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IW-Kurzbericht Nr. 25 26. März 2026 Markus Demary Schaffen Wero und der digitale Euro mehr Wettbewerb im Zahlungssystem?

Grenzüberschreitende Kartenzahlungen waren in der EU bisher nicht über EU-Dienstleister möglich. Wero und der digitale Euro sollen für mehr europäische Souveränität im Zahlungsverkehr sorgen. Problematisch ist, dass der digitale Euro Wero Konkurrenz macht.

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IW-Kurzbericht 25/2026
IW-Kurzbericht Nr. 25 26. März 2026 Markus Demary

Schaffen Wero und der digitale Euro mehr Wettbewerb im Zahlungssystem?

Markus Demary Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Grenzüberschreitende Kartenzahlungen waren in der EU bisher nicht über EU-Dienstleister möglich. Wero und der digitale Euro sollen für mehr europäische Souveränität im Zahlungsverkehr sorgen. Problematisch ist, dass der digitale Euro Wero Konkurrenz macht.

Auch wenn das mobile Bezahlen für die Kunden schnell und einfach ist, so sind an diesen Transaktionen mehrere Unternehmen beteiligt (Stripe, 2023):

  • Der Verkäufer benötigt ein Kartenlesegerät, ein sogenanntes Point-of-Sale (PoS) Terminal. Dieses leitet die Informationen des Käufers, dem sogenannten Karteninhaber, an einen Zahlungsabwickler (Payment Service Provider, PSP) weiter. Bei Online-Käufen tritt an die Stelle des PoS-Terminals ein Digital Wallet wie PayPal oder Amazon Pay.
  • Der Kartenaussteller ist die Bank des Käufers und Karteninhabers. Er bucht den Geldbetrag vom Konto des Käufers ab. Der Acquirer ist die Bank des Verkäufers. Er schreibt den Geldbetrag auf dem Konto des Verkäufers gut.
  • Der Zahlungsabwickler verarbeitet die für das Bezahlen notwendigen Daten. Dazu holt er die Genehmigung zur Abbuchung des Geldbetrags beim Kartenaussteller ein und stellt sicher, dass das Geld an den Acquirer überwiesen wird. Bekanntere euro-päische Zahlungsabwickler sind das italienische Unternehmen Nexi oder das niederländische Unternehmen Adyen.
  • Der Acquirer und der Kartenaussteller werden durch ein Kartennetzwerk verbunden. Diese Aufgabe können nationale Systeme wie die deutsche Girocard oder das italienische Bancomat sein, aber auch internationale Kartennetzwerke wie Visa und Mastercard.

Wettbewerb im Zahlungsverkehr

Für grenzüberschreitende Zahlungen müssen die nationalen Netzwerke interoperabel sein. In der Regel muss auf internationale Kartennetzwerke wie Visa und Mastercard zurückgegriffen werden. Ihnen kommt deshalb im internationalen Zahlungsverkehr eine besondere Stellung zu. Denn sie verfügen über die Informationen und Standards zur Abwicklung grenzüberschreitender Transaktionen.

Dass der Wettbewerb in diesem Bereich sehr hart ist, zeigt sich auch daran, dass europäische Länder wie Spanien, Malta und Slowenien, die in der Vergangenheit mehrere nationale Kartennetzwerke hatten, diese aber auf jeweils ein nationales Netzwerk reduziert haben. Neun EU-Länder verfügen noch über ein nationales System, die übrigen Länder sind auch bei inländischen Kartenzahlungen auf Visa und Mastercard angewiesen (Abbildung). Die Fragmentierung der Systeme und die Abhängigkeit von nicht-europäischen Dienstleistern wird in der EU kritisch gesehen (Europäisches Parlament, 2025).

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Die Marktkonzentration ist auf Netzwerkeffekte zurückzuführen. Diese liegen vor, da jeder zusätzliche Karteninhaber und jeder zusätzliche Händler den Wert des Kartennetzwerks steigert. Zwar haben die Netzwerkbetreiber hohe Fixkosten für den Aufbau der Netzwerk-infrastruktur und der Technologie, doch geringe Grenzkosten für jede zusätzliche Transaktion.

