Die Politik der aktuellen US-Regierung hat deutliche Auswirkungen auf die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen.
Ein Jahr Trump 2.0: Bittere Bilanz
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die Politik der aktuellen US-Regierung hat deutliche Auswirkungen auf die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen.
So sind die deutschen Direktinvestitionsflüsse in die USA seit dem Amtsantritt von Trump um rund 24 Prozent gesunken und die deutschen US-Exporte um fast 9 Prozent eingebrochen. Das schafft Verluste auf beiden Seiten.
Epochenumbruch, Zäsur, Zeitenwende 2.0: Diese Begrifflichkeiten werden oftmals bemüht, um die Umwälzungen seit der Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2025 zum US-Präsidenten zu beschreiben. In der Tat war das erste Jahr seiner zweiten Präsidentschaft geprägt von denkwürdigen Androhungen, überraschenden Volten und sprichwörtlichen Grenzüberschreitungen.
Dieses Agieren hat weitreichende Konsequenzen für das Land selbst, etwa mit Blick auf das Justizwesen, die Migrationspolitik oder das Bildungs- und Forschungswesen. Ganz maßgeblich manifestiert es sich in der Wirtschafts- und Handelspolitik. Das „America first“- Prinzip zieht einen beispiellosen Protektionismus nach sich, der die Welthandelsordnung auf den Kopf stellt. Denn auch wenn die am sogenannten „liberation day“ angedrohten Zölle letztlich nicht in voller Härte gekommen sind, so liegt der durchschnittliche effektive Importzollsatz der USA mit 14,4 Prozent auf einem historisch hohen Niveau (Yale Budget lab, 2025). Schlimmer noch, brechen die USA mit ihrer Handelspolitik die von ihnen selbst mit etablierten Prinzipien und tragen so zur Erosion der regelbasierten Weltordnung bei.
Durch die politische Einigung zwischen der EU und den USA im letzten Sommer auf den „Turnberry-Deal“ hatte man auf etwas mehr Stabilität gehofft. Aber auch mit der Einigung bleiben Unsicherheiten bestehen, wenn man etwa an die fortwährende Ausdehnung der Produkte denkt, die mit Zusatzzöllen belegt werden oder bei denen dies angedroht wird – wegen der angeblichen Gefährdung der nationalen Sicherheit. Die jüngsten Drohungen Trumps mit Zusatzzöllen für einige EU-Mitgliedstaaten wegen der Entsendung von Truppen nach Grönland unterstreicht, wie unberechenbar die Situation bleibt.
Schlimmer noch als die Zölle selbst ist somit für viele Unternehmen die Unsicherheit, die mit der neuen US-Handels- und Wirtschaftspolitik einhergeht. Das hat auch spürbare Auswirkungen auf die engen und gewichtigen deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen, etwa bei den Direktinvestitionen und im Handel.
Direktinvestitionen ausgebremst
Viele deutsche Unternehmen sind seit langem in den Vereinigten Staaten präsent, investieren dort und schaffen Arbeitsplätze. Doch die große wirtschaftspolitische Unsicherheit infolge des oftmals erratischen Agierens der US-Administration hemmt unternehmerische Entscheidungen. Wer etwa eine Investition plant, kalkuliert meist über mehrere Jahre. Wenn aber die Grundannahmen des wirtschaftlichen Umfelds teils von heute auf morgen fundamental infrage gestellt werden, wagen die wenigsten Unternehmen solch weitereichende Entscheidungen, sondern warten zunächst ab.
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Genau das legen auch die Zahlen der Deutschen Bundesbank zu den deutschen Direktionsinvestitionsflüssen in die USA nahe. Betrachtet man den Zeitraum seit dem Amtsantritt von Trump von Februar 2025 bis November 2025, der aktuellste verfügbare Monatswert, so haben deutsche Unternehmen insgesamt rund 10,2 Milliarden Euro in den USA investiert. Im Vorjahreszeitraum waren es noch fast 19 Milliarden Euro. Die deutschen Direktinvestitionsflüsse in die USA sind demnach also seit dem Amtsantritt von Trump im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 45 Prozent gesunken.
Weil Direktinvestitionsflüsse als Stromgröße, anders als Bestandsgrößen, oftmals stärker schwanken, ist ein Vergleich des Werts für den Zeitraum Februar bis November 2025 mit dem durchschnittlichen Wert an Direktinvestitionsflüssen im Vergleichszeitraum für die Jahre 2015 bis 2024 robuster. Dieser beläuft sich auf rund 13,4 Milliarden Euro. Auch hiervon weicht der Wert seit Trumps Amtsantritt aber um mehr als 24 Prozent nach unten ab.
