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Jasmina Kirchhoff / Jochen Pimpertz IW-Kurzbericht Nr. 82 15. Juli 2020 Pharmaexporte gegen den Krisentrend

Die Corona-Krise trifft die exportorientierten Branchen der deutschen Wirtschaft schwer. Die pharmazeutische Industrie steuert dabei gegen den Trend. Die Entwicklung der Ausfuhrwerte in den ersten Monaten des Jahres deutet darauf hin, dass die Branche – wie schon in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 – zur Stabilisierung der Wirtschaft beiträgt.

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Die Corona-Krise trifft die exportorientierten Branchen der deutschen Wirtschaft schwer. Die pharmazeutische Industrie steuert dabei gegen den Trend. Die Entwicklung der Ausfuhrwerte in den ersten Monaten des Jahres deutet darauf hin, dass die Branche – wie schon in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 – zur Stabilisierung der Wirtschaft beiträgt.

Der weltweite Konjunktureinbruch infolge der Corona-Krise trifft die deutsche Exportwirtschaft schwer. Denn der Shutdown in Deutschland sowie in den Partnerländern hat nicht nur die globalen Lieferketten unterbrochen und damit die heimischen Produktionsstandorte gelähmt. Zudem ist die Nachfrage nach deutschen Exportgütern in den Zielländern zeitweise zum Erliegen gekommen. Auch wenn sich erste Signale einer wirtschaftlichen Erholung abzeichnen, bleiben für die exportorientierten Branchen hohe Absatzrisiken bestehen (Bardt/Beer, 2020).
Allerdings sind nicht alle Wirtschaftszweige gleichermaßen betroffen, die Pharmaindustrie sticht positiv hervor. Grund hierfür ist die weniger konjunkturanfällige Nachfrage nach Gesundheitsgütern. Dies gilt insbesondere für Arzneimittel, die für die medizinische Versorgung in den Zielländern auch während der Krise sensibel bleiben.

Darüber hinaus zeigten sich die globalen pharmazeutischen Lieferketten überwiegend stressresistent. Zum einen sind pharmazeutische Produktionen auch bei einem Lieferausfall benötigter Vorleistungen durch eine im Vergleich zu anderen Branchen hohe Lagerhaltung geschützt. Hier haben sich die gesetzlichen und unternehmerischen Vorkehrungen bewährt. Zum anderen treffen auch die in die globalen Lieferketten eingebundenen Länder Vorkehrungen, um bei Arzneimitteln und deren Vorprodukten möglichst lieferfähig zu bleiben.
Bereits in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat sich die Pharmaindustrie hierzulande gegen den allgemeinen Konjunkturtrend entwickelt.

Während der Auslandsumsatz im gesamten verarbeitenden Gewerbe in den ersten beiden Quartalen 2009 Einbrüche von ungefähr einem Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnete, blieben die Auslandsumsätze bei der Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse seinerzeit stabil (Kitanovic, 2010, 6). Entsprechend robust entwickelte sich auch die Produktion in der Pharmabranche (Kitanovic, 2010, 9). Über das gesamte Folgejahrzehnt blieb die Exporttätigkeit der pharmazeutischen Industrie selbst unter zunehmenden politischen Unwägbarkeiten ein wichtiger Wachstumstreiber für die Branche (Kirchhoff, 2019).
Dies begründet die Hoffnung, dass die Pharmaindustrie auch unter den aktuellen Herausforderungen der Pandemie robust performt. Auch wenn die Datenlage noch kein umfassendes Konjunkturbild erlaubt, deuten die Ausfuhrwerte pharmazeutischer Erzeugnisse auf eine vergleichsweise günstige Entwicklung:

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  • Betrachtet man die monatlichen Veränderungsraten des Werts aller Warenausfuhren gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten, fallen für Juni und August 2019 signifikante Rückgänge ins Auge, jeweils gefolgt von Zuwächsen im Folgemonat. Erst im Winter spiegeln die Veränderungsraten die beginnende Industrierezession in Deutschland. Mit Beginn der Corona-Krise im März fiel der Wert der Ausfuhren deutlich ab und verzeichnete im April mit einem Rückgang von über 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat einen historischen Einbruch.
  • Anders der Ausfuhrwert pharmazeutischer Erzeugnisse: Die Exporte entwickelten sich bis zum Herbst 2019 weitgehend gleichgerichtet mit den gesamten Warenausfuhren. Bereits über die Wintermonate zeichnete sich aber ab, dass die Pharmabranche erfolgreich gegen die aufkommende Industrierezession steuert.
  • Im März legte der Ausfuhrwert pharmazeutischer Erzeugnisse mit plus 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert zu. Dieser Anstieg muss zwar relativiert werden, weil es im Vorjahresmonat trotz einer absoluten Wertsteigerung ein Minus von rund 12 Prozent gegenüber dem Vergleichswert 2018 gegeben hatte. Dieser einmalige Effekt spielte aber im April 2020 keine Rolle mehr. Dennoch verzeichnen die pharmazeutischen Ausfuhren am aktuellen Rand einen Zuwachs von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Der Anteil pharmazeutischer Erzeugnisse von gut 6 Prozent an allen Warenausfuhren im Jahr 2019 ist zwar nicht groß genug, um die gesamte Volkswirtschaft vor den Folgen der Pandemie zu bewahren. Doch die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass die Pharmaindustrie auch in Corona-Zeiten wieder einen Beitrag zur Stabilisierung der deutschen Volkswirtschaft leistet.

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