Seit dem Ausbruch der Corona-Krise haben Regierungen versucht, die negativen Folgen der Ausbreitung des Virus zu bekämpfen und gleichzeitig die damit verbundenen ökonomischen und sozialen Kosten gering zu halten. Es wurden jedoch kaum Ansätze vorgelegt, die beide Ziele systematisch miteinander verknüpfen, so dass die politischen Entscheidungsträger oft einen "Einheitsansatz" mit umfassenden Verboten wählten, die das soziale und wirtschaftliche Leben stark beeinträchtigt haben. Wenn es um die entscheidende Frage der Wahl einer angemessenen Politikstrategie geht, ist aber eine sorgfältige Abwägung von Zielkonflikten (Trade-Offs) unverzichtbar (Bardt und Hüther, 2021). Ronald Coase (1960, S. 44) drückte es treffend aus:

“It would clearly be desirable if the only actions performed were those in which what was gained was worth more than what was lost. But in choosing between social arrangements within the context of which individual decisions are made, we have to bear in mind that a change in the existing system which will lead to an improvement in some decisions may well lead to a worsening of others.... In devising and choosing between social arrangements we should have regard for the total effect.”

Tatsächlich ist die Forschung kritischer geworden, was die Wirksamkeit und die Trade-Offs angeht, die mit Lockdowns, allgemein als nicht-pharmazeutische Interventionen (NPIs) bezeichnet, verbunden sind. Aktuelle Covid-19-Studien zeigen, dass der Nutzen (Verringerung der Fallübertragungen und der Sterberaten) möglicherweise überschätzt und die ökonomischen und sozialen Kosten des Lockdowns unterschätzt wurden. Neuere Arbeiten versuchen daher, die wichtige Frage nach dem Gesamteffekt stärker zu diskutieren und wohlfahrtssteigernde Alternativen im Vergleich zum Einheitsansatz aufzuzeigen.

Der Nutzen von NPIs wird allgemein als erfolgreiches Absenken der Reproduktionszahl sowie Übertragungsrate von Covid-19 definiert. Born et al. (2021) stellen beispielsweise fest, dass die Einführung eines 9-wöchigen Lockdowns in Schweden in der ersten Hälfte des Jahres 2020 die Infektionen um 75 Prozent reduziert hätte und nur einen geringen zusätzlichen Outputverlust verursacht hätte. Die Studie umreißt jedoch nur grob die wirtschaftlichen Kosten und ignoriert die sozialen Kosten.