Gemäß der auf Deutschland fokussierenden Haushaltsbefragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zählt seit 2005 recht robust etwa jeder zweite Bundesbürger zur Einkommensmittelschicht im engen Sinn, zu der nach der IW-Definition Bürger mit einem Einkommen zwischen 80 und 150 Prozent des landesspezifischen Medianeinkommens gehören (Niehues, 2017). Mit Hilfe der europaweit durchgeführten Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) lassen sich Einkommensschichten und Lebensstandards auch zwischen verschiedenen europäischen Staaten vergleichen. Für die Gesamtheit der EU-28-Staaten liegen zum jetzigen Zeitpunkt Daten bis zum Jahr 2015 vor, wobei sich die Einkommen - anders als die sozio-demografischen Merkmale - auf das jeweilige Vorjahr beziehen. Da hier die Einkommensverteilung im Vordergrund steht, beziehen sich alle Jahreszahlen im Beitrag auf das Jahr 2014. Darüber hinaus enthält der Datensatz vergleichbare Einkommensinformationen für die Schweiz, Island und Norwegen.

Auch auf Basis des EU-SILC liegt die Einkommensmittelschicht Deutschlands bei knapp 50 Prozent. Ungefähr 16,5 Prozent der Bundesbürger galten gemäß der europäischen Daten im Jahr 2014 als armutsgefährdet, da sie weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens zur Verfügung hatten. Mit diesen Kenngrößen ist Deutschland zwar kein besonders egalitäres Land, aber in der Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten leben weniger Menschen in der Einkommensmittelschicht. Konventionell werden Einkommensschichten wie auch die Armutsgefährdungsquoten in Relation zum landesspezifischen Medianeinkommen definiert, welches im Einkommensjahr 2014 in Deutschland bei 1.731 Euro für einen Alleinstehenden lag, die Schwelle zur Armutsgefährdung entsprechend bei 1.039 Euro monatlich. Dem Konzept der Bedarfsgewichtung folgend liegen die Einkommensschwellen für ein Paar ohne Kinder um den Faktor 1,5 höher, für jedes Kind unter 14 Jahren im Haushalt erhöht sich dieser Faktor um 0,3. Beim Einkommenskonzept wird wie bei Verteilungskennziffern üblich auf das bedarfsgewichtete Nettoeinkommen nach Abgaben und zuzüglich monetärer Transfers zurückgegriffen, wobei unterstellte Mieten für selbstgenutztes Wohneigentum bei den Berechnungen auf Basis des EU-SILC unberücksichtigt bleiben.