Das Coronavirus hält die deutsche Wirtschaft in Atem. Das spiegelt sich auch im Krankenstand der Belegschaften wider, der im März außergewöhnlich stark angestiegen ist (BMG, 2020; BKK-Dachverband, 2020). Dieser einmalige Effekt ist vor allem im Kontext der Sonderregelung zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) einzuordnen. Der Gemeinsame Bundesausschuss der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen hatte am 20. März beschlossen, dass rückwirkend zum 9. März und verlängert bis Ende Mai eine AU-Bescheinigung aufgrund von Erkrankungen der oberen Atemwege auch nach telefonischer Anamnese durch den Arzt ausgestellt werden kann(G-BA, 2020).

Inzwischen liegen aktuelle Daten zur Krankenstandentwicklung vor, die eine Einordnung dieser Sonderregelung erlauben. Nach der Versichertenstatistik der Gesetzlichen Krankenversicherung ist der Krankenstand der arbeitsunfähigen, krankengeldberechtigten Mitglieder von 4,5 Prozent am 1. März auf 6,5 Prozent am 1. April gestiegen (BMG, 2020). Die stichtagsbezogene Erhebung gibt allerdings keinen Aufschluss über mögliche Erkrankungsursachen.

Alternativ dazu erhebt der Dachverband der Betriebskrankenkassen in seiner monatlichen Stichprobe den durchschnittlichen Krankenstand in Prozent der beschäftigten BKK-Mitglieder. Dabei werden Krankschreibungen über den gesamten Beobachtungsmonat erfasst. Historische Betrachtungen stehen zwar unter dem Vorbehalt, dass sich die Struktur der versicherten Belegschaften ändern kann. Gleichwohl liefern die Daten Indizien für die Einordnung der aktuellen Entwicklung des Krankenstands.

Auch in den Daten des BKK-Dachverbands zeigt sich im März ein signifikanter Anstieg der attestierten Fehlzeiten. Deuten die monatlichen Werte der Jahre 2017 bis 2019 darauf hin, dass der Krankenstand typischerweise im Frühjahr nach Abklingen grippaler Infektionswellen sinkt, so ist er nun gegenüber Februar 2020 um 1,2 Punkte auf gut 6,7 Prozent gestiegen. Damit lag er um 1,5 Prozentpunkte über dem Vergleichsmonat 2019 und um 2,3 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Märzwerte 2017 bis 2019 (BKK-Dachverband, 2020a). Mit der Folgeauswertung relativiert sich das Bild wieder. Für den Monat April wird ein Krankenstand von 4,6 Prozent berichtet, der damit lediglich um 0,1 Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahresmonats liegt beziehungsweise um knapp 0,3 Punkte über dem mittleren Aprilwert der Jahre 2017 bis 2019 (BKK-Dachverband, 2020b).