Nur in einem optimistischen Szenario erholt sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr. Dann könnten die Folgen auf eine Größenordnung beschränkt werden, die aus der Finanzkrise 2009 bekannt ist. Und selbst dann ist die heutige Krise umfassender und damit für mehr Unternehmen bedrohlich als vor einer Dekade.

Zu Anfang des Jahres war die Corona-Erkrankung Covid-19 aus europäischer Perspektive nicht viel mehr als eine Meldung aus dem fernen Osten. Wenige Wochen später ist sie das zentrale Risiko der gesellschaftlichen Entwicklung, der Gesundheit von Millionen von Menschen und der Wohlstandsperspektive des Landes. Im besten Fall gelingt es, die Epidemie in wenigen Wochen auf ein für unser Gesundheitssystem zu bewältigendes Maß zurückzudrängen und ihre Verbreitung danach so weit zu kontrollieren, dass ein vergleichsweise normales gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben wieder möglich wird.

Eine genaue Berechnung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie ist nicht möglich. Weltweit leiden Unternehmen unter dem Wegfall des Geschäfts, sorgen sich Mitarbeiter vielfach um die Sicherheit der Beschäftigung; eine Abwärtsspirale droht. Die kombinierte Industrie- und Konsumrezession macht es notwendig, für eine Abschätzung der gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen über Szenarien zahlreiche Annahmen und Setzungen zu machen. Dabei werden für die unterschiedlichen Branchen spezifische Annahmen getroffen. So ist der vermutete Rückgang in der Automobilindustrie angesichts der unkoordinierten Werksschließungen größer und wegen der internationalen Verflechtung länger als in vielen anderen Branchen. Im Einzelhandel (außerhalb Lebensmittel und Grundversorgung) und Bereichen des Sozialkonsums gibt es teilweise einen vollständigen Geschäftsausfall, der aber mit Rückkehr des öffentlichen Lebens jedenfalls in der Absolutheit zu überwinden wäre.

Für das Positivszenario werden folgende Annahmen getroffen: Der aktuelle Lockdown gilt bis Ende April, für wichtige Industriebranchen bestehen für weitere zwei Monate Schwierigkeiten durch gestörte Lieferketten, beispielsweise durch zeitlich versetzte Krankheitsverläufe in Teilen Europas, den USA und wichtigen Schwellenländern. Anschließend wird unterstellt, dass nach drei Monaten der Anpassung der Ausgangszustand wieder erreicht wird und danach ein gewisser Nachholeffekt eintritt. Das Negativszenario unterscheidet sich im Wesentlichen dadurch, dass der bestehende Lockdown noch zwei Monate länger anhält, also bis Ende Juni, und die Erholung mühsamer wird.