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Die Mittelschicht steht häufig im Zentrum von Verteilungsanalysen. Es besteht allerdings keine eindeutige Abgrenzung dieser Einkommensgruppe. Zudem gibt es unterschiedliche Befunde hinsichtlich ihrer langfristigen Entwicklung. Gemäß der Abgrenzung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) gehörte ein Alleinlebender im Jahr 2014 zur (Einkommens-)Mittelschicht im engen Sinn, wenn er über ein monatliches Nettoeinkommen zwischen 1.410 und 2.640 Euro verfügte. Für eine vierköpfige Familie liegen die Einkommensgrenzen bei 2.950 und 5.540 Euro. Unabhängig von der Abgrenzung stellt die Einkommensmittelschicht die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Auf Basis aktueller Daten der SOEP-Welle 2015 und der Definition des IW Köln gehört ihr etwa jeder Zweite an. Dies hat sich seit der Wiedervereinigung nicht wesentlich geändert. Die Entwicklung seit 1991 kann in drei Phasen eingeteilt werden: Zunächst stieg der Anteil der Mittelschicht im Zuge des ostdeutschen Aufholprozesses etwas an, bevor er von seinem temporären Höchstpunkt von knapp 55 Prozent im Jahr 1997 auf rund 50 Prozent bis 2005 zurückging. Abgesehen von dem Einfluss einer Stichprobenänderung im Jahr 2013 hat sich das Schichtgefüge seither nur noch unwesentlich verändert. Die Mittelschicht in Deutschland ist stabil.

Die vorliegende Analyse zeigt, dass die Grenze zur Mittelschicht nicht entlang der sogenannten Kragenlinie verläuft. Facharbeiter zählen mit einer besonders hohen Wahrscheinlichkeit zu der eng definierten Mittelschicht. Zugleich gehören ihr in einem hohen Ausmaß Angestellte in qualifizierter Tätigkeit an. Selbstständige, Beamte ab dem gehobenen Dienst und Angestellte mit hochqualifizierter Tätigkeit oder Leitungsfunktion erreichen hingegen häufig mindestens die obere Mittelschicht und zählen damit zu dem reichsten Fünftel der Gesellschaft.

Differenzierung nach Stellung im Beruf und Einkommensschicht

Anteil der Teilgruppe in der jeweiligen Einkommensschicht, in Prozent, 2014

IW-Trends

Judith Niehues: Die Mittelschicht in Deutschland – vielschichtig und stabil

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Ansprechpartner

IW-Report
IW-Report, 26. Juni 2017

Judith Niehues Armuts- und ReichtumsberichterstattungArrow

Stellungnahme unter anderem zum fünften Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung in der öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestags. mehr

Gerechtigkeitspolitische Handlungsfelder in Deutschland: relevante Probleme angemessen angehen
IW policy paper, 19. Juni 2017

Christina Anger / Michael Hüther / Hans-Peter Klös / Judith Niehues / Klaus-Heiner Röhl / Holger Schäfer Gerechtigkeitspolitische Handlungsfelder in DeutschlandArrow

Zentrale verteilungspolitische Indikatoren in Deutschland haben sich seit dem Jahr 2005 wieder normalisiert oder sogar strukturell verbessert. Dennoch bleiben mindestens drei zentrale Herausforderungen. mehr

16. Mai 2017

Martin Beznoska / Tobias Hentze Die sechs wichtigsten Fragen zur Steuerlast der BundesbürgerArrow

Eine gute Nachricht: Die Grundidee des deutschen Steuersystems funktioniert – wer viel verdient, zahlt auch entsprechend mehr Steuern. Eine schlechte Nachricht: Den sogenannten Spitzensteuersatz zahlen auch Menschen, die zwar gut verdienen, aber alles andere als Spitzenverdiener sind. Ein kinderloser Single zum Beispiel muss bereits ab einem Jahresbruttoeinkommen von etwa 65.000 Euro den Einkommenssteuerhöchstsatz von 42 Prozent berappen. mehr auf iwd.de