5 Prozent), das Vereinigte Königreich (6,8 Prozent) und Deutschland (5,5 Prozent).

Wenn man die Zahlen vor der Krim-Annexion näher betrachtet, wird auch an der Anteilsveränderung deutlich, dass der Handel seit dem Jahr 2013 vor allem unter den Sanktionen stark gelitten hat. Für die russischen Expor-teure ist es dadurch deutlich schwieriger geworden, ihre Produkte in der EU abzusetzen. Der Anteil der EU an den gesamten Warenexporten Russlands lag damals bei knapp über 50 Prozent. Es kam also zu einer erheblichen Reduzierung von rund 17 Prozentpunkten. Ein Teil davon ist jedoch der Corona-Krise geschuldet. Im Jahr 2019 lag der Anteil der EU noch bei 41,8 Prozent, was gegenüber 2013 einem Anteilsrückgang von rund 9 Prozentpunkten entspricht. Der russische Exportanteil Deutschlands verringerte sich um 1,5 Prozentpunkte bis 2020 (0,4 Prozentpunkte bis 2019). Der Rückgang der russischen Exportanteile nach Europa wurde zu etwa der Hälfte durch den starken Anstieg der Exportanteile in China kompensiert. Der chinesische Anteil an den gesamten russischen Exporten stieg von 6,7 Prozent im Jahr 2013 um 8 Prozentpunkte auf 14,7 Prozent im Jahr 2020.

Auf der Importseite ist die EU der bei Weitem wichtigste Handelspartner Russlands. Ihr Anteil an den gesamten Warenimporten Russlands ging jedoch ebenfalls zurück – von 40 Prozent im Jahr 2013 auf rund 34 Prozent im Jahr 2020. Deutschland war im Jahr 2020 das zweitwichtigste Lieferland Russlands. Doch auch die Bedeutung von Deutschland verringerte sich etwas – von rund 12 Prozent im Jahr 2013 auf rund 10 Prozent im Jahr 2020. Demgegenüber konnte China seine Importanteile im gleichen Zeitraum auch auf der Importseite deutlich ausbauen. Der Importanteil Chinas an den gesamten Warenimporten Russlands lag 2020 bei 23,7 Prozent – ein Anstieg von rund 7 Prozentpunkten. Auch im Vergleich zum Jahr 2019 stiegen die Anteile Chinas (Importe und Exporte) im Corona-Jahr.

Diese Angaben zeigen, dass die Abhängigkeit des russischen Handels von der EU zwar immer noch hoch ist, sich aber im Zuge der Sanktionen deutlich verringert hat. China konnte zumindest teilweise in die Lücke treten. Das hat auch politische Implikationen. Denn im Fall weiterer Sanktionen des Westens ist eine noch stärkere Kooperation Russlands mit China (und der Eurasischen Wirtschaftsunion) zu erwarten.

Russlands Relevanz für Deutschland

Die russischen Exporte nach Deutschland im Jahr 2020 wurden von der Warengruppe Mineralische Brennstoffe, Mineralöle und Destillationsprodukte dominiert. Auf diese Warengruppe entfiel knapp die Hälfte aller russischen Exporte nach Deutschland. Gefolgt werden diese von den unspezifischen Rohstoffen (29,7 Prozent aller Exporte) sowie Perlen, Edelsteine, Metalle usw. (4,7 Prozent). Russland importierte vor allem Kernreaktoren, Kessel, Maschinen usw. (25,2 Prozent aller russischen Einführen), Fahrzeuge (12 Prozent) und Pharmazeutische Erzeugnisse (8,8 Prozent).

Aus Sicht Deutschlands zählt Russland nicht zu den wichtigsten Handelspartnern. So rangierte Russland im Jahr 2020 auf Platz 15 der wichtigsten Exportländer und auf Platz 14 der wichtigsten Importländer. Der Anteil Russlands am Außenhandelsumsatz insgesamt von Deutschland lag 2020 bei nur rund 2 Prozent.

Eine Abhängigkeit Deutschlands von Russland zeigt sich allerdings im Energiesektor. Russland ist der größte Energielieferant Deutschlands. 36 Prozent der gesamten Kohleimporte Deutschlands kamen im Jahr 2020 aus Russland; beim Rohöl lag der Importanteil Russ-lands bei rund 29 Prozent. Laut dem Statistic Review of World Energy von BP hat Deutschland im Jahr 2020 mehr als die Hälfte seiner Erdgasimporte aus Russland bezogen.

Deeskalation der Lage wäre wünschenswert

Weil Europa und auch Deutschland zu den wichtigsten Handelspartnern Russlands gehören und dies umgekehrt nicht der Fall ist, dürfte eine Verschärfung der Sanktionen die russische Wirtschaft relativ stärker treffen. Eine Handelsumlenkung in Richtung Asien wie schon in den letzten Jahren dürfte die negative Wirkung von Sanktionen kurzfristig etwas abmildern. Doch die hohe Abhängigkeit im Energiesektor macht die EU und vor allem Deutschland verwundbar. Russisches Erdgas lässt sich kurzfristig schwer ersetzen. Aufgrund des Atomausstiegs und des avisierten Ausstiegs aus der Kohleverstromung setzt Deutschland besonders auf Erdgas als Brückentechnologie zur Klimaneutralität.

Eine weitere Verschärfung der Lage könnte daher hierzulande zu einer Energieknappheit und zu noch höheren Energiepreisen führen. Dieses Szenario würde erhebliche negative wirtschaftliche Auswirkungen für Deutschland und die EU haben. Daher wäre eine Deeskalation der Lage wünschenswert, damit eine Sanktionsspirale verhindert werden kann.

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