Mit dem Transformationskompass 2025 legt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der Grünen die zweite umfassende Analyse vor, die systematisch die vielschichtigen Transformationsprozesse der deutschen Wirtschaft in einem von Dekarbonisierung, Digitalisierung, demografischem Wandel und geopolitischen Disruptionen geprägten Umfeld messbar macht.
Transformationskompass 2025: Herausforderungen und Chancen für Unternehmen in Deutschland
Gutachten im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der Grünen e. V.
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Mit dem Transformationskompass 2025 legt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der Grünen die zweite umfassende Analyse vor, die systematisch die vielschichtigen Transformationsprozesse der deutschen Wirtschaft in einem von Dekarbonisierung, Digitalisierung, demografischem Wandel und geopolitischen Disruptionen geprägten Umfeld messbar macht.
Dabei geht der Kompass über die Fortschritte der klimaneutralen Transformation hinaus und bietet mit einer Kombination aus makroökonomischen Indikatoren und einem repräsentativen Stimmungsbild aus der Unternehmenspraxis Orientierung für die Gestaltung eines nachhaltigen und resilienten Wirtschaftswandels.
Transformationsindikatoren – Dekarbonisierung unter erschwerten Bedingungen
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase der Stagnation. Die Industrieproduktion hat bislang nicht wieder das Niveau vor den Krisen der letzten Jahre erreicht. Insbesondere in energieintensiven Branchen ist das Produktionsniveau sogar spürbar gesunken. In vielen Bereichen hat die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland im vergangenen Jahrzehnt nachgelassen: Beispielsweise sind in der Verkehrsinfrastruktur, der digitalen Infrastruktur und bei der Steuerbelastung andere Länder an Deutschland vorbeigezogen. Dies verdeutlicht auch die Analyse der Transformationsindikatoren in den vier Disruptionen.
Mit der Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine und der wachsenden geopolitischen Unsicherheit haben in den vergangenen Jahren zwei externe Schocks die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich beeinflusst – und zugleich die Wahrnehmung vieler Unternehmen geprägt. Beide Faktoren verstärken die unternehmerischen Planungsrisiken erheblich und führen in vielen Fällen zu Investitionszurückhaltung. Die Folgen sind auch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene sichtbar: Laut der Transformationspfade-Studie von BDI, BCG und IW (2024) ist rund ein Fünftel der deutschen Industrieproduktion gefährdet – einerseits durch den Rückgang der energieintensiven Grundstoffproduktion infolge hoher Energiekosten, andererseits durch sinkende Absatzchancen auf internationalen Märkten für weiterverarbeitende Produkte.
Unternehmensbefragung – Das Stimmungsbild der deutschen Wirtschaft 2025
Die Krisen der vergangenen Jahre haben den Blick der deutschen Wirtschaft auf die Auswirkungen der Transformation zur Klimaneutralität eingetrübt. Eine repräsentative Befragung von über 1.000 deutschen Indus-trieunternehmen im Rahmen des IW-Zukunftspanels zeigt: Chancen durch die Transformation werden seltener gesehen, Risiken dagegen stärker wahrgenommen. 56 Prozent der Unternehmen halten ihr Geschäftsmodell für gefährdet, nur 41 Prozent trauen sich eine erfolgreiche Anpassung zu. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen betrachtet eine unklare Kosten-Nutzen-Relation von Investitionen in klimafreundliche Technologien als das größte Hemmnis für mehr Klimaschutz. Zudem bemängeln 45 Prozent unzureichende politische Rahmenbedingungen und 38 Prozent eine ungeklärte rechtliche Situation, die Investitionsentscheidungen erschweren.
