1. Home
  2. Studien
  3. US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte: Wer gewinnt, wer verliert?
IW-Kurzbericht Nr. 50 5. August 2026 Samina Sultan US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte: Wer gewinnt, wer verliert?

Die US-Importe von Waren aus Stahl- und Aluminium sind, seit dafür hohe Zusatzzölle gelten, um 8,5 Prozent eingebrochen.

PDF herunterladen
IW-Kurzbericht 50/2026
IW-Kurzbericht Nr. 50 5. August 2026 Samina Sultan

US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte: Wer gewinnt, wer verliert?

Samina Sultan Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die US-Importe von Waren aus Stahl- und Aluminium sind, seit dafür hohe Zusatzzölle gelten, um 8,5 Prozent eingebrochen.

Die US-Importe aus Deutschland sind überproportional um 10,5 Prozent gesunken, was mit gewissen US-Marktanteilsverlusten einherging. Viele südostasiatische Länder konnten hingegen Anteile gewinnen, was auch an der Umleitung chinesischer Waren liegen könnte.

Vor gut einem Jahr haben sich die USA und die EU im sogenannten „Turnberry Deal“ auf eine grundsätzliche Zollobergrenze von 15 Prozent für US-Importe aus der EU geeinigt. Doch schon im August 2025 haben die USA eine Reihe weiterer Waren aus Stahl und Aluminium, sogenannte Derivate, auf die Liste gesetzt, die unter den 50-prozentigen Zusatzzoll fallen (Federal Register, 2025). Dieser basiert auf Section 232 des US Trade Expansion Act von 1962 mit der Begründung einer vermeintlichen Gefährdung der nationalen Sicherheit der USA (The White House, 2025). Für die EU stellt diese Ausweitung einen Verstoß gegen den Grundsatz des „Turnberry Deal“ dar. Deswegen hat sie mit ihrer Umsetzung des Deals im Juli 2026 gefordert, dass diese Zölle bis Ende 2026 zurückgenommen werden. Im April 2026 hat die US-Regierung einige Neuregelungen bei den Stahl- und Aluminiumzöllen auf Derivate vorgenommen (The White House, 2026a). So bemisst sich der Zoll nun am Gesamtwert des Produkts und nicht mehr am Metallwert. Gleichzeitig wurde der Zollsatz für einige Derivate abgesenkt. Substanziell hat das die Zollbelastung für deutsche und europäische Exporte in die USA jedoch nicht reduziert.

Obwohl die Anzahl der betroffenen Waren überschaubar ist, zeigt das Beharren der EU an dieser Stelle, dass sie diesen Waren eine hohe Relevanz beimisst. So verweist sie in ihrer Begründung explizit auf die schädliche Wirkung dieser Zölle auf kleine und mittlere Unternehmen in der EU und den möglichen Verlust von Marktanteilen in den USA.

US-Import stark rückläufig

Die zusätzlich von dem Zoll betroffenen Waren unterscheiden sich stark nach ihrem Gehalt an Stahl und Aluminium. Dieser Kurzbericht fokussiert auf jene Waren aus dem Kernbereich der Industrie, bei denen Stahl und Aluminium wichtige Bestandteile ausmachen und die Zolllast entsprechend signifikant ist (Sultan/Matthes, 2025). Dazu gehören einige weitere Waren aus Stahl und Aluminium sowie zahlreiche Waren aus weiterverarbeitenden Industrien wie dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Fahrzeugbau. Betrachtet werden dabei Waren auf der 10-Steller-Ebene der US-Importstatistik.