Nutzer präferieren das Netzwerk, das von den meisten anderen Nutzern verwendet wird. Beispielsweise kann man fast überall mit Visa oder Mastercard bezahlen. Dies erschwert den Markteintritt für neue Bewerber, denn sie verfügen über kleinere Netzwerke. Zusätzlich können sich neue Bewerber nicht durch Produktdifferenzierung im Wettbewerb etablieren, da hier vor allem Standards für die elektronische Kommunikation entscheidend sind.

Der Markteintritt für neue Bewerber im Bereich der Zahlungsabwickler ist leichter, da eine Produktdifferenzierung durch verbundene Dienstleistungen, zum Beispiel Ratenkauf, möglich ist.

Wero tritt in den Wettbewerb ein

Wero ist ein Zahlungssystem der European Payments Initiative (EPI), einem Zusammenschluss von europäischen Banken, Sparkassen und Finanzdienstleistern. Bei Wero handelt es sich um ein auf der Echtzeitüberweisung (SEPA Instant Payment, Single European Payment Area) basierendes Zahlungssystem (Engel/Rödder, 2024). Dieses nutzt wie auch bei SEPA-Überweisungen und SEPA-Lastschriften den Standard der International Bank Account Number (IBAN). Wero kann über diesen Standard mit Bankkonten verknüpft werden und benötigt deshalb nicht die Visa- oder Mastercard-Netzwerke (European Business Magazine, 2026).

Wero tritt damit in den Wettbewerb mit den internationalen Kartennetzwerken ein, muss aber noch ein großes Kundennetzwerk aufbauen: So wurde Nexi im Jahr 2025 zum Wero-Acquirer (Nexi, 2025). Dies trägt dazu bei, dass der stationäre Handel an Wero angeschlossen wird, was für die Verbreitung von Wero förderlich ist. Für die europäische Souveränität ist es wichtig, dass Wero sich am Markt etablieren kann.

Welche Rolle nimmt der digitale Euro ein?

Der digitale Euro soll ab 2029 grenzüberschreitende Zahlungen im Euroraum vereinfachen und unabhängiger machen. Zahlungen werden nicht über Kartennetzwerke, sondern über eine Plattform des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) abgewickelt (Bundesbank, 2026).

Der digitale Euro ist in einer Offline-Version und einer Online-Version vorgesehen (Bundesbank, 2026). In der Offline-Version kann Zentralbankgeld auf einem Smartphone gespeichert und anschließend abgerufen werden. Die Online-Version erfolgt hingegen über ein Kontensystem (Bundesbank, 2026).

Während die Offline-Version eine Form des digitalen Bargelds darstellt, ist die Online-Version ein Substitut zu Bankguthaben. Letztere rechtfertigt sich aber nur, wenn ein Marktversagen private Lösungen für grenzüberschreitende Zahlungen verhindert.

Die Online-Version des digitalen Euro ist kritisch zu sehen, da sie eine unfaire Konkurrenz zu Wero darstellt. Denn für den digitalen Euro ist ein gesetzlicher Annahmezwang geplant (Bundesbank, 2026). Wero muss sich hingegen am Markt behaupten.

Der digitale Euro darf privatwirtschaftliche Systeme nicht schwächen

Der EU-Abgeordnete Fernando Navarrete Rojas adressiert dieses Problem in seinem Bericht an das Europäische Parlament mit einem sinnvollen Vorschlag (Europäisches Parlament, 2025): Demnach soll der digitale Euro stufenweise eingeführt werden. Auf der ersten Stufe soll nur die Offline-Version verbreitet werden. Die Online-Version soll hingegen nur dann folgen, wenn sich keine europäischen Lösungen aus der Privatwirtschaft etablieren können.

Der Vorteil dieses Ansatzes ist, dass die erste Stufe Wero erlaubt, sich am Markt durchzusetzen. Sollte dies nicht gelingen, so kann die Online-Version des digitalen Euro die mögliche Lücke dann füllen.

Navarrete Rojas Ansatz ist sinnvoll und sollte in der Diskussion um die Ausgestaltung des digitalen Euro stärkere Beachtung finden. Denn dieser Ansatz erlaubt es, dass Souveränität und Innovation im Zahlungsverkehr durch privatwirtschaftliche Lösungen erfolgen können und nicht durch staatliche Interventionen behindert werden.
 

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Markus Demary Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

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