Zwar müssen die neuesten Zahlen mit Vorsicht interpretiert werden, denn die Monatswerte der Direktinvestitionsflüsse schwanken stark und immer wieder kommt es zu nachträglichen Korrekturen und Sondereffekten. In der Tendenz deutet sich dennoch an, dass deutsche Unternehmen ihre Investitionen in den USA derzeit zurückhalten. Wer sich dazu entschließt, große Summen zu investieren, braucht Verlässlichkeit und Planbarkeit. Beides ist im Moment in den USA nicht gegeben. Somit scheint diese Politik, zumindest in ihrem ersten Jahr, auch dem erklärten Ziel der US-Regierung zuwiderzulaufen, die industrielle Basis in den Vereinigten Staaten, auch durch Investitionen ausländischer Unternehmen, wieder aufzubauen. Dieses Kalkül scheint bisher mit Blick auf Investitionen aus Deutschland nicht aufzugehen. Das deckt sich mit den Ergebnissen einer Sonderauswertung des AHK World Business Outlook vom Sommer 2025 (DIHK, 2025).
Dies ist derzeit nur eine Momentaufnahme für das erste Jahr der neuen US-Regierung, das von außergewöhnlicher Unsicherheit geprägt war. Die USA sind in vielfältiger Hinsicht ein durchaus attraktiver Markt. Es bleibt somit gut möglich, dass sich die Lage mit Blick auf die Investitionsneigung wieder ändert. Jüngste Umfragen zur Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen in den USA deuten dies zumindest an (Fröndhoff / Meyer, 3 2026). Jedoch sind dies erstmal nur Absichtserklärungen, die sich derzeit noch nicht in den Daten manifestieren. Die neuesten Zollandrohungen Trumps in Richtung einiger EU-Länder, unter anderem Deutschland, dürften in der Hinsicht nicht förderlich sein.
Zäsur im Handel
Am unmittelbarsten ist die deutsche Wirtschaft von der erratischen US-Zollpolitik betroffen. Entsprechend stark gehen die deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten seit dem Amtsantritt von Trump zurück. So sind diese zwischen Februar 2025 und Oktober 2025 (der aktuellste verfügbare Monatswert) im Vergleich zum Vorjahr um rund 8,6 Prozent zurückgegangen (siehe Abbildung). Das ist der stärkste Rückgang seit 2010 mit Ausnahme des Zeitraums der Coronapandemie. Der vergleichbar starke Rückgang im Jahr 2016 erklärt sich durch starke Wechselkurseffekte: Hatte der Euro 2015 infolge der extrem expansiven EZB-Geldpolitik noch stark gegenüber dem US-Dollar abgewertet, stabilisierte er sich 2016 wieder. Das wirkte sich ebenso dämpfend auf die deutschen Exporte in die USA im Jahr 2016 aus wie auch die wirtschaftliche Unsicherheit infolge des harten Wahlkampfs zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Der starke Rückgang 2025 bei den deutschen Exporten in die USA erklärt sich ebenfalls nicht allein durch die US-Zölle, sondern dürfte auch eine Folge der Dollarabwertung sein. Diese wiederum ist auch eine Folge des schwindenden Vertrauens in die Stabilität der USA.
In einzelnen Branchen sind die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten noch einmal erheblich stärker eingebrochen (siehe dazu auch Sultan, 2025). So sind etwa die Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen in die USA zwischen Februar und Oktober 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 19 Prozent gesunken, beim Maschinenbau sind es 10 Prozent und bei den chemischen Erzeugnissen haben die Exporte in die USA um mehr als 10 Prozent abgenommen.
Die Zollpolitik hat aber auch negative Konsequenzen für die USA selbst, gerade weil der transatlantische Wirtschaftsraum so eng verflochten ist und die USA auch abhängig sind von den Importen aus der EU (Sultan/Matthes, 2025). Denn durch die Importzölle werden viele Produkte und Vorprodukte teurer. Das trägt dazu bei, dass die Inflation im Land weit über dem angestrebten Ziel von 2 Prozent verharrt. Das hat eine breite Debatte um die Bezahlbarkeit entfacht, welche die Gouverneurswahlen in einigen Bundesstaaten letztes Jahr entscheidend geprägt hat und wahrscheinlich auch die Midterm-Wahlen dieses Jahr mitbestimmen wird.
Fazit
Viele der Auswirkungen von Trump 2.0 werden sich erst in der längeren Frist zeigen. Das betrifft etwa die Produktivität der USA, ihre „soft power“, aber auch die Stabilität der Institutionen und ihres Bündnissystems. Mit Blick auf das erste Jahr und die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen zeigen die aktuell verfügbaren Daten zu deutschen Direktinvestitionen und deutschen Exporten in die USA deutlich die Spuren des Wirtschaftskurses unter Trump 2.0. Das schadet der deutschen Wirtschaft, hat aber auch erkennbar negative Auswirkungen auf die USA selbst. Unterm Strich muss man somit sagen: Die bisherige Bilanz von Trump 2.0 ist für beide Seiten des Atlantiks bitter.
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