IT-Fachkräfte sind essenziell für die Digitalisierung, die digitale Transformation sowie die Umsetzung innovativer Projekte. Doch seitdem die deutsche Wirtschaft ihren Schwung verloren hat, sinkt gesamtwirtschaftlich die Nachfrage nach IT-Personal rasant – insbesondere nach hochqualifizierten Experten. Dies gilt allerdings nicht für alle Branchen: In der „Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung“ ist die Zahl der offenen Stellen zuletzt gegen den Trend angestiegen.
Deutlicher Stellenrückgang in IT-Berufen – besonders für hochqualifizierte Experten
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
IT-Fachkräfte sind essenziell für die Digitalisierung, die digitale Transformation sowie die Umsetzung innovativer Projekte. Doch seitdem die deutsche Wirtschaft ihren Schwung verloren hat, sinkt gesamtwirtschaftlich die Nachfrage nach IT-Personal rasant – insbesondere nach hochqualifizierten Experten. Dies gilt allerdings nicht für alle Branchen: In der „Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung“ ist die Zahl der offenen Stellen zuletzt gegen den Trend angestiegen.
Bundesweit sank die Zahl offener Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte zwischen 2023 und 2024 um 4,3 Prozent. Deutlich stärker fiel der Rückgang in den 37 IT-Berufen aus. Die durchschnittliche Zahl offener Stellen in IT-Berufen hat sich 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 26,2 Prozent reduziert. In absoluten Zahlen gingen die offenen Stellen um 16.500 auf 46.431 zurück. Dieser Rückgang ist das Resultat einer schwachen konjunkturellen Entwicklung sowie wachsender Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung und der damit verbundenen Einsparungen der Unternehmen, die viele Investitionsprojekte zurückstellen: Insgesamt sank das Investitionsbudget der Unternehmen, da weniger finanzielle Mittel für die Umsetzung innovativer Projekte eingesetzt wurden (Grömling, 2024). Dies wirkt sich auch auf die Nachfrage nach Personal aus, welches für die Planung und Umsetzung dieser Projekte benötigt wird. Auch in anderen Bereichen lässt sich dieses Phänomen beobachten, jedoch ist der Rückgang in IT-Berufen überdurchschnittlich groß.
Insbesondere die Nachfrage nach Experten mit Hochschulabschluss sinkt
Am stärksten betroffen ist der Stellenrückgang für IT-Experten, die in der Regel einen Masterabschluss oder ein Diplom haben. Zwischen 2023 und 2024 reduzierte sich die Zahl offener Stellen von durchschnittlich 40.369 auf nur noch 26.753 und sank damit binnen eines Jahres um mehr als ein Drittel (minus 33,7 Prozent). Besonders drastisch ist die Zahl offener Stellen für Experten der Informatik (minus 46,2 Prozent) und der Wirtschaftsinformatik (minus 38,2 Prozent) eingebrochen. Dass gerade in diesen hochspezialisierten Berufen die offenen Stellen deutlich gesunken sind, dürfte auch daran liegen, dass Unternehmen zurückhaltender in der Umsetzung hochkomplexer IT-Projekte geworden sind, für deren Umsetzung oft Experten benötigt werden.
Auch auf den anderen Anforderungsniveaus ging die Nachfrage nach IT-Arbeitskräften deutlich zurück. Die Zahl offener Stellen für ausgebildete IT-Fachkräfte sank zwischen 2023 und 2024 um 19,6 Prozent. Etwas geringer, aber dennoch ebenfalls deutlich war der Rückgang mit 8,6 Prozent bei IT-Spezialisten.
Deutlicher Rückgang der offenen IT-Stellen
Trotz einer insgesamt rückläufigen Nachfrage nach IT-Fachkräften zeigte sich auf Branchenebene ein differenziertes Bild. In einzelnen Wirtschaftszweigen wurden im Jahr 2024 mehr IT-Stellen ausgeschrieben als im Vorjahr. In anderen Branchen war hingegen ein starker Rückgang zu verzeichnen. In der Gesamtbetrachtung führte dies zu dem bereits beschriebenen spürbaren Rückgang der offenen Stellen in IT-Berufen.
Eine gestiegene Nachfrage nach qualifiziertem IT-Personal verzeichnete vor allem die „Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung“. Unternehmen dieser Branche bieten eine Vielzahl von Dienstleistungen zur rechtlichen, steuerlichen oder finanziellen Beratung an. Zuletzt wurde der Fokus dort verstärkt auf die Implementierung neuer digitaler Lösungen gesetzt, um so beispielsweise Teile der Steuerberatung sowie der Wirtschaftsprüfung zu digitalisieren – auch mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (DFKI/WTS Group, 2024). Im Vergleich zum Jahr 2023 ist die Zahl der offenen Stellen für IT-Arbeitskräfte um 518,4 Prozent oder 1.770 Stellen angestiegen und erreichte ein neues Allzeithoch in dieser Branche. Auch in anderen Wirtschaftszweigen wie dem Tiefbau, der Energieversorgung oder der Versicherungswirtschaft gab es zuletzt einen erhöhten Stellenbedarf für IT-Fachkräfte – auch wenn dieser insgesamt eher gering ausfiel. In 25 von 88 Wirtschaftszweigen stieg die Zahl offener Stellen für IT-Arbeitskräfte gegenüber dem Jahr 2023.