Seit die USA Importe der entsprechenden Waren aus dem Kernbereich der Industrie mit einem relevanten Metallanteil im August 2025 mit dem Zusatzzoll von 50 Prozent belegt haben, beläuft sich deren gesamter US-Importwert aus der Welt bis einschließlich Mai 2026 (der aktuelle Datenstand zum Zeitpunkt der Analyse) auf rund 133,8 Milliarden US-Dollar. Das entspricht knapp 4,7 Prozent aller US-Importe. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (August 2024 – Mai 2025) ist ein Rückgang des weltweiten US-Importwerts dieser Waren um 8,5 Prozent zu verzeichnen. Dieser dürfte auch auf die Zölle zurückgehen: zum Ersten, weil die Zollkosten überwiegend an die US-Käufer weitergegeben wurden (Hinz et al., 2025), dürfte die Nachfrage gelitten haben, zum Zweiten haben manche europäische Hersteller der betroffenen Waren ihren Export in die USA dem Vernehmen nach zumindest zeitweise eingestellt wegen Unsicherheiten über die Berechnung der Zolllast und möglicher Strafzahlungen bei Zuwiderhandlung. 

Inhaltselement mit der ID 15574
Inhaltselement mit der ID 15575

Thailand gewinnt, Deutschland verliert

Der Gesamtrückgang der US-Importe lässt sich auf die einzelnen US-Handelspartner herunterbrechen. Dabei entfällt mit minus 5,4 Prozentpunkten auf China der größte negative Beitrag des Gesamtrückgangs der US-Importe um 8,5 Prozent. Anteilig sind das fast zwei Drittel des Gesamteffekts. Auch Südkorea, Mexiko und Kanada haben jeweils rund einen Prozentpunkt zum Gesamtrückgang beigetragen. Deutschland liegt mit minus 0,8 Prozentpunkten auf Rang 5 der größten negativen Beiträge zum Gesamteffekt der US-Importe von Stahl- und Aluminiumderivaten.

In absoluten Beträgen sind die US-Importe der betroffenen Stahl- und Aluminiumderivate aus Deutschland um knapp 1,2 Milliarden US-Dollar seit Einführung der hohen Zölle gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken. Das entspricht einem relativen Rückgang um 10,5 Prozent im Vergleich der Zeiträume August 2025 bis Mai 2026 zu August 2024 bis Mai 2025. Damit ist der Rückgang der US-Importe aus Deutschland leicht überdurchschnittlich. Bei China gingen die US-Importe der betreffenden Waren dagegen mit fast 34 Prozent stark überproportional zurück, was einem Rückgang von rund 7,9 Milliarden US-Dollar entspricht.

Andererseits gibt es aber auch Länder, aus denen die USA mehr von den betroffenen Waren importieren. Der mit Abstand größte positive Wachstumsbeitrag entfällt dabei auf Thailand mit rund einem Prozentpunkt. In absoluten Zahlen sind dies rund 1,4 Milliarden US-Dollar (+31 Prozent), was in etwa der Größenordnung des Rückgangs für Deutschland entspricht. Auf Vietnam entfallen 0,3 Prozentpunkte und auf Malaysia, Indonesien und Kambodscha jeweils rund 0,2 Prozentpunkte.

Anteilsverluste für EU-Mitgliedstaaten

Durch die unterschiedlichen Entwicklungen bei den US-Importen aus den einzelnen Ländern verschieben sich auch die jeweiligen Anteile am Gesamtimport der USA bei den betroffenen Stahl- und Aluminiumderivaten. So konnte Thailand infolge der US-Importsteigerung mit 1,3 Prozentpunkten den größten anteiligen Zuwachs an den US-Gesamtimporten zwischen August 2025 und Mai 2026 im Vorjahresvergleich verzeichnen (siehe Abbildung). Damit kommt das Land nun auf einen Anteil von 4,4 Prozent aller US-Importe bei diesen Waren. Mexiko konnte seinen schon hohen Anteil auf 24,3 Prozent ebenfalls um einen Prozentpunkt weiter steigern. Gemessen am Anteilsgewinn gehören noch Vietnam, Japan und Indien zu den Top-5. Vier der fünf Gewinner liegen somit in Asien.
Die große Ausnahme bildet dabei vor allem China. Chinas Anteil schrumpft um 4,4 Prozentpunkte auf 11,6 Prozent. Das ist mit Abstand der größte Rückgang. Südkorea muss den zweitgrößten Anteilsrückgang mit minus 0,8 Prozentpunkten auf 4,7 Prozent verzeichnen. Nach Kanada mit 0,3 Prozentpunkten folgt Deutschland auf Platz 4 der größten Verlierer mit einem Anteilsrückgang um 0,2 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent. Weitet man den Blick auf die zehn größten Anteilsverlierer, dann sind sechs davon Mitgliedstaaten der EU.

