Die Struktur der deutschen Unternehmenslandschaft wird durch die von der Europäischen Union (EU) vorgegebene strikte Trennung zwischen kleinen und mittleren Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten einerseits und Großunternehmen andererseits nur schlecht wiedergegeben.

Denn die deutsche Wirtschaft ist stark durch größere Mittelständler – so genannte Mid Caps – geprägt, die mit mehreren hundert oder sogar über 1.000 Mitarbeitern typisch mittelständische Strukturen aufweisen. Hierzu zählen größere Familienunternehmen wie auch kleinere Kapitalgesellschaften. Viele von ihnen sind international agierende Hidden Champions mit starken Exportaktivitäten, die durch zielgerichtete Innovationen führend in ihrem Marktsegment sind. In diesem Policy Paper sollen daher Strukturen und Potenziale des größeren Mittelstands bis zu einer Schwelle von 3.000 Mitarbeitern in Deutschland näher untersucht werden.

Seit 2003 ist die Anzahl der Mid Caps ebenso wie ihre Beschäftigtenzahl jeweils um mehr als ein Drittel angestiegen. Hierzu hat auch ihre starke Präsenz auf Auslandsmärkten innerhalb und außerhalb Europas beigetragen. Doch es gibt auch Risiken für die zentrale Position, die sich Mid Caps und große Familienunternehmen im deutschen Wirtschaftssektor erarbeitet haben: Zwar ist ihr Forschungs- und Entwicklungsleistung beträchtlich, doch die Anzahl innovierender Unternehmen ist insgesamt rückläufig. Ohne kontinuierliche Innovationen werden jedoch die Herausforderungen der Digitalisierung und Globalisierung zukünftig nicht zu meistern sein. Die Studie schließt daher mit Empfehlungen, wie die Wirtschaftspolitik auf die große Bedeutung des größeren Mittelstands angemessen reagieren und vor allem die noch bestehenden Defizite etwa im Forschungs- und Entwicklungsbereich reduzieren kann. Besonders wichtig sind eine steuerliche Forschungsförderung auch für das Mid Cap-Segment und ein wirkungsvoller „Bürokratie-TÜV“ durch Berücksichtigung der Mid Caps im KMU-Test sowie im Mittelstandsmonitor für nationale und europäische Gesetzesvorhaben.