In 56 Wirtschaftszweigen, also in der deutlichen Mehrheit, nahm die Zahl der offenen Stellen für IT-Arbeitskräfte hingegen zuletzt ab. Der stärkste Rückgang zeigt sich im Wirtschaftszweig „Erbringung von Dienstleitungen der Informationstechnologie“ – jener Branche, in der mit 40,9 Prozent der größte Anteil der IT-Fachkräfte tätig ist. Im Jahresdurchschnitt 2024 wurden in diesem Bereich 5.821 offene Stellen weniger ausgeschrieben als im Vorjahr – ein Rückgang um 31,6 Prozent. Besonders stark betroffen waren IT-Experten. Mögliche Gründe für den Rückgang könnten sein, dass Unternehmen IT-Kompetenzen, die zuvor von externen Dienstleistern erbracht wurden, zunehmend ins eigene Unternehmen oder ins Ausland verlagern. Ebenfalls ein deutlicher Rückgang an offenen Stellen für qualifizierte IT-Arbeitskräfte zeigte sich in der „Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen“. Zwischen 2023 und 2024 ist die Zahl offener Stellen um mehr als ein Drittel (minus 36,8 Prozent) auf etwa 2.000 offene Stellen gesunken. Dies spiegelt die aktuelle Krise der Automobilwirtschaft wider.
Ein Zusammenhang zwischen dem Rückgang offener Stellen und dem Einsatz von KI lässt sich derzeit nicht eindeutig belegen. Aktuelle Umfragen zeigen, dass Unternehmen eher mit einem steigenden Bedarf an IT-Fachkräften durch KI rechnen (Bitkom, 2024). Denn aktuell wird KI überwiegend ergänzend zur menschlichen Arbeit eingesetzt und nicht als Substitut (Hammermann et al., 2023). Perspektivisch verändert KI jedoch die Anforderungen an IT-Beschäftigte und der kompetente Umgang mit KI rückt stärker in den Fokus, während Routineaufgaben zunehmend automatisiert werden.
Fachkräftemangel hält dennoch an
Die Digitalisierung wurde zuletzt in vielen Bereichen merklich vorangetrieben (Büchel et al., 2025). Zur weiteren Umsetzung sind qualifizierte IT-Beschäftigte essenziell. Trotz des starken Rückgangs der Nachfrage nach qualifizierten IT-Arbeitskräften, sind viele IT-Berufe weiterhin von Fachkräfteengpässen betroffen: Im Jahresdurchschnitt 2024 konnten mehr als 13.500 offene Stellen in IT-Berufen rechnerisch nicht besetzt werden. Besonders groß war der Mangel an Experten der Informatik: 6.920 offene Stellen bleiben zuletzt unbesetzt. Damit konnten sieben von zehn (69,9 Prozent) offenen Stellen rechnerisch nicht besetzt werden. Somit blieb die Fachkräftesituation in diesen Berufen, trotz deutlichem Stellenrückgang, sehr angespannt.
Die Stellenbesetzung mit IT-Fachkräften bleibt für Unternehmen somit weiterhin eine große Herausforderung. Laut IW-Arbeitsmarktfortschreibung dürften sowohl die Beschäftigung als auch die Fachkräftelücke in IT-Berufen bis 2028 neue Höchststände erreichen (Burstedde/Tiedemann, 2025). Daher gilt es weiterhin, aktiv Fachkräftesicherung zu betreiben. Dazu zählen unter anderem die bedarfsgerechte Nachwuchsqualifizierung, die Förderung von Quereinstiegen sowie die Rekrutierung und Bindung internationaler Fachkräfte. Auch Maßnahmen wie Anreize für eine längere Erwerbstätigkeit älterer Beschäftigter und eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung können zur Schließung der Fachkräftelücke beitragen.
Hinweise zu Methodik und Daten
Die vorliegende Auswertung beleuchtet die Fachkräftesituation in IT-Berufen und betrachtet dabei auch die Wirtschaftszweige (WZ 2008) des Statistischen Bundesamts. Die Verknüpfung der insgesamt 88 Wirtschaftszweige mit den Daten der IW-Fachkräftedatenbank auf Ebene der Berufsgattungen ermöglicht neben der Analyse, welche Fachkräfte gesucht werden, auch eine detaillierte Verortung, in welchen Wirtschaftszweigen sie gesucht werden. Das IW wertet in seiner IW-Fachkräftedatenbank die bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten Arbeitslosen und offenen Stellen aus. IT-Berufe umfassen alle Berufsgattungen der Berufshauptgruppe „Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologieberufe“.
<iframe class="everviz-iframe" src="https://app.everviz.com/embed/nLmGEVDVT/?v=23" title="Chart: " style="border: 0; width: 100%; height: 500px"></iframe>
Deutlicher Stellenrückgang in IT-Berufen – besonders für hochqualifizierte Experten
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Von Helfer zu Fachkraft – Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung
Viele kleine und mittlere Unternehmen suchen ausgebildete Fachkräfte, finden jedoch oft aufgrund von Fachkräfteengpässen keine.
IW
Ausbildung erfolgreich gestalten vom Marketing bis zur Übernahme
Die betriebliche Ausbildung ist ein zentraler Hebel der Fachkräftesicherung. Am Anfang der Investition in künftige Nachwuchskräfte steht die Ansprache und Gewinnung von neuen Auszubildenden. Für viele Unternehmen ist es eine Herausforderung, angebotene Ausbildungsplätze passend zu besetzen.
IW