Bedarfsgerechte Betreuungsangebote sind nicht nur Grundvoraussetzung für das Gelingen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine institutionelle Betreuung kann sich auch bereits vor Erreichen des Kindergartenalters positiv auf Entwicklung und Wohlergehen der Kinder auswirken (Schölmerich et al., 2013). Dennoch galt in Westdeutschland lange ein Alter von drei Jahren als geeigneter Betreuungsbeginn und frühkindliche Angebote wurden von den Familien sehr kritisch gesehen. Dies hat sich in den letzten Jahren jedoch vollkommen gewandelt. So gaben in einer Befragung im Jahr 2019 rund 81,2 Prozent der Eltern in Gesamtdeutschland an, für ihre Zweijährigen und 64,1 Prozent für ihre Einjährigen einen Betreuungsbedarf zu haben. Noch im Jahr 2015 lagen die Werte mit 73,0 Prozent und 54,7 Prozent deutlich niedriger. Bezogen auf alle unter Dreijährigen ergibt sich aktuell eine Bedarfsquote von 49,4 Prozent, die hochgerechnet mit der Kinderzahl am 31.12.2019 einer Zahl von 1,17 Millionen Plätzen für das erste Halbjahr 2020 entspricht. Im ersten Halbjahr 2015 lag der entsprechende Wert mit 908.000 noch um fast ein Viertel niedriger (BMFSFJ, versch. Jg.; Statistisches Bundesamt, versch. Jg.; eigene Berechnungen).

Allerdings haben am 1.3.2020 nur 829.000 unter Dreijährige tatsächlich eine öffentlich geförderte Betreuungseinrichtung oder Tagespflege besucht (Statistisches Bundesamt, versch. Jg.), sodass eine Lücke von 342.000 bleibt. Die Corona-Pandemie hat hier keinen Einfluss, da die Zahlen noch vor dem Lockdown erhoben wurden. Im Vorjahr war die Differenz bei Zugrundelegung derselben Bedarfsquoten mit 359.000 noch größer, bei Zugrundelegung der Bedarfsquote aus dem Jahr 2018 mit 318.000 (Geis-Thöne, 2019a) jedoch deutlich kleiner. Geht man noch weiter zurück, findet sich bei Verwendung der Bedarfsquoten aus den jeweiligen Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Lücken und für das Jahr 2015 etwa ein Wert von „nur“ 215.000. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Betreuungsausbau für unter Dreijährige in dieser Zeit nicht vorangeschritten wäre. So ist die Zahl der betreuten Kinder zwischen dem 1.3.2014 und dem 1.3.2019 von 693.000 auf 818.000 gestiegen, wohingegen sie am 1.3.2020 mit 829.000 nur noch leicht höher lag und in der Hälfte der Länder sogar Rückgänge zu verzeichnen waren (Abbildung).