Zollbelastung und Umleitungsverdacht

Betrachtet man die effektiven US-Zollsätze (Verhältnis von tatsächlich gezahlten Zöllen zu Importen) für die betroffenen Stahl- und Aluminiumderivate aus dem Kernbereich der Industrie, so sticht – wenig überraschend – der vergleichsweise hohe Satz für chinesische Waren hervor. Für den Zeitraum August 2025 bis Mai 2026 liegt dieser durchschnittlich bei knapp 48 Prozent. Im Vergleich zu Deutschland mit 21 Prozent und der EU mit 20,5 Prozent fällt bei chinesischen Waren der Zollaufschlag somit nochmal deutlich höher aus und erklärt den starken Rückgang von US-Importen betroffener chinesischer Waren.

Auf den ersten Blick erscheint es umgekehrt überraschend, dass angesichts des Anstiegs der US-Importe aus Thailand oder Vietnam mit 23 Prozent und 21 Prozent diese Länder einen ähnlich hohen effektiven US-Zollsatz haben wie Deutschland. Hier liegt die Vermutung nahe, dass ein Teil des starken Zugewinns für diese Länder auf die Umleitung chinesischer Waren zurückzuführen ist. Durch dieses „Transshipment“ ließe sich für chinesische Hersteller bei Exporten in die USA zumindest der China-spezifische Zollaufschlag vermeiden. Damit dürfte der tatsächliche Importrückgang von chinesischen Waren in die USA geringer sein, als die bilateralen Handelsdaten vermuten lassen.

Umso wichtiger sind die erneuten Zolländerungen, welche die US-Regierung im Juni 2026 für Stahl- und Aluminiumderivate umgesetzt hat (The White House, 2026b). So gilt für einige Agrartechnikprodukte sowie Heizungs- und Klimaanlagen (HVAC-Systeme) nun weltweit ein US-Zollsatz von 15 Prozent. Zudem hat die EU bei einigen mobilen Industriegütern, wie Gabelstaplern, mit einem US-Zollsatz von 15 Prozent gegenüber Staaten, die keinen Handelsdeal mit den USA haben, einen Zollvorteil. So ist China explizit von dieser Regelung ausgenommen und muss weiterhin einen US-Zollsatz von 25 Prozent zahlen. Diese jüngsten Regelungen verschaffen der EU und Deutschland bei den US-Zöllen auf Stahl- und Aluminiumderivate einen gewissen Zollvorteil. Somit scheint sich der Druck der EU auf die USA, die Zusatzzölle auf die Derivate zurückzunehmen, zu einem bestimmten Grad auszuzahlen. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass die USA bei diesen Waren immer noch erheblich auf Importe angewiesen sind.

DOI: 10.67087/19.21434

PDF herunterladen
IW-Kurzbericht 50/2026
IW-Kurzbericht Nr. 50 5. August 2026 Samina Sultan

US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte: Wer gewinnt, wer verliert?

Samina Sultan Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Migrationswende: Mehrere Entwicklungen spielen zusammen
IW-Kurzbericht Nr. 49 28. Juli 2026 Wido Geis-Thöne

Migrationswende: Mehrere Entwicklungen spielen zusammen

In den letzten Jahren kommen vorwiegend aufgrund der veränderten Lage in Syrien immer weniger Geflüchtete nach Deutschland.

Wido Geis-Thöne IW

Artikel lesen
IW-Kurzbericht Nr. 48 23. Juli 2026 Wido Geis-Thöne / Samina Sultan

Bedeutung von Hochschulpartnerschaften mit dem globalen Süden

Von internationalen Hochschulkooperationen profitiert Deutschland nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht.

Wido Geis-Thöne / Samina Sultan IW

Inhaltselement mit der ID 8880