Wenn Emissionen kostenlos möglich sind und dadurch Schäden verursacht werden, sprechen Ökonomen von externen Effekten. Die Verursacher berücksichtigen die Kosten ihrer wirtschaftlichen Entscheidung nicht ausreichend und emittieren damit mehr, als es unter Abwägung von Nutzen und Kosten gesamtwirtschaftlich sinnvoll wäre. Diese externen Effekte können durch ordnungsrechtliche Verbote eingegrenzt werden. Sinnvoller als staatliche Vorgaben ist es die Innovationskraft des Wettbewerbs zu nutzen und genau die Potenziale zur Emissionsreduktion zu nutzen, die mit den niedrigsten Vermeidungskosten verbunden sind. In der Klimapolitik ist auf europäischer Ebene hierfür das Emissionshandelssystem eingeführt worden. Es definiert eine absolute Obergrenze für die zulässigen Emissionen; der Handel mit den Emissionsrechten sorgt für eine möglichst hohe Effizienz und der Preis der Emission ergibt sich am Zertifikatemarkt. Alternativ kann auch über eine Steuer der Preis festgesetzt werden. Dann werden alle Emissionen eingespart, bei denen die Vermeidungskosten niedriger beziehungsweise der Nutzen, der aus den Verbrennungsprozessen resultiert, größer als der Steuersatz sind. Wie viele Emissionen dadurch vermieden werden, ist jedoch im Vorhinein unklar.

In der derzeitigen Diskussion zur Erreichung der deutschen Klimaziele werden unterschiedliche Instrumente diskutiert – von einem erweiterten Emissionshandel über einen separaten Emissionshandel für die Bereiche Verkehr und Wärme bis zu einer CO₂-Steuer (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, 2019; Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, 2019; Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 2019).

Allen Ansätzen gemein ist, dass die Preise für den Verbrauch von Energie und damit für die Emission von Treibhausgasen soweit erhöht werden, dass die Emissionen absinken. Wie stark dies passiert und wie stark Preise ansteigen, hängt von der Rigidität der Reduktionsziele und von der Anpassungsgeschwindigkeit der Verbraucher an veränderte Preise an. Da private Verbraucher im Verkehr und bei der Wärmeerzeugung kurzfristig kaum auf Preiserhöhungen durch Minderverbrauch reagieren, ist in einem isolierten Emissionshandel für diese Bereiche mit vergleichsweise hohen Preiserhöhungen zu rechnen, bis durch die Modernisierung von Gebäuden und emissionsärmere Fahrzeuge tatsächlich Emissionsreduktionen realisiert werden. Umgekehrt ist aufgrund der kurzfristig geringen Reaktionen der Verbraucher damit zu rechnen, dass bei moderaten CO₂-Steuern die Reduktionsziele verfehlt werden.

Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung einer möglichen Bepreisung von CO₂-Emissionen darf jedoch nicht übersehen werden, dass bereits eine Reihe von CO₂-Preisen existieren. So sind die Energiesteuern direkt an das Volumen beziehungsweise den Energiegehalt der verbrauchten Treibstoffe gebunden, die in einem festen Verhältnis zu den dadurch verursachten Emissionen stehen. Eine Steuer auf einen Liter Benzin ist damit gleichzeitig ein Preis für die Emissionen, die bei der Verbrennung dieser Menge entstehen. Die unterschiedlichen Steuersätze auf Ottokraftstoff, Dieselkraftstoff, leichtes Heizöl und Erdgas führen zu unterschiedlichen CO₂-Preisen. Im Fall von Strom können die unterschiedlichen Steuern und Umlagen sowie der Emissionshandel ebenfalls auf die Emissionsmengen des inländischen Stromverbrauchs bezogen und damit als CO₂-Preis interpretiert werden – auch wenn im Status quo weder Stromsteuer noch EEG-Umlage einen direkten Bezug zu den Emissionen des tatsächlichen Strommixes haben.

Besonders hoch ist der CO₂-Preis im Verkehr. Hier werden durch die Mineralölsteuer 275 Euro je Tonne CO₂ für Ottokraftstoff und 178 Euro für Diesel fällig (Abbildung). Der Unterschied zwischen den beiden Kraftstoffen ist etwas überzeichnet, da umgekehrt für den Diesel höhere Kraftfahrzeugsteuern angesetzt werden. Ein Teil dieser Summe kann als Kostenbeitrag für die Straßeninfrastruktur aufgefasst werden. Mit der Einführung einer Maut oder Infrastrukturabgabe könnte die verbleibende Energiesteuer vollständig als CO₂-Abgabe interpretiert werden. Einer vollständigen Umbasierung der Energiesteuer auf CO₂ würde kurzfristig die europäische Energiesteuerrichtlinie entgegenstehen, die Mindeststeuersätze von 36 Cent je Liter Benzin und von 33 Cent je Liter Diesel 33 Cent vorsieht.