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Holger Schäfer IW-Kurzbericht Nr. 67 5. Juni 2020 Der Arbeitsmarkt im Mai 2020

Die Betriebe reagieren auf die Corona-Pandemie vorrangig mit einer Anpassung ihrer Arbeitsnachfrage durch Kurzarbeit. Zwar steigt durch Verzicht auf Neueinstellungen und Entlassungen auch die Arbeitslosigkeit, aber der Anstieg hat sich erstens im Mai nicht weiter beschleunigt und bleibt zweitens zahlenmäßig weit hinter der Kurzarbeit zurück.

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Die Betriebe reagieren auf die Corona-Pandemie vorrangig mit einer Anpassung ihrer Arbeitsnachfrage durch Kurzarbeit. Zwar steigt durch Verzicht auf Neueinstellungen und Entlassungen auch die Arbeitslosigkeit, aber der Anstieg hat sich erstens im Mai nicht weiter beschleunigt und bleibt zweitens zahlenmäßig weit hinter der Kurzarbeit zurück.

Die Betriebe in Deutschland greifen in starkem Maß auf die Kurzarbeit als Instrument zur Anpassung an ihre gesunkene Arbeitskräftenachfrage zurück. Im Mai wurden in den Anzeigen zur Kurzarbeit weitere 1,1 Millionen Personen genannt, nachdem es im März 2,6 Millionen und im April bereits 8 Millionen waren. Unsicher ist weiterhin, inwieweit aus der Anzahl der Anzeigen auf die realisierte Kurzarbeit geschlossen werden kann. Anhand vorläufiger Abrechnungsdaten schätzt die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Anzahl der Kurzarbeiter auf 2 Millionen im März und 6 Millionen im April. In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 konnte die Anzahl der Kurzarbeiter in der Spitze aus der Summe der in den Anzeigen genannten Personenzahlen des vorangegangenen und des laufenden Monats abgeleitet werden. Sollten sich die Schätzungen der BA als zutreffend erweisen, besteht dieser Zusammenhang in der gegenwärtigen Krise nicht in gleichem Maß, denn dann wären für den April über 10 Millionen Kurzarbeiter zu erwarten gewesen. Wenn sich bestätigt, dass die tatsächliche Anzahl deutlich darunter liegt, kann dies als Indiz dafür gewertet werden, dass viele Betriebe Kurzarbeit zwar angezeigt, diese aber zumindest bislang nicht eingeführt haben (Schleiermacher/Stettes, 2020). Denkbar ist aber auch, dass der zeitliche Abstand zwischen Anzeige und Einführung von Kurzarbeit diesmal größer ausfällt. Noch gänzlich unklar ist, welcher Ausfall des Arbeitsvolumens mit der Kurzarbeit verbunden sein wird.

Neben der Kurzarbeit besteht eine kurzfristige Reaktionsmöglichkeit der Betriebe im Verzicht auf Neueinstellungen. Verschiedene Indikatoren belegen, dass dies gegenwärtig eine wichtige Rolle spielt (Grafik). Die Anzahl der neu gemeldeten Stellen brach im April regelrecht ein und lag fast 60 Prozent unter der des Vorjahresmonats. Der Rückgang setzte sich im Mai fort, allerdings fiel er nicht mehr so hoch aus. Der Bestand der offenen Stellen sank hingegen weniger stark. Es liegt die Vermutung nahe, dass viele gemeldete Stellen im Bestand derzeit nicht mehr vakant sind, weil die Betriebe ihre Meldungen trotz nicht mehr bestehenden Bedarfs nicht zurückzogen. Mit einem Rückgang von 37 Prozent im April und 32 Prozent im Mai bleibt auch die Anzahl der Arbeitslosen, die eine neue, ungeförderte Beschäftigung gefunden haben, hinter dem Niveau des Vorjahres zurück. Eine Entspannung deutet sich bei den Neueinstellungen kaum an. Es ist zu erwarten, dass sich die Betriebe angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten auch in den kommenden Monaten zurückhalten werden.

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Auf Entlassungen greifen Betriebe gewöhnlich erst dann zurück, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Insofern besteht die Erwartung, dass sich ihre Anzahl erst in den kommenden Monaten aufbaut. Die Entlassungen sind nicht direkt und zeitnah empirisch beobachtbar, können aber anhand der Neuzugänge in Arbeitslosigkeit aus ungeförderter Beschäftigung approximiert werden. Dieser Indikator zeigt, dass die Betriebe offenkundig schon recht unmittelbar nach dem Lock-Down im April in stärkerem Maß Entlassungen vornehmen mussten. Die Zugänge in Arbeitslosigkeit stiegen um mehr als die Hälfte gegenüber dem Vorjahresmonat. Obwohl mit fortschreitender Dauer der Krise eine steigende Anzahl erwartet werden könnte, ging sie im Mai wieder zurück und lag nur noch ein Viertel über dem Wert des Vorjahresmonates. Dies kann als Hinweis darauf gedeutet werden, dass die Kurzarbeit als Anpassungsinstrument nach wie vor ein weit höheres Gewicht hat als Entlassungen und die Betriebe an der Erwartung einer absehbaren Entspannung der wirtschaftlichen Lage festhalten.

Der Verzicht auf Neueinstellungen und Entlassungen führen im Ergebnis zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dieser fällt im Mai allerdings geringer aus als im April. Während die Anzahl der Arbeitslosen im April saisonbereinigt noch um 372.000 zunahm, waren es im Mai nur 238.000. Im Vergleich zur Nutzung der Kurzarbeit erscheint die Zunahme der Arbeitslosigkeit bis hierhin noch gering. Allerdings muss im weiteren Verlauf des Jahres mit Steigerungen bis über 3 Millionen gerechnet werden.

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