Gleichzeitig zeigen sich auch positive Entwicklungen: Der Anteil der Unternehmen, die ein zu geringes Angebot an erneuerbaren Energien oder fehlende klimafreundliche Technologien als wesentliches Hemmnis sehen, ist in den letzten zwei Jahren von einem Drittel auf ein Fünftel gesunken. Auch die Akzeptanz innovativer grüner Produkte durch Kunden wird deutlich positiver bewertet als noch vor zwei Jahren. Die in der zurückliegenden Legislatur verabschiedeten Maßnahmen zum Ausbau erneuerbarer Energien oder der Planung des Wasserstoffkernnetzes haben somit in der Wirtschaft Wirkung gezeigt. Diese Entwicklungen legen die Basis für künftige Investitionen in klimafreundliche Produktionsprozesse, kommen angesichts der insgesamt verschlechterten Wettbewerbsbedingungen allerdings erst nach und nach zum Tragen.
Der Blick auf die von Unternehmen umgesetzten Maßnahmen im Klima- und Umweltschutz legt nahe, dass Klimaschutz auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ein fester Bestandteil unternehmerischer Praxis bleibt. Die Aktivitäten in Bereichen wie Ressourceneffizienz, erneuerbare Energien und nachhaltige Mobilität werden überwiegend auf dem Niveau von 2023 gehalten – ein Rückgang ist nicht zu beobachten. Das verdeutlicht, dass Klimaschutzmaßnahmen von Unternehmen langfristig verfolgt werden und mittlerweile strukturell im betrieblichen Handeln verankert sind.
Das Stimmungsbild der Unternehmen zeigt insgesamt ein differenziertes Bild: Viele setzen weiterhin auf Klimaschutzmaßnahmen, sehen jedoch Risiken für Standort und Unternehmen. Die Skepsis richtet sich weniger gegen klimapolitische Ziele als gegen fehlende Planungssicherheit und wirtschaftliche Risiken. Zum Befragungszeitpunkt im Januar 2025 – kurz vor der Bundestagswahl – war diese Zurückhaltung auch als Signal an die Politik zu verstehen: für klarere Rahmenbedingungen, mehr Verlässlichkeit und stärkere Unterstützung im internationalen Wettbewerb.
Ausblick
Ein Rückzug aus dem klimapolitisch eingeschlagenen Weg ist kein tragfähiges Szenario. Angesichts der angespannten konjunkturellen Lage, hoher Energiekosten und schrumpfender Märkte für bisherige deutsche Kerntechnologien gilt es frühzeitig an der Entwicklung von Zukunftsmärkten zu partizipieren, um unternehmerische Chancen aktiv zu nutzen. Entscheidend hierfür ist ein verlässlicher politischer Rahmen, der Investitionen erleichtert, Transformation planbar macht und die Standortattraktivität stärkt.
Zeit spielt hierbei eine zentrale Rolle: Verzögerungen im Transformationsprozess führen nicht nur zu zusätzlichen, vermeidbaren Umweltkosten, sondern erhöhen auch den Anpassungsdruck auf Unternehmen, und sie mindern zugleich die Chancen, sich in neuen globalen Wachstumsmärkten erfolgreich zu positionieren. Der IW-Transformationskompass versteht sich in diesem Kontext als punktuelles Monitoringinstrument – eingebettet in einen langfristigen Veränderungsprozess, der kontinuierliche politische Justierung und unternehmerische Orientierung gleichermaßen erfordert.
Das zum Zeitpunkt der Unternehmensbefragung im Januar 2025 noch nicht angekündigte Investitionspaket setzt nun positive Signale. Durch die Zusammenarbeit aller demokratischen Parteien eröffnet es neue Handlungsspielräume, um viele der zuvor bereits konzeptionell erarbeiteten Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise, zur Verbesserung der Investitionsanreize und zur Modernisierung der Infrastruktur endlich umzusetzen. Für eine erfolgreiche Transformation sind verlässliche und stabile politische Vorgaben daher unerlässlich, die Planungssicherheit gewährleisten und den Fokus weg von Zieldebatten hin zur konsequenten Umsetzung lenken.
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Gutachten im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung der Grünen e. V.
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
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