Aktuelle Lage mehrheitlich besser

Um die deutsche Wirtschaft steht es zum Jahresende 2017 mehrheitlich besser als vor einem Jahr. 26 der 48 regelmäßig vom Institut der deutschen Wirtschaft zur Jahreswende befragten Verbände sprechen von einer besseren Wirtschaftslage im Vergleich zum Vorjahr. 20 Verbände bewerten die gegenwärtige Wirtschaftslage genauso wie vor einem Jahr. Nur noch zwei Verbände bezeichnen die aktuelle Geschäftssituation schlechter als zum Jahreswechsel 2016/2017. Bei der letztjährigen IW-Verbandsumfrage waren es noch neun Verbände.

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Eine derzeit schlechtere Wirtschaftslage ist nur in der Ernährungsindustrie und bei den Volks- und Raiffeisenbanken zu verzeichnen. In der Ernährungsindus­trie dämpfen der hohe Konkurrenzdruck und die steigenden Kosten die Stimmung. Die Banken leiden unter dem Margendruck infolge des ebenfalls intensiven Wettbewerbs und der niedrigen Zinsen. Dagegen verzeichnet der Großteil der Industriebranchen aktuell eine gute Geschäftslage. Die überraschend anziehende Weltkonjunktur hat hier für eine gute Umsatzentwicklung gesorgt. Außerdem sind hier auch die gute Konsumkonjunktur und vor allem die im Jahresverlauf 2017 wieder anziehenden Inlands­investitionen positiv zu spüren. Im Bereich der Dienstleistungsunternehmen sprechen zum Beispiel die Bereiche Investment und Leasing sowie die Immobilienwirtschaft von einer guten Geschäftslage. Dies spiegelt sich auch im aktuellen Investitionsaufschwung wider. Bei den meisten Dienstleistungsverbänden ist die Lageeinschätzung aber auf dem Niveau des Vorjahres.

Produktionsperspektiven 2018: mehr als zwei Drittel mit Auftrieb

Die Produktionsaussichten für das Jahr 2018 fallen erheblich besser aus als die Perspektiven für das Jahr 2017: Mehr als zwei Drittel der vom IW befragten Verbände gehen davon aus, dass ihre Unternehmen im kommenden Jahr mehr produzieren als in diesem Jahr (Abbildung). Mit Blick auf den Branchenfächer hat die Konjunkturdynamik damit an Breite gewonnen. Allerdings sprechen nur zwei Verbände – die Stahl- und Metallverarbeitung sowie die Bauindustrie – von einer wesentlich höheren Wirtschaftsleistung. 31 Verbände erwarten eine etwas höhere Produktion in 2018 im Vergleich zum Vorjahr. 13 der insgesamt 48 Verbände – wie die Banken und Sparkassen, die Ernährungsindustrie, die Papierverarbeitung, Druck­industrie, Werbewirtschaft und die Zeitschriftenverleger – planen im Jahr 2018 mit gleich hohen Geschäften. Nur noch zwei Verbände – die Volksbanken und der Bergbau – gehen von einem Produktionsrückgang im neuen Jahr aus. Zum Vergleich: Zum Jahreswechsel 2016/2017 erwarteten noch acht Verbände eine Verschlechterung.

Diese dominierenden zuversichtlichen Produktionsaussichten für das kommende Jahr spiegeln sich auch in den aktuellen Konjunkturprognosen (siehe zum Beispiel IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2017) wider. Trotz der politischen Verunsicherungen hat die Weltkonjunktur im Jahr 2017 wieder Tritt gefasst und dieser Auftrieb setzt sich im kommenden Jahr auf breiterer Basis fort. Die sich damit deutlich aufhellenden Produktionsperspektiven der deutschen Unternehmen haben sogar eine Diskussion darüber ausgelöst, ob die deutsche Wirtschaft Gefahr läuft, sich zu überhitzen. Ein Drittel der vom Institut der deutschen Wirtschaft im Rahmen seiner Konjunkturumfrage konsultierten Firmen meldet, dass derzeit ihre Kapazitäten überausgelastet sind. Nur knapp 12 Prozent signalisieren eine Unterauslas­tung (Grömling, 2017). Zwei Drittel der Unternehmen mit einer Überauslastung geben an, dass ein Mangel an qualifizierten Mitarbeitern den Grund für eine betriebliche Überlastung darstellt. Die Produktionspers­pektiven der deutschen Wirtschaft könnten somit noch besser ausfallen, wären da nicht die Beschränkungen durch fehlende Fachkräfte.

Beschäftigung 2018: hohe Nachfrage nach Mitarbeitern

Die Beschäftigungsperspektiven in den vom IW Köln zum Jahresende 2017 befragten Verbänden (wobei hierzu 47 Verbände eine Einschätzung abgegeben haben) sind ebenfalls besser als bei der Vorjahresumfrage. Nunmehr gehen 19 Verbände von einem Beschäftigungsaufbau im kommenden Jahr aus und ebenfalls 19 Verbände erwarten eine gleichbleibende Beschäftigung. Nur noch ein Fünftel beziehungsweise neun der betrachteten Verbände rechnen mit einem Rückgang der Mitarbeiterzahl – bei der Umfrage vor einem Jahr waren es noch zwölf Verbände.

Alles in Allem setzt sich aus Sicht der Verbände der Beschäftigungsaufbau in Deutschland auch im kommenden Jahr fort. Dies gilt nicht nur mehrheitlich für die Dienstleistungsbranchen, sondern auch für weite Teile der Industrie – etwa für die Chemie-, Automobil- und Elektroindustrie. In der Bauwirtschaft und im Handwerk ist ebenfalls die Beschäftigungsampel auf Grün geschaltet. Das Problem hier ist vielmehr, ob die Arbeitsnachfrage der Unternehmen überhaupt bedient werden kann. Der Beschäftigungsrückgang konzentriert sich im Dienstleis­tungsbereich ausschließlich auf die Banken und Versicherungen. Unter den Industrieverbänden erwarten zum Beispiel die Holzverarbeitung, Papiererzeugung, die Druckindustrie und die Keramische Industrie einen Personalabbau.

Investitionspläne 2018: Verstärkung der Trendwende

Trotz der hohen politischen Verunsicherungen – zum Beispiel durch protektionistische Bestrebungen – kamen die Investitionen in Deutschland im Jahresverlauf 2017 in Schwung. Das wurde weder in den Konjunkturprognosen noch von den Verbänden zum Jahreswechsel 2016/2017 so erwartet. Für das Jahr 2018 fallen die Investitionsperspektiven erheblich besser aus als vor einem Jahr. Damit dürfte sich die in 2017 angelegte Trendwende verstärken. In 24 der 47 Verbände, die hierzu eine Antwort abgeben, sind die Unternehmen hinsichtlich ihrer Investitionstätigkeit zuversichtlich gestimmt. Entsprechend ging die Anzahl der Verbände, die mit gleichbleibenden Inves­titionen rechnen von 27 auf 21 zurück. Nur noch zwei Verbände – der Bergbau und die Keramische Industrie – rechnen mit niedrigeren Investitionen im kommenden Jahr. Im Industriebereich beabsichtigen vor allem die großen Branchen – Maschinen- und Anlagenbau, die Elektroindustrie, die Automobilindustrie und die Chemieindustrie – steigende Investitionen. Im Gegensatz zu den Geschäfts- und Beschäftigungsperspektiven werden im gesamten Bankensektor höhere Investitionen erwartet. Insgesamt gilt über die Branche hinweg, dass die Investitionsprozesse durch die Digitalisierung angetrieben werden.