Konjunkturorientierung mit der IW-Verbandsumfrage

Der Start in das zweite Quartal 2020 war für die deutsche Industrie ein bislang beispielloses Desaster. Im April 2020 unterschritt die Produktion das Niveau vom März, als bereits ein Rückgang in Höhe von 11 Prozent gegenüber Februar zu verkraften war, nochmals um 22 Prozent. Damit war der Einbruch allein in diesen beiden Monaten schon tiefer als während der gesamten Finanzmarktkrise von 2008/2009. Vor allem in der Automobilwirtschaft war der Einbruch gewaltig – die Produktion lag im April 2020 um 75 Prozent unter dem Märzniveau. Im Gegensatz zu früheren Konjunkturkrisen, die in Deutschland ausschließlich Industriekrisen waren, hat der Corona-Lockdown auch weite Teile des Dienstleistungssektors getroffen. Daten für viele Servicebereiche liegen allerdings erst mit größerer zeitlicher Verzögerung vor. Stimmungsindikatoren – wie etwa die IW-Konjunkturumfrage (Bardt/Grömling, 2020) – signalisieren, dass die Dienstleistungswirtschaft durch die Corona-Pandemie im ähnlichen Ausmaß beeinträchtigt wird wie die Industrie. Das weltweit wütende Virus trifft also die deutsche Wirtschaft in voller Breite, mit bislang ungekannter Schnelligkeit und mit hartem Schlag.

Um weitere Orientierung in diesem ökonomischen Desaster zu finden, haben das Institut der deutschen Wirtschaft und die IW Consult ausgewählte Wirtschaftsverbände in Deutschland nach ihren Erwartungen hinsichtlich der aktuellen und der weiteren Geschäftsentwicklung befragt. Dazu wurden knapp 50 Verbände angeschrieben, die in der Regel an der traditionellen IW-Verbandsumfrage zum Jahreswechsel teilnehmen (Grömling, 2019). An dieser außerplanmäßigen IW-Umfrage haben sich 31 Verbände beteiligt. Damit werden sowohl die Industrie, das Baugewerbe und der Primärsektor als auch große Teile der privatwirtschaftlichen Dienstleistungswirtschaft erreicht. Es wurden wenige kurze Fragen gestellt, um eine hohe inhaltliche Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Zudem wurde ein kurzes Zeitfenster verwendet, um auch eine hohe zeitliche Vergleichbarkeit der Antworten sicherzustellen.

Breiter Belastungsfächer

Gemäß der Einschätzung der Verbände ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2020 in fast allen Branchen zum Teil katastrophal eingebrochen. Die Abbildung zeigt die Produktionserwartungen für das zweite Quartal 2020, für das zweite Halbjahr 2020 und für das Gesamtjahr 2021. Dabei werden jeweils die Veränderungen gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum ausgewiesen.