Der Corona Virus oder auch COVID-19 beherrscht derzeit das öffentliche Leben. Geschäfte und Bars werden geschlossen, Veranstaltungen aller Art abgesagt und nun auch Grenzen geschlossen. Diese Einschränkungen greifen nicht nur tief in die Freiheit des Einzelnen ein, sondern sie haben natürlich auch wirtschaftliche Folgen. Gerade die Tourismusbranche, aber ebenso die Gastronomie, stationäre Fachhändler und viele andere Branchen erleben derzeit deutliche Umsatzrückgänge. Und auch die Finanzmärkte reagieren heftig, fast täglich rutschen die Kurse an den Börsen weiter nach unten. Damit stellt sich auch für private Anleger die Frage, ob nun noch schnell Wertpapierbestände verkauft werden sollten, um noch größere Verluste zu vermeiden. Und auch im Immobilienmarkt gibt es große Unsicherheiten, zumal hier Daten weniger schnell verfügbar sind.

Für die Beurteilung der aktuellen Entwicklungen an den Kapitalmärkten sollte man sich die grundlegende Bestimmung der Aktien- und Immobilienwerte vergegenwärtigen. Wer Aktionär ist, ist Eigentümer eines Unternehmens. Der Wert eines Unternehmens ergibt sich aus den künftigen Gewinnen eines Unternehmens, die auf den heutigen Tag abgezinst (diskontiert) werden. Bei Immobilien dagegen wird der Wert durch die künftigen, diskontierten Nettomieterträge bestimmt. In beiden Fällen hängt der Wert damit ganz entscheidend von den Erwartungen ab. Aktienkurse sind dabei grundsätzlich volatiler als Immobilienpreise, da Gewinne stärker als Mieten schwanken.

Schon in ruhigen Zeiten ist es herausfordernd, die Zahlungsbereitschaft für eine Aktie oder eine Immobilie zu bestimmen. Wer eine Immobilie kauft, muss letztlich eine Vorstellung über die Entwicklung der Mieten an einem bestimmten Standort über die gesamte Nutzungsdauer der Immobilie entwickeln – und dabei auch noch berücksichtigen, wie sich die Zinsen über diesen langen Zeitraum entwickeln. Objektiv ist dies kaum möglich, weshalb letztlich viele Marktteilnehmer mit Fortschreibungen arbeiten. Noch herausfordernder sind Aktienmärkte, denn Gewinne unterliegen sogar deutlich mehr Einflussfaktoren und Unsicherheiten als Mieten.

Besonders schwierig ist für Marktteilnehmer immer der Umgang mit Innovationen (vgl. Shiller, 2002). Häufig kommt es zu einem Überschießen der Erwartungen, sowohl in die eine als auch die andere Richtung. Als Ende der 1990er Jahre Unternehmen der New Economy an die Börse kamen, stiegen die Kurse rasant an. Letztlich bestimmen die besonders optimistischen Käufer die Preise, da sie mit der höchsten Zahlungsbereitschaft über die Preise entscheiden. Weil allerdings diejenigen, die die optimistischen Erwartungen haben, in den seltensten Fällen die realistischen Erwartungen haben, ist eine Korrektur fast unausweichlich. Ähnlich verhält es sich auch bei Krisen. Nach den Anschlägen am 11. September 2001 reagierten die Börsen massiv, in solchen Situationen bestimmen die besonders pessimistischen Anleger die Preisbildung. Nach einiger Zeit haben sich die Kurse aber wieder erholt.

Die Abbildung zeigt die Entwicklung der jährlichen Tiefst- und Höchststände des DAX seit 1990. Gerade infolge der New Economy Krise sowie der Finanzkrise 2008 weichen Höchst- und Tiefstände besonders stark voneinander ab. Dies gilt natürlich in besonderer Weise für 2020 aufgrund des derzeit starken Kurseinbruchs. Außerdem ist zu beachten, dass es sich bei der Finanzkrise vor allem um einen Nachfrageschock gehandelt hat, jetzt gibt es dagegen einen kombinierten Nachfrage- und Angebotsschock, dessen Auswirkungen noch schwerer einzuschätzen sind. Die Erfahrungen mit anderen Krisen zeigen aber, dass sich die Kurse immer wieder recht schnell von den Tiefständen wegbewegt haben.